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Mittwoch, 16. November 2016

Schule und Schulfrei ... ein Tag... zwei Erfahrungen

Es ist jetzt schon wieder ein paar Wochen her, dass ich live ein Kind wegen Schule wirklich leiden habe sehen.
Heute waren Nami bei ihrer Freundin. Ich sagte den beiden, sie sollen aber nach einer halben Stunde wieder kommen. Sie kamen aber nicht ... über Stunden... irgendwann ging ich dann zu ihnen hinüber.
Und siehe da, sie waren mit Deutsch-Hausaufgaben beschäftigt.
Meine Tochter hatte am Computer ihren Aufsatz geschrieben und er war so, wie sie die Aufgabe verstanden hatte. Sie hatte eine Geschichte geschrieben, am PC, mit Spannungsbogen.

Und dann hat ihre Freundin auch eine Geschichte geschrieben. Auch mit Spannungsbogen, aber er erfüllte die Anforderungen der Hausaufgabe nicht. Und dann musste sie diese Geschichte wieder und wieder schreiben. Nach dem 3.ten Mal fing sie an zu weinen und sich wirklich am Boden in Embryonalstellung zu legen. Und zusammen ziehen und wieder auseinander.

Und dann ging sie in ihr Zimmer und schrieb die Geschichte noch einmal. Aber wieder genügte es nicht den Anforderungen der Mutter. Die Mutter hatte aber selbst nicht verstanden worum es ging - die war ja auch nur in der Schule gewesen und dachte es muss einfach so erfüllt werden, wie es da steht. Nicht, dass es darum ging einen Spannungsbogen zu bauen und dass es überhaupt darum geht, dem Kind nicht die Freude komplett am Schreiben zu verderben.

Aber unerbittlich wollte sie, dass es so erfüllt wird, wie es eben dort gefordert wird. Es gibt diesen berühmten Spruch: Wo Bücher brennen, da brennen auch bald Menschen. Ich denke der gilt nicht für Schulbücher. Ich möchte das Feuer sehen, dass dieses Leid verzehrt, dass sie mit sich bringen. Oder ist es die Schule selbst? Irgendetwas fordert diesen blinden und unverständigen und mitleidslosen Wettlauf um die Plätze in der Gesellschaft, die nur mit Gehorsam zu verdienen sind und die immer weniger werden.

Wenn ich Menschen die Schule loslassen sehe, dann sehe ich auch oft, dass sie wieder plötzlich anfangen ihre Kinder zu sehen. Die Menschlichkeit scheint zurück zu kommen. Nein, sie war immer da. Aber unter der Panik seine Pflicht nicht zu erfüllen ist sie nur verschüttet gegangen. Wie kann man sich diesem System entziehen? Wie kann man gut bleiben... im Schlechten? Ich glaube es geht nicht. Die Schule korrumpiert. Und das ist schon das Ende der Geschichte. Es gibt kein Wenn und kein Aber... keine freie Schule und keine Ausnahme die dem Kind gut tut. Es ist ein Spiel, das nach bestimmten Regeln funktioniert. So wie Risiko. Du kannst den anderen direkt besiegen, Du kannst andere gegeneinander aufhetzen, aber am Ende kannst Du nicht einfach Deine Armee in den Ozean verlegen und Utopia eröffnen und Dich zum Pazifismus erklären. Allein dadurch, dass alle anderen spielen wirst Du gezwungen auch zu spielen. Alles andere ist Illusion.

Die Mutter bat uns nach weiteren zwei Iterationsrunden zu gehen, denn jetzt wurde es ernst. Ich konnte es gar nicht glauben. Ich hatte einfach kein Kind ... und keine Mutter / Vater mehr seit langen in solchen Qualen gesehen und der Ernst sollte jetzt erst beginnen. Also es geht hier nicht um körperliche Gewalt... das ist klar... ich kenne die Familie... aber es geht um die Erzwingung des Gehorsams und des Willensbrechens, damit man später funktioniert. Deswegen mag ich aber auch so gerne russische Familie, die sabbeln nicht von Konsequenzen wenn sie Strafe meinen und schwadronieren nicht von Motivieren wenn sie Unterordnen meinen. Sie nennen es noch so wie es ist.

Wir gingen dann... sehr bedrückt. Meine Tochter meinte, das wäre immer so mit den Hausaufgaben und das ist es was die Schule macht. Ich fragte sie, was sie denn meinte mit: Das macht die Schule. --- "Sie tötet die Fantasie" - ja und genau darum ging es. Der Text musste so geschrieben werden, wie es gefordert war. Der Rahmen war weit genug, dass man sagen konnte: Hier ist Fantasie gefragt. Aber er war so eng, dass die Fantasie schon alles vorgesetzt bekam, was sie brauchte um das Bild und die Geschichte fertig zu haben. Pure Suggestion. Ein langsames Unterwandern von allem, was einen menschlich macht. Unmerkbar. Wie ein Tarnkappenbomber - perfekt geformt über die Zeit.

Am Abend las ich dann Chopper noch aus einem Wissenschaftsbuch vor - während er für die Familie kochte. Es stellte sehr plastisch dar, wie das Experiment die Theorie ablöste. Wie über Generationen falsch geglaubtes Wissen zum Dogma werden kann und wie dieses Dogma durch einfache Experimente zum Wackeln gebracht werden konnte. Und wir unterhielten uns viel darüber.

