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Mittwoch, 16. November 2016

Schule und Schulfrei ... ein Tag... zwei Erfahrungen

Es ist jetzt schon wieder ein paar Wochen her, dass ich live ein Kind wegen Schule wirklich leiden habe sehen.
Heute waren Nami bei ihrer Freundin. Ich sagte den beiden, sie sollen aber nach einer halben Stunde wieder kommen. Sie kamen aber nicht ... über Stunden... irgendwann ging ich dann zu ihnen hinüber.
Und siehe da, sie waren mit Deutsch-Hausaufgaben beschäftigt.
Meine Tochter hatte am Computer ihren Aufsatz geschrieben und er war so, wie sie die Aufgabe verstanden hatte. Sie hatte eine Geschichte geschrieben, am PC, mit Spannungsbogen.

Und dann hat ihre Freundin auch eine Geschichte geschrieben. Auch mit Spannungsbogen, aber er erfüllte die Anforderungen der Hausaufgabe nicht. Und dann musste sie diese Geschichte wieder und wieder schreiben. Nach dem 3.ten Mal fing sie an zu weinen und sich wirklich am Boden in Embryonalstellung zu legen. Und zusammen ziehen und wieder auseinander.

Und dann ging sie in ihr Zimmer und schrieb die Geschichte noch einmal. Aber wieder genügte es nicht den Anforderungen der Mutter. Die Mutter hatte aber selbst nicht verstanden worum es ging - die war ja auch nur in der Schule gewesen und dachte es muss einfach so erfüllt werden, wie es da steht. Nicht, dass es darum ging einen Spannungsbogen zu bauen und dass es überhaupt darum geht, dem Kind nicht die Freude komplett am Schreiben zu verderben.

Aber unerbittlich wollte sie, dass es so erfüllt wird, wie es eben dort gefordert wird. Es gibt diesen berühmten Spruch: Wo Bücher brennen, da brennen auch bald Menschen. Ich denke der gilt nicht für Schulbücher. Ich möchte das Feuer sehen, dass dieses Leid verzehrt, dass sie mit sich bringen. Oder ist es die Schule selbst? Irgendetwas fordert diesen blinden und unverständigen und mitleidslosen Wettlauf um die Plätze in der Gesellschaft, die nur mit Gehorsam zu verdienen sind und die immer weniger werden.

Wenn ich Menschen die Schule loslassen sehe, dann sehe ich auch oft, dass sie wieder plötzlich anfangen ihre Kinder zu sehen. Die Menschlichkeit scheint zurück zu kommen. Nein, sie war immer da. Aber unter der Panik seine Pflicht nicht zu erfüllen ist sie nur verschüttet gegangen. Wie kann man sich diesem System entziehen? Wie kann man gut bleiben... im Schlechten? Ich glaube es geht nicht. Die Schule korrumpiert. Und das ist schon das Ende der Geschichte. Es gibt kein Wenn und kein Aber... keine freie Schule und keine Ausnahme die dem Kind gut tut. Es ist ein Spiel, das nach bestimmten Regeln funktioniert. So wie Risiko. Du kannst den anderen direkt besiegen, Du kannst andere gegeneinander aufhetzen, aber am Ende kannst Du nicht einfach Deine Armee in den Ozean verlegen und Utopia eröffnen und Dich zum Pazifismus erklären. Allein dadurch, dass alle anderen spielen wirst Du gezwungen auch zu spielen. Alles andere ist Illusion.

Die Mutter bat uns nach weiteren zwei Iterationsrunden zu gehen, denn jetzt wurde es ernst. Ich konnte es gar nicht glauben. Ich hatte einfach kein Kind ... und keine Mutter / Vater mehr seit langen in solchen Qualen gesehen und der Ernst sollte jetzt erst beginnen. Also es geht hier nicht um körperliche Gewalt... das ist klar... ich kenne die Familie... aber es geht um die Erzwingung des Gehorsams und des Willensbrechens, damit man später funktioniert. Deswegen mag ich aber auch so gerne russische Familie, die sabbeln nicht von Konsequenzen wenn sie Strafe meinen und schwadronieren nicht von Motivieren wenn sie Unterordnen meinen. Sie nennen es noch so wie es ist.

Wir gingen dann... sehr bedrückt. Meine Tochter meinte, das wäre immer so mit den Hausaufgaben und das ist es was die Schule macht. Ich fragte sie, was sie denn meinte mit: Das macht die Schule. --- "Sie tötet die Fantasie" - ja und genau darum ging es. Der Text musste so geschrieben werden, wie es gefordert war. Der Rahmen war weit genug, dass man sagen konnte: Hier ist Fantasie gefragt. Aber er war so eng, dass die Fantasie schon alles vorgesetzt bekam, was sie brauchte um das Bild und die Geschichte fertig zu haben. Pure Suggestion. Ein langsames Unterwandern von allem, was einen menschlich macht. Unmerkbar. Wie ein Tarnkappenbomber - perfekt geformt über die Zeit.

Am Abend las ich dann Chopper noch aus einem Wissenschaftsbuch vor - während er für die Familie kochte. Es stellte sehr plastisch dar, wie das Experiment die Theorie ablöste. Wie über Generationen falsch geglaubtes Wissen zum Dogma werden kann und wie dieses Dogma durch einfache Experimente zum Wackeln gebracht werden konnte. Und wir unterhielten uns viel darüber.

