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Sonntag, 15. Mai 2016

Mal wieder ein Update - Gerichtstermin, Namis Berufswunsch, Chopper wird Flügge und Sanjis Leseparty

Zuerst der Gerichtstermin, da meine Ex findet ich mache zu wenig "Schulstoff" und zu viel "Bildung" mit den Kindern, aber Schulstoff wichtiger ist hatte ich jetzt einen Gerichtstermin vor einem franz. Gericht.
Natürlich konnte ich spielend alle Anzweifelungen und Anschuldigungen vom Tisch fegen, zumal ich mittlerweile gewohnt bin mit "Autoritäten" zu sprechen und einen lockeren, freundschaftlichen Umgang zu jedem Menschen pflege.
Ich war am Abend vor dem Termin nervös... es hat sich so wie vor dem Abitur angefühlt... wo man sich denkt: Heute ist der letzte Tag dieses Lebens und wenn ich es morgen versaue, dann ist alles vorbei und ... keine Ahnung. Es ist wie der Vorabend einer großen Operation am offenen Herzen, heute singen noch die Vögel, die Sonne scheint, aber am nächsten Tag kann schon alles wirklich für immer vorbei sein.
Und dann hatte ich kurz vor Sonnenuntergang die Wende. Mir ist alles bewusst geworden, was ich gelernt habe, wie viel ich trainiert habe, an mir gearbeitet habe, wie ich tausend mal hinausgegangen bin um zu wachsen... und zu wachsen... wie oft ich meine Komfort-Zone verlassen habe...
Und dann war da nur noch der Spruch von Muhammed Ali (oder wie man ihn schreibt): I am the greatest!
Es war so eine tiefe innere Überzeugung, dass was auch passiert, ich das Beste daraus mache, wie ich es schon tausendmal geschafft habe und noch 50.000 mal schaffen werde. Ich war in diesem Augenblick unbesiegbar.
Und diese Einstellung hat mich dann nicht mehr verlassen.... selbst vor der Verhandlung bin ich noch herumgetänzelt vor innerer Freude wie ein Boxer im Ring.
In der Verhandlung selbst war ich dann noch gelöster, mein Geist war klar wie Bergwasser und meine Erwiderungen (obwohl in Französisch) kamen einfach so.
Ich wusste einfach, dass ich es kann. Dass ich größer als die Situation bin und dass ich auch größer als jede Niederlage bin... selbst wenn eine käme... ich würde es in etwas Positives verwandeln.
Wow... das war mein "One Moment in Time".

Ich habe auch eine politische und soziale Bewegung gegründet, die auf diesem Prinzip gründet: Nimm immer den größten nächsten Schritt, der sich anbietet. Gehe nie einen Schritt zurück, denn Du trittst allen die hinter Dir stehen auf die Füße. Wenn Du nach hinten gehst, dann nur um Anlauf zu nehmen.

So... und jetzt wie geht's den Kindern. Mein inneres Wachstum wirkt sich sehr stark auf meinen Umgang mit den Kindern aus. Ich habe eine neue Lockerheit entwickelt, so dass wir wirklich viel Spaß und Freude miteinander haben.
Nami will nun Klinik-Clown werden. Ich finde das einen tollen Job, als ich im Krankenhaus war kamen die mal zu mir und ich dachte mir nur: "Clowns.. echt jetzt? Ich habe hier ganz andere Probleme und da kommen die roten Nasen herein und wollen mich zum *Lachen* bringen. Lachen ist absolut daneben in meiner Lage." - und sie haben es trotzdem geschafft. Ich kann mir vorstellen, wie schwer es für einen Clown sein muss todkranke Kinder zum Lachen zu bringen... oder Erwachsene. Aber es macht so einen Unterschied. Und jetzt will sie genau diesen Job mit den Worten: Lachen ist die beste Medizin.
Nach all dem Gehänge mit dem Lesen liest sie nun sehr gut. Pro Woche ca. ein Buch; ihr Ziel ist es alles von Astrid Lindgren zu lesen. Ich habe jetzt ein paar neue Bücher angebracht ("Briefe vom miesesten Planeten des Universums" und "Der 14.te Goldfisch") und sie fängt auch an diese zu lesen.