Beim Essen hatten wir dann ein noch spannenderes Gespräch. Auf die Frage, wie mein erster Computer aussah, habe ich erzählt, dass es damals eigentlich nur eine Tastatur war. Mit den Fähigkeiten eines programmierbaren Taschenrechners. Dass es kein Internet gab, was alle wussten, aber auch keine CDs, USB-Sticks, Memory-Cards, sogar Floppys waren zu teuer für mich und man hatte Hörkassetten auf die man Programme spielte und die piepsten wenn man sie in ein normale Stereoanlage steckte. Aber nicht mal so etwas hatte ich und so musste ich alles, was ich spielen wollte selber programmieren. Und das musste ich auch erst mal lernen.
Aber auf diesen Computern wurde der Mondflug berechnet und die Amis knackten darauf die Codes der Deutschen (typisch Amis, immer am Krieg führen).
Und dann kamen wir auf Alan Turing, der diese Codes knackte. Und dann kamen wir zur Turing Maschine, mit der Turing bewies, dass jedes mathematische Problem an einem unendlichen Band mit 0llern und 1sern ausgerechnet wurde. Einfach in dem man hin und her läuft und diese 0er zu 1sern setzt und die 1ser auf 0 löscht.
Und nun erklärte ich den Kindern, wie sie eine Subtraktion (Minus) durch eine Addition programmieren können. Nami fragte dann, wieso das Band addieren konnte. Das Band kann aber erst mal nichts - das müssten sie schon selbst programmieren. Und Nami und Chopper suchten dann einen Weg wie sie selbst eine Addition programmieren könnten - und fanden diesen Weg recht einfach (was mich natürlich sehr gefreut und unglaublich stolz auf ihre Bildung gemacht hat).

Dann haben wir nach dem Essen noch eine Dokumentation - mal wieder über die Geschichte des Lebens - angesehen. Auch hier hat sich einiges bei den Kindern getan. Früher haben sie nach 20 Minuten immer pünktlich aufgehört, aber mittlerweile lieben sie es schon selber und verstehen unglaublich viel. Sie wollen dann immer länger kucken - aber Sanji (jetzt noch 7 Jahre alt) will dann spätestens nach 30 Minuten aufhören.
Wenn sie eine Doku durch haben, dann suchen sie schon selbständig die nächste aus und es gibt ein kurzes Brainstorming was als nächstes kommen soll und schon geht es weiter. Es ist eine Freude da zuzusehen.

Nami (wir erinnern uns, mein Mädchen, das noch vor 2 Jahren mit Dyslexie kämpfte) liest mittlerweile Bücher weit über ihrem Alter. Als letztes hat sie den Jugendroman: Die schwarzen Brüder (von Lisa Tetzner) gelesen. Und nun liest sie "Wer die Nachtigall stört" ein unglaublich tiefgehender Roman über wahren Mut. Und dass Menschen manchmal auch dann kämpfen müssen, wenn sie schon lange vor Beginn des Kampfes verloren haben. Und das liebe Menschen aus allen verschiedenen Gründen grausame Sachen tun müssen (so wie tollwütige Hunde erschießen). Über Aufrichtigkeit und die Fähigkeit auch schlimmste Beleidigungen zu verstehen und auszuhalten. Und interessanterweise spielt er genau zwischen zwei Generationen, von denen die Eltern noch ohne Schule groß wurden und die Kinder dauernd in die Schule müssen.
Ich lese dann auch immer vor - und sie kann gar nicht genug kriegen von den Geschichten. Das sind diese langen Abende, die unverantwortlich spät enden. Die aber ein einziges gemütliches und kuscheliges Zusammenwachsen und miteinander Wachsen sind.

Und dann sehe ich wieder ihre beste Freundin. Sie ist wirklich das fröhlichste Mädchen, das ich kenne, aber sie hat diese absolute Ablehnung gegen alles was Lesen ist. Gegen jedes Buch. Und anstatt, dass sie einfach mal spielen darf wird sie durch das System gepresst. Ich bin jeden Tag dankbar, dass mich vor 10 Jahren die Neubronners durch eine schräge Wendung des Schicksals angerufen haben und sie einfach ohne Schule lebten. Ohne sie hätte ich es von selbst nie geschafft an diesem Dogma zu rütteln
.
Deswegen: Nützt jede Chance aufzuklären. Auch wenn Ihr Euch lächerlich macht, oder Spott kassiert, oder Unverständnis oder das in unserer Gesellschaft so stark gefürchtete Naserümpfen. Manchmal treffen Eure Worte und Euer Vorleben auf einen Menschen, der nur darauf gewartet hat. Der innerlich seine Kopf an diesem goldenen Schulpflicht-Kalb kaputt geschlagen hat. Für ihn werden sich die innerlichen Fesseln lösen und seine Kinder werden nicht leiden müssen. Und damit auch eine Chance auf Bildung haben. Es ist wie ein Samen, den man über die Welt streut. Auf Beton wird er nicht aufgehen. Aber er wird auch manchmal auf Gras fallen und manchmal sogar aufgehen.

Sonntag, 13. September 2015

Nach den Sommerferien - ein Update

Wie ich diesen Schulanfang nach all den Jahren noch spüre, wenn das Wetter so herbstlich wird. Dieses Aufwachen mit einem tiefen Gefühl der Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit, die das Ende der Sommerferien markiert. Nächstes Jahr bin ich wieder im Ausland um diese Zeit. Im Süden. Definitiv. Der Duft und Anblick von Pinien und Meer ertränkt alle Dunkelheit und alles Grau.
 Woran merkt man als Unschooler, dass der Sommer vorbei ist? Eigentlich nur am Wetter... und dann ist heute auch noch der letzte Tag an dem das Freibad geöffnet ist. Letztes Jahr um diese Zeit war ich gerade ein paar Tage in Venedig und es standen uns noch herrliche zwei Wochen bevor. Als wir dann zurückkamen war es herrliches Wetter. Die Luft war aber schon kalt und die roten Blätter der Bäume verrieten was bald kommen würde.