Beim Essen hatten wir dann ein noch spannenderes Gespräch. Auf die Frage, wie mein erster Computer aussah, habe ich erzählt, dass es damals eigentlich nur eine Tastatur war. Mit den Fähigkeiten eines programmierbaren Taschenrechners. Dass es kein Internet gab, was alle wussten, aber auch keine CDs, USB-Sticks, Memory-Cards, sogar Floppys waren zu teuer für mich und man hatte Hörkassetten auf die man Programme spielte und die piepsten wenn man sie in ein normale Stereoanlage steckte. Aber nicht mal so etwas hatte ich und so musste ich alles, was ich spielen wollte selber programmieren. Und das musste ich auch erst mal lernen.
Aber auf diesen Computern wurde der Mondflug berechnet und die Amis knackten darauf die Codes der Deutschen (typisch Amis, immer am Krieg führen).
Und dann kamen wir auf Alan Turing, der diese Codes knackte. Und dann kamen wir zur Turing Maschine, mit der Turing bewies, dass jedes mathematische Problem an einem unendlichen Band mit 0llern und 1sern ausgerechnet wurde. Einfach in dem man hin und her läuft und diese 0er zu 1sern setzt und die 1ser auf 0 löscht.
Und nun erklärte ich den Kindern, wie sie eine Subtraktion (Minus) durch eine Addition programmieren können. Nami fragte dann, wieso das Band addieren konnte. Das Band kann aber erst mal nichts - das müssten sie schon selbst programmieren. Und Nami und Chopper suchten dann einen Weg wie sie selbst eine Addition programmieren könnten - und fanden diesen Weg recht einfach (was mich natürlich sehr gefreut und unglaublich stolz auf ihre Bildung gemacht hat).

Dann haben wir nach dem Essen noch eine Dokumentation - mal wieder über die Geschichte des Lebens - angesehen. Auch hier hat sich einiges bei den Kindern getan. Früher haben sie nach 20 Minuten immer pünktlich aufgehört, aber mittlerweile lieben sie es schon selber und verstehen unglaublich viel. Sie wollen dann immer länger kucken - aber Sanji (jetzt noch 7 Jahre alt) will dann spätestens nach 30 Minuten aufhören.
Wenn sie eine Doku durch haben, dann suchen sie schon selbständig die nächste aus und es gibt ein kurzes Brainstorming was als nächstes kommen soll und schon geht es weiter. Es ist eine Freude da zuzusehen.

Nami (wir erinnern uns, mein Mädchen, das noch vor 2 Jahren mit Dyslexie kämpfte) liest mittlerweile Bücher weit über ihrem Alter. Als letztes hat sie den Jugendroman: Die schwarzen Brüder (von Lisa Tetzner) gelesen. Und nun liest sie "Wer die Nachtigall stört" ein unglaublich tiefgehender Roman über wahren Mut. Und dass Menschen manchmal auch dann kämpfen müssen, wenn sie schon lange vor Beginn des Kampfes verloren haben. Und das liebe Menschen aus allen verschiedenen Gründen grausame Sachen tun müssen (so wie tollwütige Hunde erschießen). Über Aufrichtigkeit und die Fähigkeit auch schlimmste Beleidigungen zu verstehen und auszuhalten. Und interessanterweise spielt er genau zwischen zwei Generationen, von denen die Eltern noch ohne Schule groß wurden und die Kinder dauernd in die Schule müssen.
Ich lese dann auch immer vor - und sie kann gar nicht genug kriegen von den Geschichten. Das sind diese langen Abende, die unverantwortlich spät enden. Die aber ein einziges gemütliches und kuscheliges Zusammenwachsen und miteinander Wachsen sind.

Und dann sehe ich wieder ihre beste Freundin. Sie ist wirklich das fröhlichste Mädchen, das ich kenne, aber sie hat diese absolute Ablehnung gegen alles was Lesen ist. Gegen jedes Buch. Und anstatt, dass sie einfach mal spielen darf wird sie durch das System gepresst. Ich bin jeden Tag dankbar, dass mich vor 10 Jahren die Neubronners durch eine schräge Wendung des Schicksals angerufen haben und sie einfach ohne Schule lebten. Ohne sie hätte ich es von selbst nie geschafft an diesem Dogma zu rütteln
.
Deswegen: Nützt jede Chance aufzuklären. Auch wenn Ihr Euch lächerlich macht, oder Spott kassiert, oder Unverständnis oder das in unserer Gesellschaft so stark gefürchtete Naserümpfen. Manchmal treffen Eure Worte und Euer Vorleben auf einen Menschen, der nur darauf gewartet hat. Der innerlich seine Kopf an diesem goldenen Schulpflicht-Kalb kaputt geschlagen hat. Für ihn werden sich die innerlichen Fesseln lösen und seine Kinder werden nicht leiden müssen. Und damit auch eine Chance auf Bildung haben. Es ist wie ein Samen, den man über die Welt streut. Auf Beton wird er nicht aufgehen. Aber er wird auch manchmal auf Gras fallen und manchmal sogar aufgehen.