Chopper hat sein erstes längeres Zeltlager. Insgesamt 4 Übernachtungen. Er hat gesagt: Er genießt es ohne Eltern, wir sollen bloß nicht vorbei schauen. Autsch... aber er wird bald 12...
Er liest aktuell ein Buch nach dem anderen. So ca. 1200 Seiten in der Woche. Sein Skill-Training hat er deswegen schleifen gelassen und ich habe eine Weile zugeschaut. Ich wollte sehen, was daraus kommt. Aber er las einfach noch mehr - und noch unansprechbarer. Er hat jetzt alle Bücher durch, die Worte wie "Chroniken", "Drachen" oder "Reiter" drinnen hatten. Drachenreiter, Adlerreiter, Pegasusreiter, Phönixreiter... fehlen nur Pferdereiter und Eselsreiter. Ich habe ihm dann wieder sein Skill-Training ans Herz gelegt, das ist einfach wichtig meiner Meinung.
Aktuell lernt er Französisch, Latein und Italienisch. Für Latein ist er sogar schon Contributor auf Memrise. Mit einem sehr schönen Text in seiner Bio. Da steht, dass er das Interesse an Latein durch seinen Vater bekommen hat, der bei jedem Wort die lateinische Wurzel erzählt hat.
Wir haben jetzt die Gewohnheit eingeführt jeden Tag macht jeder einen Haushaltstask. Chopper hat wirklich das Kochen übernommen. Das ist echt toll, nicht mehr jeden Tag kochen zu müssen. Nur manchmal komme ich in die Küche, das Nudelwasser ist komplett verdampft und er ist 40 Seiten in seinem Buch weiter.

Sanji hat - endlich, dass ich das noch erleben darf!!!! - ohne Probleme Lesen gelernt. Damit ist er mein erstes Kind, das sich - wie in den "Kinder lernen selber"-Ratgebern - innerhalb kurzer Zeit und mit nur wenigen Tipps und Übungen Lesen beigebracht hat. Man möchte sagen fast von selbst. Er liest nun schon so gut, dass wir seine Leseparty geben.
Interessant ist wie die Kinder schon rechen. Ich habe nur hin und wieder kleine Tipps gegeben. Die Mutter hat sie auf Khan Academy verfrachtet und manchmal diskutieren wir über mathematische Probleme (aber eben nicht rechnen) und sie rechnen echt Dinge wie: 2*96 oder 1050 /2 - auch Sanji rechnet das schon ziemlich akkurat.
Ich lege da zwar weder Wert noch Fokus darauf, sonder vermeide das Thema eher, aber ich finde es dennoch interessant, wie sich so was entwickelt.

Aktuell lernen die beiden Kleineren eine Fremdsprache und 10-Finger-System. Nami lernt Spanisch auf Duolingo und Sanji kuckt Peppa Pig in Spanisch an.



Freitag, 15. Januar 2016

Update - Das Ende der Dyslexie und weiteres

Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere, dass Nami noch vor 15 Monaten stark mit dem Lesen kämpfte - dann haben wir durch ein sehr hartes Training die 48 Wörter pro Minute erreicht. Ein Niveau, auf dem man flüssig lesen kann - nicht super, aber halt so, dass man die Geschichten versteht.

Fast Forward in die Gegenwart: "Eine Woche ohne Lesen hätte ich nicht überlebt" - ich war wirklich überrascht, als ich diesen Satz heute gehört habe.
Was ist in diesem Jahr passiert?

Nach dem harten Training machten wir praktisch einen kompletten Stopp. Es gab keinerlei Training mehr. Ich war erschöpft - sie war erschöpft. Und das Ziel war vorerst erreicht.

Nach ein paar Wochen der Pause lieh ich dann Comics aus... die Reihe "Der kleine Prinz" war besonders interessant. Auch Garfield, Donald Duck, Goofy und Hägar (wobei sie Hägar nicht so mochte). Auch andere leichte Kost. Am Anfang hatte sie noch gemeint: "Ich hasse Comics".

Doch mit der Zeit - und ich ließ sie da einfach in Ruhe - legte sich das und sie fing an die Comics zu lesen. Wenn ich sie sah, wie sie auf der Couch eines las, ging ich schnell weiter - tat so als ob ich nichts gesehen hätte. Nicht, dass sie aus stolz ihre Aussage "Ich hasse Comics" demonstrieren musste und das schnell weglegte.

Und so ... liest sie mittlerweile praktisch alles von Astrid Lindgren. "Kinder aus der Krachmacherstraße", "Kinder aus Bullerbü", "Michel bringt die Welt in Ordnung" und all das.

Man möchte es fast gar nicht glauben.
Ich habe dann letztens eine Lesemessung mit ihr gemacht. Mit RapidTyping. Und sie war bei ca. 300 Zeichen pro Minute. Das ist praktisch eine altersgemäße Lesegeschwindigkeit.

Rechtschreibung? Die wird kommen :) Jetzt soll sie erst mal ihr Lesen genießen. Und in einem Jahr schreibe ich dann darüber :)

Aktuell lernt sie als Skill-Trainings: Spanisch und 10-Finger-System. Und bei 10 Finger-System ist sie mittlerweile bei 70 Zeichen pro Minute.

Sanji (bald 7 Jahre) liest nun auch ziemlich normal. Wagt sich auch an kleinere Bücher heran und ist auf einem Niveau, dass ich alles Lesetrainings aufgehört habe. Auch er lernt jetzt 10-Finger-System. Auch wenn er noch sehr klein ist und seine Fortschritte mehr spielerisch sind, macht es ihn schon stolz auch da besser zu werden.