Wenn ich mich frage, was mir Unschooling bedeutet und ein schulfreies Leben, dann fühle ich wie tief es geht: So viel! Alles! Jeden Tag wachsen dürfen, so wie ich es will. So wie es *mein* Leben verlangt. Kein anderer. Es gibt keine Katastrophe mehr - es gibt nur noch Richtungen der Entwicklungen.
Dieses Jahr habe ich mit Singen angefangen und es ist als schließt sich dadurch eine so starke Lücke in meiner Persönlichkeit. Ich war immer nur akademischer Verstand oder stilles Gefühl. Singen hat mir Ausdruck verliehen - auch wenn ich Singen selber noch nicht kann.

Gerade ging ich durch die Wohnung... Nami lag auf der Couch und las "Der kleine Prinz" - die Comicreihe. Nach dem ganzen Training wegen ihrer Dyslexie haben wir ja dann bei 46 Wörter pro Minute eine Pause gemacht. Kein Training mehr. Eine lange Sommerpause. Generell fangen wir die Sommerpausen ja so um März herum an.
Und dann fragte mich Nami, was denn sei, als ich stehenblieb und ihr einfach beim Lesen zusah... was sei? Freude... Tränen in den Augen... Innerer Frieden... Ich nickte nur und machte: Mmmm...
Dann sah sie nach einer Minute wieder auf und begann über die Finsterlinge (sie repräsentieren Angst in dem kleinen Prinzen) zu erzählen, die gegen den kleinen Prinzen kämpfen. Sie dachte die wären kleiner. Von seinen Ängsten denkt man wohl immer sie seien kleiner... bis man anfängt sich ihnen zu stellen und gegen sie zu kämpfen.
Eine andere Entwicklung ist, dass Nami nun mittlerweile die Untertitel von One Piece mitliest. Und das ist wohl ein super Training für ihr Lesen.

Danach ging ich in die Küche. Chopper saß am Tisch und frühstückte und las. Er liest praktisch immer beim Frühstück. "Herr der Fliegen" ist es gerade. Ein Buch, das bestimmt kein Kind in der 5.ten Klasse liest. Eine Freundin sagte mal, dass ich Chopper für die Ivy League trainiere... und das stimmt wohl auch irgendwo. Aber ich bin überzeugt dieses Recht auf die Erreichung seines ganzen Potentials hat jeder Mensch. Warum sollen Menschen nur kleine Flügel bekommen, wenn sie große Schwingen wachsen können? Welche die im Licht schillern, wenn sie auf die Sonne zufliegen?

Nami hat jetzt auch ein Ziel: Ihr Ziel ist es, dass Blaumeisen aus ihren Händen picken. Was für ein schönes Ziel :) Sie fährt jeden Sonntag früh zu dem Kleintierzuchtverein und füttert dort bei einem Züchter die Hühner. Und mittlerweile hat der Züchter auch Albino-Kaninchen für sie gekauft. Und sie fängt auch an die Hühner der Nachbarn zu füttern. Sie gibt toten Tieren ein Begräbnis und spürt alle Vogelnester auf.

Die beiden großen Kinder lernen nun Sprachen. Chopper lernt Französisch... da ist er ja auch schon ziemlich weit. Hat nun Latein dazugenommen und mittlerweile auch Italienisch. Gestern wollte er auch noch Bayerisch nehmen, aber ich riet ihm erst mal seinen Laser zu fokussieren, bevor er alles mache. Er hat ja noch genug Zeit. Er benutzt mittlerweile hin und wieder lateinische Wörter - und ja - ich muss mittlerweile nachfragen. Und er erklärt mir dann seine Theorien mit welchen Wörtern sie aus unserer Sprache zusammenhängen. "Ostendere" meinte er würde mit Osten zusammenhängen - er stellte sich wohl einen Imperator vor, der damals nach Osten *zeigte*. Aber Osten, so fanden wir dann heraus kommt aus dem Althochdeutschen. Über die Jahre wird sich so sein linguistisches Gespür entwickeln.

Nami lernt nun Spanisch. Am Computer. Ganz alleine. (ja wirklich, alle Kinder schicken mich raus, wenn sie lernen - nur Sanji *noch* nicht - sollte mir das irgendwas sagen?). Sie macht das wirklich gut.

Diese Woche beginnen wieder die Kurse. Und am 20.ten ist dann schon Choppers Tanzaufführung.
Letzte Mama-Woche hat Chopper die ganze Woche seine eigenen Spiele programmiert.

Meine Haushaltsfähigkeiten werden immer besser. Ich war eine Zeit lang ratlos, da ich nicht wußte, wie ich die Kinder einbinden kann. So dass es ihnen Freude macht. Ganz freiwillig hat nicht funktioniert. Das Leben ist einfach viel viel spannender als Haushalt. Nun haben wir die Vereinbarung, dass sie ein Zimmer aufräumen (oder einen Teil von einem Zimmer) und ich dann immer extra was koche. Kochen macht mir dann auch Freude, wenn ich merke, dass wir alle was tun und ich kann wirklich was Gutes kochen. Die Ordnung wird dadurch die Ordnung der Kinder - somit achten sie auch darauf und richten nicht einfach Chaos an, als ob es kein Morgen gäbe. Und die Küche nicht vor dem Kochen erst selbst komplett aufräumen zu müssen entspannt wirklich. Sehr. Und ich kann mich darauf konzentrieren meine Kochkünste zu verfeinern.