Freitag, 15. Januar 2016

Update - Das Ende der Dyslexie und weiteres

Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere, dass Nami noch vor 15 Monaten stark mit dem Lesen kämpfte - dann haben wir durch ein sehr hartes Training die 48 Wörter pro Minute erreicht. Ein Niveau, auf dem man flüssig lesen kann - nicht super, aber halt so, dass man die Geschichten versteht.

Fast Forward in die Gegenwart: "Eine Woche ohne Lesen hätte ich nicht überlebt" - ich war wirklich überrascht, als ich diesen Satz heute gehört habe.
Was ist in diesem Jahr passiert?

Nach dem harten Training machten wir praktisch einen kompletten Stopp. Es gab keinerlei Training mehr. Ich war erschöpft - sie war erschöpft. Und das Ziel war vorerst erreicht.

Nach ein paar Wochen der Pause lieh ich dann Comics aus... die Reihe "Der kleine Prinz" war besonders interessant. Auch Garfield, Donald Duck, Goofy und Hägar (wobei sie Hägar nicht so mochte). Auch andere leichte Kost. Am Anfang hatte sie noch gemeint: "Ich hasse Comics".

Doch mit der Zeit - und ich ließ sie da einfach in Ruhe - legte sich das und sie fing an die Comics zu lesen. Wenn ich sie sah, wie sie auf der Couch eines las, ging ich schnell weiter - tat so als ob ich nichts gesehen hätte. Nicht, dass sie aus stolz ihre Aussage "Ich hasse Comics" demonstrieren musste und das schnell weglegte.

Und so ... liest sie mittlerweile praktisch alles von Astrid Lindgren. "Kinder aus der Krachmacherstraße", "Kinder aus Bullerbü", "Michel bringt die Welt in Ordnung" und all das.

Man möchte es fast gar nicht glauben.
Ich habe dann letztens eine Lesemessung mit ihr gemacht. Mit RapidTyping. Und sie war bei ca. 300 Zeichen pro Minute. Das ist praktisch eine altersgemäße Lesegeschwindigkeit.

Rechtschreibung? Die wird kommen :) Jetzt soll sie erst mal ihr Lesen genießen. Und in einem Jahr schreibe ich dann darüber :)

Aktuell lernt sie als Skill-Trainings: Spanisch und 10-Finger-System. Und bei 10 Finger-System ist sie mittlerweile bei 70 Zeichen pro Minute.

Sanji (bald 7 Jahre) liest nun auch ziemlich normal. Wagt sich auch an kleinere Bücher heran und ist auf einem Niveau, dass ich alles Lesetrainings aufgehört habe. Auch er lernt jetzt 10-Finger-System. Auch wenn er noch sehr klein ist und seine Fortschritte mehr spielerisch sind, macht es ihn schon stolz auch da besser zu werden.

Chopper.... wo fange ich an? Er hat nun seine 8 oder 9 Kurse. Und lernt Französisch (hier schon ein sehr gutes Niveau - gerade übersetzt er mir Tintenherz (Coeur d'encre), und Latein (hier übersetzt er "Cornelia" - ja das kleine Biest gibt es auch auf Latein) und Italienisch (wo wir gerade anfangen, Roald Dahls "Magische Medizin" zu übersetzen). Zusätzlich lesen wir jeden Tag zwei Kapitel in einem Geschichtsbuch (aktuell "Die Geschichte der Wirtschaft", als nächstes dann über Krieg, Philosophie und Sklaverei). Und schauen uns noch zusätzlich irgendeine Youtube-Dokumentation über Geschichte an. Wenn er etwas nicht weiß, sieht er es sofort auf seinem Handy nach. Auch finde ich ganz toll, was er für eine App-Auswahl auf seinem Handy hat: Wikipedia, Anki und Memrise.

Er wird immer erwachsener, das geht nicht nur von seiner eigenen Entwicklung, sondern auch im Haushalt macht er seine Tasks praktisch von sich aus. Motzt nicht herum, sondern weist die beiden anderen Kinder darauf hin, dass sie - wenn sie mal ausgezogen sind - keinen Vater mehr haben, der das alles für sie übernimmt. Ich war wirklich erstaunt, als ich das hörte. Dankbarkeit für die Dinge, die andere für einen tun, finde ich eine der wichtigsten Eigenschaften. Zusammen mit Großzügigkeit in dem was man für andere tut.

Auch durch seine vielen Sportarten: Paddeln, Schwimmen, Parcours, Tanzen und Klettern ist er in seiner körperlichen Entwicklung auch sehr gut dabei.

Es ist einfach nur schön zuzusehen, wie Kinder jeden Tag größer und stärker werden. Und trotzdem bleibt ihnen noch so viel Zeit für Freunde und Spielen :)

Sonntag, 24. Mai 2015

Dyslexie, Hörbücher und Eiscreme

Nami hat jetzt erst mal komplett zu Lesen aufgehört. Nach der Party war für sie anscheinend die Luft raus. Die 46 wpm haben ihr auch erst mal genügt. Die Mutter ist ja weiterhin davon überzeugt, dass Dyslexie mein Hirngespinst ist und eigentlich alles in bester Ordnung.