Unser Familienalltag hat sehr wenige Tiefs. Über die letzten Wochen wurde es wieder sehr sehr harmonisch. Und ein sehr starkes Zusammensein. Die Kinder lernen immer mehr aufeinander einzugehen.

Tagsüber sehe ich die Großen nur immer mal wieder. In den Ferien haben ja die anderen Kinder Freigang und Freundschaften können geschlossen werden und den ganzen Tag kann gespielt werden. Ich komme rein und auf einmal liegt da wieder die Freundin von Nami im Wohnzimmer und streichelt den Hund... ich kratze mich am Kopf.

Nami hat auch ihre Kleptomanie mittlerweile sehr gut überwunden. Ich kann überall Geld rumliegen lassen (eine Schwäche von mir). Und nichts mehr verschwindet. Nein, mehr noch. Nami bastelt kleine Sparbüchsen und räumt das Geld dann zusammen.

Mittwoch, 8. Juli 2015

Vor-Lesen

Eine der wichtigsten Sachen für das Lernen ist mittlerweile das Vorlesen geworden.
Ich lese also jeden Tag beständig etwas vor. Mal ein dickes Buch (über mehrere Tage hinweg), mal eine Märchensammlung.
Während ich die meisten Texte "niveaugerecht" auswähle, halte ich es aber für sehr wichtig, dass hin und wieder ein Buch vorkommt, der weit über das aktuelle Niveau herausgeht (ca. 4 Schulklassen :P  über Choppers aktuellem Verständnis).
So habe ich letzten Urlaub "Call of the Wild" von Jack London (wird in der Highschool in der 8.ten Klasse gelesen) angefangen, bis Chopper es dann aufgegriffen hatte - und noch weitere Bücher von London las.
Am Anfang muss man zwar immer ein bisschen (viel) erklären, aber mit der Zeit "läuft" das Buch dann einfach.
Dann war es "Die Kinder aus Nr. 67", "Farm der Tiere" und auch "Herr der Fliegen".

Nun ist "Das Bildnis von Dorian Gray" dran - bei den ersten Seiten war ich echt kurz vor dem Aufgeben. Es ist dieser Teil in dem praktisch der ganze Zeitgeist des 19. Jahrhunderts erklärt wird - und das alles mit den hochtrabendsten Worten.

Wie dem auch sei, ich habe etwas zurückgeschalten und erst mal nur immer eine Seite gemacht und diese dafür viel erklärt. Und dann haben wir alle darüber gesprochen.

Es geht um die alte Frage "Was ist, wenn wir die Möglichkeit haben mit allem durchzukommen und egal wie böse wir sind immer ungestraft davonkommen?".
Es hat sehr gut zu "Herr der Ringe" gepasst (das Chopper gerade durchgelesen hat) - dort gibt es ja diese Ringe, die das auch ermöglichen (durch Unsichtbarkeit, so viel ich weiß).

Mittlerweile sind wir an einem Punkt, wo wir wirklich gut über das Buch und die Eigenschaften der Charaktere sprechen können. Also haben wir es erstmal den Berg hoch geschafft und können nun den Ausblick genießen. Ich denke Durchhaltevermögen ist wirklich eine der wichtigsten Eigenschaften, die man gar nicht früh genug anfangen kann zu üben.

Einen anderen interessanten Seiteneffekt hat die ganze Vorleserei jetzt auch noch: Chopper hat "Vorlesen" als Skill auf die Skill-Liste gesetzt und will das jetzt aufbauen. Heißt: er liest mir jetzt von sich aus immer wieder was vor. Das ist echt schön - so habe ich mir das mal vor... äh...10 Jahren gewünscht. Und jetzt wo ich diesen Wunsch schon fallen gelassen habe, da kam er auf einmal unerwartet und hat sich erfüllt. Nach 10 Jahren!


Samstag, 4. Juli 2015

Sprachen Update - Latein

So, heute haben wir beim Essen über eine riesen Pizza Fungi gesprochen, da meinte Chopper, dass "Fungus" "Pilz" auf Latein heiße. Er sagte noch ein, zwei Wörter Latein und erzählte mir dann ganz beiläufig, dass er jetzt schon mit Latein angefangen habe - und doch nicht Italienisch als seine nächste Sprache mache.
Ich war wirklich beeindruckt und habe mich echt gefreut, dann meinte ich, dass ich ihm vor ein paar Tagen ein Video geschickt habe, in dem jemand Latein spricht.
Das haben sie sich dann alle gleich auf Youtube angesehen und Chopper meinte danach, dass er schon ein paar Wörter erkannt habe: "Ist irgendwie so eine Mischung aus Englisch, Deutsch und Französisch".

Ich hatte ihm folgendes dazu geschrieben:

an der Stelle 7.25 spricht Cäsar Augustus Latein - aber mit einem italienischen Dialekt. Echt interessant.
schau mal ob Du die Worte: consentio, igitur und sumus heraushörst und ihre Bedeutung rausfindest :)


Sonntag, 21. Juni 2015

Französisch - 3 Monate später

So, eine Skill-Training Phase in Französisch ist vorbei und Chopper hat folgende Tools für wertvoll befunden:


  1. Anki (Grundwortschatz)
  2. Memrise (Grundwortschatz)
  3. Skill-Storm (Fortgeschrittener Text, mittlerweile Robin Du Bois (nicht vereinfacht))
  4. Asterix et Obelix (Comic, einfacher Text)
  5. Youtube (einfache Geschichten für Kleinkinder, jetzt Asterix)


Er hat sich beschlossen noch einmal 3 Monate Französisch zu machen.

Wir haben folgende Veränderungen gemacht.


  • Anki ist in den Hintergrund geraten, da er nur noch zwischen 10 Sekunden und 1 Minute braucht - wohlgemerkt, es geht hier um den Grundwortschatz von "Decouvertes 1" (einem Schulbuch für ein ganzes Schuljahr)
  • Memrise wird beibehalten, er findet es gut, dass er im Gegensatz zu Anki die Worte in beiden Richtungen lernt und auch selbst schreiben muss - dafür ist es auch um einiges langsamer als Anki (355 Wörter im Langzeitgedächtnis, während Anki schon 872 Karten auf "alt" hat)
  • Skill-Storm (hier sind mittlerweile auch (872! - genau wie in Anki) auf "Well Known" und 495 bekannt. Bei Skill-Storm hat er jetzt über 22.000 Punkte (30.000 ist ein recht gutes passives Sprachniveau).
  • Asterix und Obelix als Comic ist rausgeflogen, da er meinte die kann er schon "lesen wie Deutsch". Ich habe ihm noch "Tim und Struppi" aus der Bibliothek geholt.
  • Statt Asterix und Obelix liest er jetzt "Petit Nicholas" - da meinte er heute auch, dass es ihm ziemlich einfach fällt, und er heute aus Versehen 2 Seiten gelesen hat (eigentlich soll er eine Seite lesen).
  • Youtube (unverändert)

Gestern sagte er zu mir, dass er in Sprachen nicht so gut ist. Ich habe ihn dann sanft darauf hingewiesen, dass nicht jeder 10-jährige nach ein paar Monaten Comics und Filme liest in der Lernsprache liest. Das hat ihn wirklich erstaunt. Wenn ich denke, wie lange ich an meinem Schulfranzösisch rumgebastelt habe und wie viel Grammatik und Vokabeln ich versucht habe mit allen Akzenten zu lernen... naja, reden wir nicht davon.
Aber es ist spannend zu sehen, dass es wirklich keine große Leistung ist. Es ist halt einfach selbstgesteuertes Lernen, das jeden Tag über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten wird. Es ist kein Zauberwerk und kein Talent, keine große Arbeit oder sonstwas.

Sonntag, 23. November 2014

Aushalten und erfolgreicher Abschluss eines Skills

Nami beim "Ich will nicht lesen lernen", "Kein Interesse", etc. zu beobachten ist eine echte Herausforderung an die Geduld - der ich nun mit viel Vorlesen begegne. Und mit Mahjong und den schon genannten Spielen. Kopf hoch... vielleicht sollte ich mir wirklich selbst ein Ziel setzen und mindestens 10-20 Kinderbücher vorlesen, bis ich es wieder aufs Tablett bringen und sie bis dahin einfach "passiv" lesen lassen.

Chopper hat heute sein Skill-Training "10-Finger-System" beendet. Nach 4 Monaten war es wirklich an der Zeit. Er tippt jetzt ca. 140 Zeichen pro Minute und das ist heftig, wenn ich an die Anfänge zurückdenke, bei denen er gerade mal ca. 10 in der Minute hatte und einen Heulkrampf. Er ist dann gleich losgelaufen und hat es auf der Skill-Liste abgehakt.

Auf der sich immer mehr füllenden Skill-Liste hat er sich heute "Programmieren lernen mit Khan Academy" ausgesucht. Es war ein ganz schöner Unterschied zu 10-Finger-System. Er hat am Anfang noch gefragt, wie viel er machen soll und dann nach den ersten Minuten hat man nur noch jubilieren gehört. Ich denke 10-Finger-System hilft ihm massiv beim programmieren. Er kann sich jetzt auf das Programm konzentrieren und hatte richtig gute Ergebnisse. Und Khan Academy hat wirklich schöne Übungen, die besonders den Einstieg ins Programmieren erleichtern.

In der Küche beim Abendessen hat er mich dann gefragt, warum ich will, dass er so viel lernt und warum ich mir so viel Mühe gebe. Das war eine Frage, die mich wirklich überrascht hat. Insbesondere weil so ein dankbarer Ton darin lag, dass mir fast die Tränen kamen. Meine Mutter sagte noch immer - weil der Opa das auch sagte: Undank ist der Welten Lohn - und insbesondere bei Kindern. Nachvollziehen kann ich das bei Chopper nicht. Er ist wirklich dankbar und er sieht seine Erfolge.

Kinder lernen in Sprints - so schreibt John Holt. Ja, und ein 3 Monatssprint scheint bei einem 10 jährigen genau richtig zu sein.

Ich will nochmal betonen, dass Chopper sich auch nochmal 10-Finger-System aussuchen hätte können. Ein Skill-Sprint ist zwar vorbei, aber wenn er es noch höher, weiter, besser hätte sein wollen, so hätte man das wieder aufnehmen können und neue Ziele beschließen.

Jetzt weiß ich nicht, ob ich das morgen mit den Kindern feiern will oder nicht.... Hmmm... Ich fühle mich danach.

Freitag, 12. September 2014

Allgemeinbildung vs. Skill-Training - Teil 1 - Was ist Skill-Training?

Skill-Training, der Ausdruck hat sich bei mir über die Jahre erst eingeschlichen, dann etabliert, und jetzt ist er eine Redewendung geworden. Wie "Ich mach jetzt mein Skill-Training", "Wie war Dein Skill-Training" und so weiter.

Da wir alle wissen was Allgemeinbildung ist (oder jeder seine Meinung darüber hat) und Skill-Training noch keiner kennt, hier erst mal eine Beschreibung:

Hier erst mal die Kurzformel:

  • *Effekt
  • *Real World
  • *Begrenzter Zeitraum
  • *Gewohnheit
  • *Maßstäbe
  • *Ziel
  • *Umfassend
(oder kurz: ERBGMZU - was immer das bedeuten mag :D )

Unmittelbarer Effekt:

 es gilt keine abstrakten Sachen zu lernen, sondern man "macht" etwas, alles was auf dem Weg liegt wird gelernt. Was nicht auf dem Weg liegt ist irrelevant!