Zusätzlich macht die Mutter mit Nami auch Lesen auf Englisch. Ich finde das zwar zweifelhaft, aber bei getrennten Eltern gibt es halt auch oft getrennte Vorstellungen von Erziehung und den besten Methoden (die gibt es natürlich auch bei nicht getrennten Eltern, aber die Lösungsfindung halte ich für einfacher, wenn ein gutes Verhältnis besteht).

Also stelle ich mich jetzt mal hinter diesen Englisch-Ansatz und schaue wohin er führt. Manchmal... ganz selten liest Nami dem kleinen Sanji auch etwas vor und dann verhalte ich mich so unauffällig wie möglich... Nein, hier ist kein Papa zur Hand, der jetzt auch vorlesen könnte :P...

Ich gehe jetzt erst mal den entspannten Weg und habe ganz viele Hörbücher für Nami besorgt. Zusätzlich mache ich mit ihr - und das ist ihr Geburtstagsgeschenk, da ich ja keine Geschenke *kaufe*: 5 Tage lang jeden Tag Eiscreme mit unserer Eismaschine und den Rezepten, die wir auf Pinterest.com finden. Die sind einfach super. (Habe ich schon gesagt, dass ich ein ganz tiefempfunder Fan von Pinterest bin? )


Zusätzlich will Nami ja Hühner füttern und pflegen. Also gehen wir jetzt jeden Sonntag zum Kleintierzüchterverein - und fragen, ob einer der Züchter sie mithelfen lassen will. Den ersten Sonntag haben die Züchter nur begossen in die andere Richtung gekuckt. Dieses Mal, hat sich schon einer erbarmt und hat seinen Züchterfreund (Ralf) gefragt, ob er ihr nicht die Hühner zeigen wolle. Das hat Ralf dann gemacht und Nami durfte sogar füttern und eins anfassen - er wollte ihr sogar zeigen, wie man es hoch nimmt. Am Ende hat er ihr noch angeboten, dass sie dann auch einen Schlüssel haben könne und so helfen könne (das hat er sich dann aber doch noch überlegt). Ich denke Nami kann hier auch wieder eine ganz wichtige Lektion des Lebens lernen: Endurance and Perseverance get you everywhere (auf Deutsch: steter Tropfen höhlt den Stein).


Und im Herbst/Winter fangen wir dann wieder mit einem Lesetraining an (falls es sich bis dahin nicht schon erledigt hat). Aber jetzt erstmal die Sommerferien und Eiscreme genießen.


Mittwoch, 11. März 2015

Dyslexie mit RapidTyping - eine sehr gute Lesehilfe

Wie ich schon mal erklärt habe benützen wir RapidTyping als Lese-Hilfe/Begleitung.
Wir haben jetzt innerhalb von 6 Monaten (nur jede 2.te Woche geübt) zwei Verdoppelungen der Lesegeschwindigkeit bekommen. Angefangen mit 8 wpm (Wörter pro Minute) auf 20 und letztens sogar 46 wpm. (Ja, es gab eine kleine Party :) )

(Der Link zum Download)
(Der Link zur Website)

Was ist RapidTyping?


RapidTyping ist eigentlich ein Programm um 10-Finger-System zu lernen. Und es ist kostenlos!

Wie kann man damit bei Dyslexie helfen?

Ich benütze es so, dass Nami sich eine Geschichte aussuchen darf (meistens ein Märchen von Brüder Grimm), dieses kopieren wir in RapidTyping. Dann liest sie es vor und ich tippe während dessen mit. Bei Fehlern halte ich an. Außer ich merke es würde sie entmutigen, dann tippe ich einfach weiter.

Hier seht ihr das Interface in das man Texte einfach reinkopieren kann:


Sofortiges Feedback!

Besonders am Anfang ist ein Training mit Dyslexie sehr frustrierend. 
Ohne RapidTyping: Der Unterschied zwischen 8 und 12 Wörtern in der Minute ist praktisch nicht wahrnehmbar. Nein, man hat bei beidem das Gefühl man müsse gleich in den Tisch beißen, weil es so langsam vorangeht. (Mit der Zeit gewinnt man Geduld :) ).
Mit RapidTyping: Man kann sich die Lesegeschwindigkeit in "Buchstaben pro Minute" und "Wörter pro Minute" anzeigen lassen. Dies wird konstant ausgerechnet - Erfolge werden so sofort sichtbar und motivieren alle Beteiligten.



Statistiken!

RapidTyping legt für jeden Schüler sehr gute Statistiken an, in denen man sich die Fortschritte anschauen kann - über die ganze Zeit. 

Totale Flexibilität

Man kann den Text einzeilig oder mehrzeilig darstellen lassen

Dieses ist für Lerner sehr wertvoll, die oft die Zeile verlieren - ein einzeiliger Text hilft hier sehr stark!

Man kann die Schriftgröße (also auch riesig) einstellen und die Schriftart selber.

Ein Cursor (kleines Rechteck) zeigt die ganze Zeit, bei welchem Buchstaben /Wort man sich befindet.

Man kann den Cursor über den Text wandern lassen, oder den Text unter dem Cursor weg.

Zusätzlich kann man auch noch ein Metronom einstellen, dass Zeitdruck anzeigt. Läuft es ab färbt sich der Buchstabe unter dem Cursor gelb und ist schwerer zu lesen. Dies kann man abstellen, einstellen, eigene Ablaufzeiten eingeben, etc.