Beispiele: 

  • Ein Schwert aus Holz bauen
  • Ein Auto (Seifenkisten) konstruieren, 
  • Ein 3D-CAD Programm dazu benützen um ein *druckbares* Spielzeug zu designen
  • Ein Computerspiel / Anwendung schreiben
  • Eine Geschichte schreiben, oder einen Manga entwerfen/zeichnen

-Real World Check: 

Die Sache die man macht, gibt das Feedback. Macht man es schlecht, so hat man am Ende etwas produziert mit dem man selbst nicht zufrieden ist und geht zurück ans Zeichenbrett (das nennt man lernen :P ). Macht man es gut, so dass man zufrieden ist, kann man etwas komplexeres oder herausfordernderes machen.

-Begrenzter Zeitraum:

Innerhalb dieses Zeitraums (typischerweise 3 Monate) konzentriert man sich auf das eine Skill. Jeden Tag wird etwas daran gearbeitet. Es gibt keine Änderung des Plans - kurz STIP: Stick to the Intial Plan. 
Es gibt nur eine Ausnahme: Man merkt, dass es wirklich zu schwer ist für den Trainee, dann wird es um ein halbes Jahr oder ein Jahr verschoben. Aber ein Skill gesucht, das einen Teil der Aufgabe abbildet. 
Nach 3 Monaten wird dann ein Resümee gezogen - zusätzlich wird das nächste Skill ausgewählt. (Das nächste muss nicht unbedingt verschieden sein, aber auf einem anderen Level liegen).


Beispiele:
Erst mal ein Skill das so schlecht lief, dass wir es verschoben haben:
Programmieren: Programmieren haben wir erst angefangen. Dann gemerkt, dass es zu noch zu schwer ist ein Buch über Programmierung zu lesen und das umzusetzen. 
Dann haben wir gemerkt, dass es selbst beim Paarlesen noch zu Schwierigkeiten führt. Dann habe ich versucht kleine Übungen zu machen, die aufeinander aufbauen und sich am Buch und Youtube-Tutorials orientieren. Als dies auch zu keinen guten Resultaten führte haben wir es um ein Jahr verschoben und versuchen es nächsten März noch mal.

Skills die wir daraus abgeleitet haben (Meilenstein-Ziele): 
1.) LEGO-Mindstorm-Programmierung in einem Club mit anderen Kindern (Mindstorms sind einfacher zu programmieren und der Effekt ist viel stärker).

2.) 10-Finger-System

3.) Leseverständnis bei Sachbüchern aufbauen

Ein Skill das gut läuft:
Lesen: Lesen haben wir nun mehrmals verlängert. Bis es mittlerweile zu einem Selbstläufer wurde (zumindest das Lesen von Geschichten (3 Fragezeichen, Momo, etc.)).
Es wurde nun wieder verlängert auf einem neuen Level: 10 Minuten in einem Sachbuch (über ein unbekanntes Thema - aktuell Physik) jeden Tag.

10-Finger-System: Dieses läuft seit 2 Monaten. Ziel sind 200 Anschläge in der Minute.


-Macht der Gewohnheit

Es werden jeden Tag mindestens 10 Minuten gemacht. Hier soll sich eine Gewohnheit aufbauen. Wird etwas über 27 Tage regelmäßig praktiziert gewöhnt man sich daran und es fehlt etwas, wenn man es nicht macht. Dies ist eine ungeheure Waffe, die man hat um sich selbst zu verbessern.

-Selbst erkennbare Maßstäbe

Es ist wichtig, dass der Lernende selbst entscheiden kann, wann etwas gut oder wann etwas schlecht ist. Kann er das nicht, dann bedeutet das nichts anderes, dass die Aufgabe für ihn sinnlos ist, denn eine gute Leistung ist einer schlechten ja gleich. Es macht also keinen Unterschied für ihn.

Beispiele:
Fertigstellung des Holzschwerts, des Autos
Verstehen eines Sachbuchs ohne Hilfe
200 Anschläge in der Minute

-Am Anfang (oder nach ein paar Stunden) ein Ziel setzen:

Das Ziel soll realistisch sein und selbst gesetzt werden. Es geht zwar um die Erreichung des Ziels, aber es ist nicht schlimm, wenn man nur weniger erreicht. Das Ziel ist mehr darin zu sehen, dass der Lernende weiß, auf was es ankommt.

Beispiel:
Bei Schreibmaschine-Schreiben kommt es auf die Geschwindigkeit und die Fehlerlosigkeit an. Erreicht man nach 3 Monaten nur 100 Anschläge die Minute, anstatt die angezielten 200, so ist das nicht schlimm. Und man hat schon 100 erreicht! Am Ende der 3 Monate kann man entscheiden, ob man noch mal 3 Monate *ausgeben* möchte, oder sich auf ein wertvolleres Ziel konzentrieren möchte. Oder auf ein Meilenstein-Ziel (z.B. man erkennt noch die Buchstaben schlecht und konzentriert sich noch mal auf Lesen lernen).

-Skills diskriminieren (fast) nicht:

So schwer das auch für viele ist, sie sind umfassend und diskriminieren nicht zwischen schlechten und guten Fähigkeiten. 

Beispiel:
Trainee spielt nur Computerspiele. Den ganzen Tag Ego-Shooter. Hier kann man als Skill den Level erhöhen. In Ego-Shootern rennt man durch Gänge und sammelt Waffen um Feinde zu erschießen.
Eine mögliche Erhöhung wäre, dass der Trainee jeden Tag 30 Minuten ein Spiel spielt, dass auch einen wirtschaftlichen Faktor berücksichtigt. Der nächste Level wäre dann ein Spiel, dass neben wirtschaftlichen Faktoren auch strategische und geschichtliche Faktoren in Angriff nimmt. 
Danach müsste der Trainee, dann genug Kraft gesammelt haben, dass er 30 Minuten am Tag eine geschichtliche Dokumentation ansieht, die sich mit allen Aspekten aus dem Spiel befasst.
Nach weiteren 3 Monaten müsste er dann genug Selbstbewusstsein angesammelt haben um historische Romane zu lesen. Von dort kann man zu historischen Sachbüchern, dann zu anderen Themen wechseln. Und so weiter.


Sonntag, 15. Juni 2014

Keine Allgemeinbildung mehr? - 1. Literatur

Ich habe ja hier den Begriff des "Skills" eingeführt.
Ich will nun noch einmal den Begriff des Skills anwenden auf ein paar Dinge, aus denen keine neuen Maschinen, Programme, Möbel entstehen oder konkrete Fähigkeiten wie die "Fähigkeit zu Lesen", 10-Finger-System etc.

Also jetzt geht es eher um unkonkrete Dinge wie:

  1. Literatur
  2. Musik
  3. Welt verstehen


Diese Sachen hören sich erst einmal sehr diffus an. Wir wissen, dass wir in Deutsch, Englisch, etc. Literatur anfingen.
Das bedeutet, wir fingen an Dürrenmatt oder Shakespeare oder Dickens zu lesen. Die Klassiker halt.
Genauso haben wir in Musik auch klassische Stücke gehört von Leuten wie Beethoven, Mozart und wie sie alle hießen.

In der Schule haben wir das eher auf formaler Ebene abgehandelt. Während wir uns bei Dürrenmatt gefragt haben, ob die Physiker nun Verantwortung für die Atombombe tragen oder nicht, gab es bei Shakespeare dann schon solche Fragebögen.

Ich will diesem schulischen Ansatz nun den "Skilling" Ansatz gegenüberstellen.

In diesem Frage ich mich, wozu ist Literatur gut? Wozu ist Shakespeare und Dürrenmatt gut? Oder Dickens? Oder wie erkenne ich Literatur? Erkenne ich es am Einband oder am Alter (wie das Shakespeare-Quiz nahelegt)? Erkenne ich es daran, dass Leute, die weiße Haare haben dieses Buch als "Meisterstück" bezeichnen, während sie ernst kucken?

Ich denke in Literatur werden immer Geschichten erzählt. Dies klingt erst mal trivial und richtig. Wenn eine Geschichte gut erzählt wird, dann wird etwas bestimmtes uns näher gebracht, von dem wir vorher weniger wußten. Wenn eine Geschichte gut erzählt wird erfahren wir verschiedene Sichtweisen, ergreifen Partei oder verlieren unsere vorher bestehend Urteile und betrachten die ganze Angelegenheit unter anderen Blickwinkeln.
Die Geschichte der Sklaverei soll in Onkel Toms Hütte so gut beschrieben worden sein, dass von Abraham Lincoln gesagt wird, dass er die Schreiberin mit den Worten begrüßt hat: "Das ist also die kleine Frau, die uns diesen Krieg beschert hat" (Er meinte den Bürgerkrieg in den USA, mit dem auch die Sklaverei beendet wurde).

Literatur ist nun also genau das: Wenn Geschichten unseren Horizont erweitern, wir eine tiefere Empfindung von Geschehnissen oder Begriffen (wie Liebe, Hass, Willenskraft, Freundschaft, etc.) erreichen.

Und dieses ist ein "Skill": Literatur zu erkennen und sie zu verstehen, zu sehen wie eine Thematik auf mehreren Ebenen *hautnah* und *spürbar* beschrieben wird. Das ist der Punkt an dem wir anfangen echte Literatur zu genießen und von seichter Unterhaltung, die nur unsere Zeit vertreibt unterscheiden zu können.
Und dieses Können ist wichtig und Lernenswert. Einmal erreicht, ist es nicht wieder verlernbar.
Wie Fahrrad fahren persönlich!

Und daran erkennen wir ein Skill!

Während wir die Fakten wann Shakespeare jetzt eigentlich gelebt hat und wie viele Begriffe er in die englische Sprache eingeführt hatte eine praktisch nutzlose Information ist, deren fauliger Geruch nicht einmal alle Düfte Ägyptens verbessern können.


Wichtig: Masse!
Wie bei allem sollte man um Masse bemüht sein. Deswegen höre ich einen Großteil der Bücher.
Eine großartige Quelle für Literatur ist hier librivox.org - Hier werden Unmengen an klassischen Stücken vorgelesen. Z.B. Krieg und Frieden (Teil 1) dauert als mp3 zum Hören nur 15 Stunden!

Mittwoch, 21. Mai 2014

Allgemeinbildung? Spezialisierung? Oder was?

Die aktuelle Bildung

1. Stufe!
Als ich die Schule verlassen hatte, hatte ich die sogenannte Allgemeinbildung. Wahrscheinlich war ich döfer als andere, aber ich wußte nicht einmal wann das Mittelalter anfängt und wann es aufhört. Und warum war Rom zusammengebrochen? Warum war der Citronensäurezyklus wichtig? Und so weiter.
Also die schulischen Inhalte - so sinnvoll die Sachen an sich sind - waren nicht wirklich bei mir angekommen.