Durch die Flexibilität kann man viele verschiedene Übungen machen (z.B. alle A's suchen, uvm.)

Multisensorisch

RapidTyping hat ein wirklich schönes Interface. Es ist bunt, hat süße Bilder und die süßen Bilder lenken nicht ab. Die Geräusche, die es macht wenn man tippt und wenn man sich verhaut sind auch schön und nicht störend.

Zusätzlich kann man damit tippen lernen. Seitdem Nami nun ein gutes Niveau erreicht hat, hat sie selbst damit angefangen tippen zu lernen. Das bedeutet sie tippt ihre Buchstaben selber und verknüpft eindeutig eine Bewegungsabfolge mit einem Buchstaben. Auch hier steigert sie sich - und es macht wirklich Spaß zuzusehen, wie sie selbst mehr und mehr Freude an ihren Erfolgen findet und genießt.

Beim Tippen lernen wird auch noch (ohne großes Tamtam deswegen zu machen) Rechtschreibung gelernt.

Wenn der Leser schneller wird als der Schreiber

Nami hat mittlerweile eine Geschwindigkeit erreicht, die ich nur noch mit Mühe tippe (also ca. 270 - 300 Buchstaben pro Minute (cpm) ). Hier tippe ich nicht mehr mit, sondern drücke nur noch auf die Leertaste und der ganze Text wird rot - aber ich kann genau in ihrer Geschwindigkeit mithalten und immer über ihrem Wort sein.


Ich bin RapidTyping wirklich dankbar :)

Was haltet ihr davon?

Montag, 23. Februar 2015

Dyslexie verstehen

Nami hat vor ein paar Wochen zu einem weiteren Lesen Power-Training zugestimmt und dieses haben wir mittlerweile fertig.
Ihre Lesefertigkeit hat sie von ca. 160-170 Zeichen pro Minute auf 210-230 gesteigert. Das ist ein immenser Fortschritt. Sie hat also ihre Lesestärke seit August von 60 Zeichen pro Minute knapp 2 Mal verdoppelt!
Mich freut das total. Nach ihren eigenen Aussagen fällt es ihr mittlerweile leichter.

Je mehr ich sehe wie sie liest und darüber lerne was Dyslexie ist, desto interessantere Seiten finde ich.
Eine total interessante Seite finde ich diese hier. Dort wird ein Text dargestellt, so wie ihn Dyslexier sehen - und als ich ausprobiert habe ihn zu lesen, habe ich genauso geklungen wie Nami!
Ich kopier den Text mal hier rein:
We pegin our qrib eq a faziliar blace, a poqy like yours enq zine.
Iq conqains a hunqraq qrillion calls qheq work qogaqhys py qasign.
Enq wiqhin each one of qhese zany calls, each one qheq hes QNA,
Qhe QNA coqe is axecqly qhe saze, a zess-broquceq rasuze.
So qhe coqe in each call is iqanqical, a razarkaple puq veliq claiz.
Qhis zeans qheq qhe calls are nearly alike, puq noq axecqly qhe saze.
Qake, for insqence, qhe calls of qhe inqasqines; qheq qhey're viqal is cysqainly blain.
Now qhink apouq qhe way you woulq qhink if qhose calls wyse qhe calls in your prain.

Das war Augen öffnend. Ich musste fast weinen, weil ich so stark mit ihr gefühlt habe wie schwer es für sie fallen muss.
Wenn sie so den Text sieht, dann ist es kein Wunder!

Als nächstes hier der Link zum Pinterest-Board von Homeschooling-Dyslexia reingeben.

Auch Sandra Dodd hat eine Seite in der sie über ihre Erfahrung mit Dyslexie schreibt. Sehr heftig - Schule scheint einer der schlechtesten Plätze zu sein an der man dieses Symptom zeigen kann.
Wenn ich mir schon meine ungeduldigen Reaktionen vor Augen führe - und ich zeige eigentlich sehr viel Geduld und bin ihr liebender und unterstützender Vater. Aber wenn jemand 10-mal bei einfachsten Wörtern stockt, dann sieht es aus wie Arbeitsverweigerung. Und wenn er dann um jede Zeile feilscht und sofort spielen will, dann sieht das noch heftiger nach Arbeitsverweigerung aus - bis zu dem Moment an dem man kapiert, wie schwer so eine Zeile ist und dass sich das Gehirn in diesem Spiel erholen will. Und zwar so ähnlich wie man sich nach einem Marathon-Lauf ausruhen will.
Hier ist auch ein wundervolles Video, dass die Situation für Dyslexier in einem Klassenzimmer-Setting zeigt - und warum ich so dankbar bin, dass Nami nicht dort war.


Ich höre oft, dass Unschooling Vertrauen in das Lernen des Kindes ist. Und ich bin da auch voll dabei. Aber für mich ist es irgendwie als ob ich der Höhlenbewohner in Platons Höhlengleichnis wäre. Vertrauen ist für mich die Sonne. Ich sehe nur die Schatten an der Höhlenwand, die sie wirft.
Die Erkenntnis wie fleißig Nami eigentlich ist, was für eine intellektuelle Anstrengung sie auf sich genommen hat, das gibt mir einen heftigen Eindruck von dem wie dieses Licht der Sonne sein muss - und wie die Gegenstände außerhalb meiner Höhle. Aber ich bin dennoch noch gefesselt mit Blick an die Wand.