ABER:
Nehmen wir an: Ich hätte das alles gewusst. Alles wäre bei mir angekommen. Ich hätte gewusst, dass inkompetente, arrogante Herrscher nicht mit den Barbaren Frieden schließen konnten und so Rom eins nach dem anderen Mal überrannt wurde. Bis es ausgelaugt war und das römische Reich zerfiel. Innere Streitigkeiten, Kampf um Macht und so weiter.
Nehmen wir an ich hätte gewußt, dass der Zitronensäurezyklus in Lebewesen Energie gewinnt indem er Zucker, Fette usw. abbaut.
Nehmen wir an, ich hätte das alles gewusst und alles andere was der Lehrplan mir vermitteln sollte! Nehmen wir an "Schule" hätte geklappt!
Nehmen wir an ich hätte dieses wertvolle Gut: "Allgemeinbildung" gehabt!


Und nun?! Was damit anfangen? Ich hätte wohl genauso gut im Supermarkt Regale einräumen müssen, als Bedienung oder als Verkäufer oder als andere gering bis gar nicht qualifizierte Kraft arbeiten müssen. So viel bringt einem nämlich Allgemeinbildung. Und ich habe "nämlich" in dem Satz ohne "h" geschrieben! 13 Jahre, die sich gelohnt haben.

Allgemeinbildung ist eben allen gemein. Man nimmt an, dass die Sachen eh allen irgendwie mehr oder weniger geläufig sind. Lesen, Schreiben, Rechnen, Geschichte, Biologie, Werken, 2 Fremdsprachen und noch eine halbe, Physik und Chemie.

Und Punkt. Mehr bringt es nicht und mehr ist es nicht von allem etwas zu wissen und irgendwie alles.

Was für eine Bildung ist nun aber etwas Wert? Wenn Allgemeinbildung nichts Wert ist, sollen wir uns einfach zurücklehnen und nichts machen? Sollen wir versuchen noch schneller als die anderen Allgemeinbildner zu laufen, damit wir uns wenigstens im "Vergleich" profilieren und herausstechen aus der grauen Masse derer, die alle das Wissen, was alle eh wissen?

2.Stufe!
Aus dieser kompletten Nutzlosigkeit und Unverwendbarkeit aller Bildung, die man in der Schulzeit
angesammelt hat folgt nun die nächste Verzweiflungstat.
Man verbringt noch einmal jahrelang damit sich Dinge beibringen zu lassen - die nun hoffentlich (man ist ja mittlerweile schon desillusioniert) in irgendwas münden. Und sei es eine Ausbildung zum Einzelhandelsfachangestellten oder Büroundwordschreibtischhengst.
Irgendwo muss man ja einen Platz auf der Welt haben, den man sich mit "Bildung" anscheinend erkaufen können sollen muss.

Am Ende sind wir also spezialisiert und haben für den Rest unseres Lebens einen festen Platz in unserer Gesellschaft. 

Die Revolution

Nehmen wir uns den alten Traum 
...heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden.
Ohne jetzt den Träumer der das träumte zu verraten, nehmen wir uns noch zwei weitere Konzepte für unsere Revolution:
omnes omnia omnino excoli - oder allen alles ganz zu lehren
und die sogenannte 
direkte Aktion 
in der man die Sache direkt anpackt anstatt ewig mit irgendwelchen Institutionen (gesellschaftlichen Einrichtungen, Konventionen, etc.) verhandeln.

Wenn wir dies alles zusammenmischen, dann haben wir eine Bildung in der wir verschiedene Dinge lernen indem wir sie machen!, anwenden!. 
Aber nicht "machen" im Sinne von "eine Lampe in Werken" und auch nicht "anwenden" mit unseren Geschichtskenntnissen auf aktuelle Zeitungsereignisse.

Wir "machen" die Dinge die wir wollen.


Wollen wir einen Tisch machen, so müssen wir Hobeln, Schleifen, Sägen, Lackieren, Beiteln, etc. lernen. Und dies lernen wir daran, dass wir diesen Tisch machen! Wir machen genau den Tisch den wir wollen!

Wollen wir ein Lied in einer fremden Sprache verstehen und mitsingen wollen, dann lernen wir die Wörter aus diesem Lied in diesem Lied.
Wollen wir einen Text verstehen, dann lernen wir diesen Text. Wir lernen nicht mehr 5 Jahre Englisch mit irgendwelchen didaktischen Aufbereitungen, "damit" wir dann "Charly and the Chocolate Factory" lesen können. Wir lesen direkt "Charly and the Chocolate Factory".

Wir haben Fantasie und wollen einen Roman schreiben. Überspringen wir die Rechtschreibung und die Grammatik und die Analyse und die Stilmittel wie "Metapher" und "Klimax", sondern schreiben! und lesen! andere gute Geschichten.

Direkt! Keine "Damits" mehr!

Wir wollen ein Spiel programmieren? Eine Rechnung ob es sich lohnt eine Packung Smarties zu kaufen, und sie in 5er Packs an die Kinder auf dem Spielplatz zu verkaufen? Einen Go-Kart konstruieren? Ein Auto oder ein Schiff bauen? Einen feuerspeienden Drachen?

Wir sind inmitten einer Revolution! Lasst uns nicht klein denken.

Das was wir dabei lernen ist keine "Allgemeinbildung" und keine "Spezialisierung" - es sind konkrete Fertigkeiten. Danach ist etwas fertig, vollbracht. Oder auf Englisch: Skills!

Dieser Blog geht also nicht so sehr um "Bildung" - sondern um den schnellen, effizienten und direkten Erwerb von Fertigkeiten.

Lasst uns also Ideen sammeln, wie man direkt etwas machen kann.