Ich merke bei Sanji, wie stark ich loslassen kann. Wie sehr ich vertrauen kann und ich merke auch bei den größeren Beiden, wie sehr sie bemüht sind Dinge zu lernen. Ich weiß nicht woran es liegt, dass genau Sanji (der die freieste Erziehung von allen 3en kriegt) so ohne Mühe Dinge versteht - ob es die freiere Erziehung ist, oder ob er einfach super-schlau ist, oder ob ich einfach sensibler geworden bin für die ganzen kleinen Lernschritte, die ein Kind macht.

Nun ja, am Ende geht es darum die Zeit mit den Kindern zu genießen - und auch solche frustrierenden Lernereignisse in Spiele zu verwandeln. Lesen ist halt nun ein Knobelspiel für Nami. Mit einem immens hohen Einsatz an kognitiver Leistung.

Wir haben den 2-Wochen Power Training-Sprint jetzt erst mal erfolgreich beendet. Mit Kuchen und nächste Woche backen wir auch noch einen. Kuchen backen ist nämlich meine Schwäche und da kann Nami mir mal zeigen, wie gut sie Sachen kann und dass Lesen nur ein kleiner Teil der Welt ist - den sie eh nicht nötig hat :)

Hier noch eine Seite um zu testen, ob Dein Kind Dyslexie hat.

Zusätzlich noch die Seite von Learning Ally (die lesen den ganzen Stoff vor und haben Software, die beim Lesen unterstützt)

Eine interessante Sache ist auch - für mich persönlich, dass es für verschiedene Alphabete verschiedene Teile im Gehirn gibt. So ist das Kanji (chinesische Zeichen) woanders abgespeichert als unser römisches Alphabet. Dies wird in dem Buch "Proust and the Squid" erläutert, wo ein bilingualer Mann der diese beiden Alphabete kann nach einem Schlaganfall auf einmal nur noch Kanji kann.

Und noch ganz, ganz interessant ist das Yale Center for Dyslexia and Creativity (ja - Yale University - eine der 8 Ivory League Universities).

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Zu guter Letzt: Das Gehirn ist ein Muskel. Dyslexie kann "besiegt" werden durch regelmäßiges Training - ohne Druck - spielerisch, in Respekt für die große Leistung, die der Betroffene erbringt.

Menschen mit Dyslexie können immer noch studieren, Nobelpreise gewinnen, all ihre Träume verfolgen. Sie müssen nur wissen, dass sie Dyslexie haben und dass sie halt für dieses Skill Alternativen finden können - anstatt sich davon definieren zu lassen.


Montag, 9. Februar 2015

Leseschwäche

Ich hätte nie geglaubt, dass es so etwas wie eine Leseschwäche wirklich gibt. Aber mittler weile belehrt mich Nami gerade vom Gegenteil. Ich konnte früher gar nicht verstehen, warum die Leute da so rummachen, da ich selbst mehrere Alphabete kann (römisch, griechisch, kyrillisch, hiragana, katakana und lerne gerade kanji (das mit den 2000+ Zeichen)).

Wir haben mittlerweile ca. 150.000 Anschläge gelesen und Nami:

  • vertauscht immer noch Buchstaben e/a ---- b/p ---  w/v/r --  k/t/h
  • fügt Buchstaben hinzu: total -> stotal ; Tasche -> STasche
  • liest von innen nach außen: Bussi -> Ussib, Kuss -> Ussk
  • erkennt wiederholende Wörter nicht: Er fürchtet, fürchtet sich -> Er fürchtet, fü....???
  • triviale Wörter werden gar nicht erkannt: in -> ????
  • verirrt sich in Wörtern: herumjagen -> herumgeumherjagumher....
  • Wörter werden mit anderen Wörter mit ähnlicher Silhoutte ausgetauscht: und -> erst
  • Auslassungen: wieder -> wir
  • Einfügungen: einmal -> einstmal
  • Rückwärts lesen: rückwärts -> sträwckür
  • Zeile verlieren und nicht wiederfinden
  • Sehr anstrengend für sie (wir wollten Atlglas wegbringen und sie konnte nicht erkennen, welcher Container für "Grünglas" und welcher für "Weißglas" war)
  • Längen und Kürzen: Sonne -> sone; Tanne -> tane
  • Ähnliche Laute werden verwechselt: Karte -> garte


Zusätzlich hat sie mit einem sehr starken Zwinkern und Blinzeln begonnen. In einer Zeit in der wir kein Training gemacht haben.

Auf meine Liste schreibe ich praktisch jeden Tag etwas Neues.

Letztes Mal hat sie mit dem Training aufgehört. Ich kann es auch im Nachhinein verstehen, Wir haben angefangen mit 6000 Wörtern am Tag und uns dann hochgearbeitet auf 20.000. Was jeden Tag ca. 2 Stunden + in Anspruch genommen hat. Ganz am Anfang sogar noch länger, da sie nur 60 Zeichen in der Minute schnell gelesen hat. Das sind ca. 8 Wörter.

Um kurz einen Einblick in eine durchschnittliche Leseentwicklung zu geben:

Die Grafik zeigt verschiedene Geschwindigkeiten. Die meisten Kinder erreichen - nachdem sie die Buchstaben gelernt haben - zwischen 7 und 8 Jahren innerhalb von ein paar Woche eine Lesegeschwindigkeit, mit der sie Texte gut verstehen können. Also ab 50 Wörter in der Minute (das ist langsam aber einigermaßen flüssig, ca. jede Sekunde kommt ein Wort).

Wie ich in einem früheren Post geschrieben hatte, haben wir dann das Lesetraining abgebrochen und ich habe Mahjongg und solche Spiele geholt, die sie gerne gespielt hat.

Mittlerweile war sie wieder bereit (von sich aus) eine weitere Runde "Powertraining" zu machen - wir wollen auf die 50 Wörter in der Minute.
Sie hat also jeden Tag einen Text (ca. 7-9000 Wörter), 10 Minuten LRS-Leseliste, und dann noch eine Zeile (+so viel sie will) Wörter mit ihren Problembuchstaben schreiben.

Dies haben wir nun eine Woche gemacht und sie hat sich von 160-170 Zeichen pro Minute auf 210-220 Zeichen pro Minute gesteigert. Dennoch mit den oben genannten Fehlern, die zwar besser wurden, aber stetig blieben.

Ich bin nun unsicher, welchen Schritt ich als nächstes tun soll. Nami war weiterhin bereit das Powertraining zu machen - und will es sogar machen (!). Dennoch tut mir es richtig leid mit anzusehen, wie sie sich abmühen muss - für eine Sache, die den Homeschool- und Unschool-Kindern um sie herum einfach so zufliegt. So hat ihre ein Jahr jüngere Freundin an einem Tag 3 One-Piece Mangas durchgelesen und Sanji (der ja diese Woche 6 wird) liest auch schon mit 40 Zeichen pro Minute (aber ohne Anstrengung und mit viel Freude) - und dies nach sporadischem bis gar keinem Üben.
Sie hat im Powertraining diese Woche sogar oft über ihr Soll gearbeitet - zwei Minuten extra in der LRS-Liste und 5 Zeilen extra geschrieben.

Meine Ideen sind:
  1. Wir machen wieder eine Pause und warten ein bisschen, bis sie reift.
  2. Wir machen ein Silbentraining (also sie muss nur Silben finden)
  3. Wir lassen ihre Augen abklären, oder andere physiologische Ursachen (was man wahrscheinlich auf jeden Fall machen sollte)
  4. Oder wir machen das Training wie gehabt jetzt erst mal noch 2 Wochen weiter.
  5. Ich rufe eine professionelle Stelle an, die sich mit diesem Thema Vollzeit beschäftigt.

Auf jeden Fall muss ich mich noch viel tiefer in die Thematik Legasthenie einlesen - von der ich dachte sie sei einfach ein Hirngespinst.

Ich möchte aber noch abschließende Gedanken in diesem Post bringen:
1.) Ich glaube mittlerweile, dass die Betroffenen sehr viel durchmachen müssen - insbesondere in Schulsettings, wo nicht jeder so wohlwollend über die Schwächen von anderen ist. Und ich habe manchmal selbst meinen Kopf auf die Tischplatte fallen lassen, weil ich nicht glauben konnte, dass man ein Wort wie "ein" nicht erkennen kann, nachdem man "herausgehen" problemlos gelesen hat. Oder allein diese langsame Geschwindigkeit nicht ertragen konnte (über Stunden).
2.) Ich bin froh, dass ich so gut darauf eingehen kann - also ich bin mitten drinnen. Wie viele andere Fälle es gibt, in denen dadurch der ganze Bildungslauf gestört und teilweise zerstört wird ist einem nicht bewusst, bevor man gezwungen wird, dieses Thema nicht als Modekrankheit abzutun.
3.) Wenn man das Gefühl bekommt, dass ein Kind sehr "stur" ist, oder sich "weigert" lesen zu lernen, oder "faul" ist und sich drücken will, dann sollte man - bevor man solche Sachen äußert auf jeden Fall sich über dieses Symptom schlau machen. Die meisten Kinder (in freien Umgebungen) lernen sehr schnell zu lesen.
4.) Ein Unschooler über ihre Dyslexie:
 
5.) Ein Film über Dyslexie: 



6.) Ich bin froh, dass wir einen so personalisierten Bildungsansatz gehen. Nami konnte viele Talente entdecken und für sie ist es so, als ob sie etwas bestimmtes nicht so gut kann, aber dafür andere Sachen sehr gut kann. Z.B. ein Musikstück nach Gehör nachspielen, Nähen, Sport, etc. Es konnte nicht an ihr Selbstbewußtsein und nicht an ihre Selbstwahrnehmung. Sie hält sich nicht für dumm, sondern weiß, dass sie Stärken hat und sehr intelligent und geschickt ist. Und vielleicht überwindet sie mit diesem Selbstbewußtsein diese eine Schwäche auch.

Ich bin dankbar, dass die beiden anderen gut lesen - als sehr guter Leser habe ich wirklich Probleme diese "Unfähigkeit" zu verstehen. Chopper hatte am Anfang auch seine Startprobleme, aber mittlerweile liest er ja mit 550 Wörtern pro Minute. Auch Sachtexte gehen schnell und es tritt praktisch keine Ermüdung mehr auf. Sanji bis jetzt sieht das ganze Thema als ein Spiel an und fräst sich ohne jedes extra-Training durch die schwierigsten Wörter hindurch.

Sonntag, 23. November 2014

Aushalten und erfolgreicher Abschluss eines Skills

Nami beim "Ich will nicht lesen lernen", "Kein Interesse", etc. zu beobachten ist eine echte Herausforderung an die Geduld - der ich nun mit viel Vorlesen begegne. Und mit Mahjong und den schon genannten Spielen. Kopf hoch... vielleicht sollte ich mir wirklich selbst ein Ziel setzen und mindestens 10-20 Kinderbücher vorlesen, bis ich es wieder aufs Tablett bringen und sie bis dahin einfach "passiv" lesen lassen.

Chopper hat heute sein Skill-Training "10-Finger-System" beendet. Nach 4 Monaten war es wirklich an der Zeit. Er tippt jetzt ca. 140 Zeichen pro Minute und das ist heftig, wenn ich an die Anfänge zurückdenke, bei denen er gerade mal ca. 10 in der Minute hatte und einen Heulkrampf. Er ist dann gleich losgelaufen und hat es auf der Skill-Liste abgehakt.

Auf der sich immer mehr füllenden Skill-Liste hat er sich heute "Programmieren lernen mit Khan Academy" ausgesucht. Es war ein ganz schöner Unterschied zu 10-Finger-System. Er hat am Anfang noch gefragt, wie viel er machen soll und dann nach den ersten Minuten hat man nur noch jubilieren gehört. Ich denke 10-Finger-System hilft ihm massiv beim programmieren. Er kann sich jetzt auf das Programm konzentrieren und hatte richtig gute Ergebnisse. Und Khan Academy hat wirklich schöne Übungen, die besonders den Einstieg ins Programmieren erleichtern.

In der Küche beim Abendessen hat er mich dann gefragt, warum ich will, dass er so viel lernt und warum ich mir so viel Mühe gebe. Das war eine Frage, die mich wirklich überrascht hat. Insbesondere weil so ein dankbarer Ton darin lag, dass mir fast die Tränen kamen. Meine Mutter sagte noch immer - weil der Opa das auch sagte: Undank ist der Welten Lohn - und insbesondere bei Kindern. Nachvollziehen kann ich das bei Chopper nicht. Er ist wirklich dankbar und er sieht seine Erfolge.

Kinder lernen in Sprints - so schreibt John Holt. Ja, und ein 3 Monatssprint scheint bei einem 10 jährigen genau richtig zu sein.

Ich will nochmal betonen, dass Chopper sich auch nochmal 10-Finger-System aussuchen hätte können. Ein Skill-Sprint ist zwar vorbei, aber wenn er es noch höher, weiter, besser hätte sein wollen, so hätte man das wieder aufnehmen können und neue Ziele beschließen.

Jetzt weiß ich nicht, ob ich das morgen mit den Kindern feiern will oder nicht.... Hmmm... Ich fühle mich danach.

Freitag, 21. November 2014

Nami - Lesen (Update)

Nami hat wirklich Probleme beim Lesen. Sie liest sehr langsam (in meinen Augen) und es macht ihr auch keinen Spaß.
Ich habe jetzt eine Zeit mit ihr einfach ganz viel gelesen. Wir waren teilweise 3 Stunden am Tag damit beschäftigt. Für 10 Seiten in Sternenschweif (eine Serie über Pferde, die sich in Einhörner verwandeln, wenn man Mondblumen.... ihr versteht was ich meine) hat sie ewig gebraucht.

Dann ist sie immer besser geworden und irgendwann haben wir dann 26 Seiten in 2 Stunden 15 Minuten geschafft. Sie war erst wirklich stolz darauf und hat angefangen in der Bibliothek selbst Bücher durchzulesen. Aber einige Zeit später - als sie einen großartigen Weg zu entkommen gefunden hatte - hat sie dann wirklich gar nicht mehr gewollt.

Ich denke es ist auch nicht gut so viel Druck aufzubauen, also habe ich ganz schweren Herzens erstmal abgelassen. Schweren Herzens, weil sie am Anfang tausendmal gewechselt hat und keine Methode wirklich länger als eine Woche durchgehalten hat. Und wir haben nun schon 20 Methoden durch und verschiedene Fibeln und weiß nicht was.

Also versuche ich jetzt - im Nachlassen - einen Schritt zurück zu gehen. Noch einmal ganz leichte Sachen zu suchen, in denen noch einmal die Buchstaben mit dran kommen. In denen die Silben verschieden sind, und wenig am Tag. Im Modus "Ich ein Stück-Du ein Stück" - also ich lese eine Seite, dann liest sie eine Seite in einem schwereren Buch. Oder demselben.

Zusätzlich habe ich jetzt noch ein Suchbuch "Ich finde was" geholt, damit sie ihre Wahrnehmung üben kann und biete gerade für ein Mahjong Spiel.




















Ich halte Mahjong für ein echt gutes Spiel zum Lesen lernen. Es ist eine perfekte Vorübung da man komplexe Zeichen finden muss.