Chopper.... wo fange ich an? Er hat nun seine 8 oder 9 Kurse. Und lernt Französisch (hier schon ein sehr gutes Niveau - gerade übersetzt er mir Tintenherz (Coeur d'encre), und Latein (hier übersetzt er "Cornelia" - ja das kleine Biest gibt es auch auf Latein) und Italienisch (wo wir gerade anfangen, Roald Dahls "Magische Medizin" zu übersetzen). Zusätzlich lesen wir jeden Tag zwei Kapitel in einem Geschichtsbuch (aktuell "Die Geschichte der Wirtschaft", als nächstes dann über Krieg, Philosophie und Sklaverei). Und schauen uns noch zusätzlich irgendeine Youtube-Dokumentation über Geschichte an. Wenn er etwas nicht weiß, sieht er es sofort auf seinem Handy nach. Auch finde ich ganz toll, was er für eine App-Auswahl auf seinem Handy hat: Wikipedia, Anki und Memrise.

Er wird immer erwachsener, das geht nicht nur von seiner eigenen Entwicklung, sondern auch im Haushalt macht er seine Tasks praktisch von sich aus. Motzt nicht herum, sondern weist die beiden anderen Kinder darauf hin, dass sie - wenn sie mal ausgezogen sind - keinen Vater mehr haben, der das alles für sie übernimmt. Ich war wirklich erstaunt, als ich das hörte. Dankbarkeit für die Dinge, die andere für einen tun, finde ich eine der wichtigsten Eigenschaften. Zusammen mit Großzügigkeit in dem was man für andere tut.

Auch durch seine vielen Sportarten: Paddeln, Schwimmen, Parcours, Tanzen und Klettern ist er in seiner körperlichen Entwicklung auch sehr gut dabei.

Es ist einfach nur schön zuzusehen, wie Kinder jeden Tag größer und stärker werden. Und trotzdem bleibt ihnen noch so viel Zeit für Freunde und Spielen :)

Sonntag, 21. Juni 2015

Französisch - 3 Monate später

So, eine Skill-Training Phase in Französisch ist vorbei und Chopper hat folgende Tools für wertvoll befunden:


  1. Anki (Grundwortschatz)
  2. Memrise (Grundwortschatz)
  3. Skill-Storm (Fortgeschrittener Text, mittlerweile Robin Du Bois (nicht vereinfacht))
  4. Asterix et Obelix (Comic, einfacher Text)
  5. Youtube (einfache Geschichten für Kleinkinder, jetzt Asterix)


Er hat sich beschlossen noch einmal 3 Monate Französisch zu machen.

Wir haben folgende Veränderungen gemacht.


  • Anki ist in den Hintergrund geraten, da er nur noch zwischen 10 Sekunden und 1 Minute braucht - wohlgemerkt, es geht hier um den Grundwortschatz von "Decouvertes 1" (einem Schulbuch für ein ganzes Schuljahr)
  • Memrise wird beibehalten, er findet es gut, dass er im Gegensatz zu Anki die Worte in beiden Richtungen lernt und auch selbst schreiben muss - dafür ist es auch um einiges langsamer als Anki (355 Wörter im Langzeitgedächtnis, während Anki schon 872 Karten auf "alt" hat)
  • Skill-Storm (hier sind mittlerweile auch (872! - genau wie in Anki) auf "Well Known" und 495 bekannt. Bei Skill-Storm hat er jetzt über 22.000 Punkte (30.000 ist ein recht gutes passives Sprachniveau).
  • Asterix und Obelix als Comic ist rausgeflogen, da er meinte die kann er schon "lesen wie Deutsch". Ich habe ihm noch "Tim und Struppi" aus der Bibliothek geholt.
  • Statt Asterix und Obelix liest er jetzt "Petit Nicholas" - da meinte er heute auch, dass es ihm ziemlich einfach fällt, und er heute aus Versehen 2 Seiten gelesen hat (eigentlich soll er eine Seite lesen).
  • Youtube (unverändert)

Gestern sagte er zu mir, dass er in Sprachen nicht so gut ist. Ich habe ihn dann sanft darauf hingewiesen, dass nicht jeder 10-jährige nach ein paar Monaten Comics und Filme liest in der Lernsprache liest. Das hat ihn wirklich erstaunt. Wenn ich denke, wie lange ich an meinem Schulfranzösisch rumgebastelt habe und wie viel Grammatik und Vokabeln ich versucht habe mit allen Akzenten zu lernen... naja, reden wir nicht davon.
Aber es ist spannend zu sehen, dass es wirklich keine große Leistung ist. Es ist halt einfach selbstgesteuertes Lernen, das jeden Tag über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten wird. Es ist kein Zauberwerk und kein Talent, keine große Arbeit oder sonstwas.

Sonntag, 24. Mai 2015

Wie lernt man eine Sprache - 2 Monats Update

So, jetzt sind ca. 2 Monate vergangen seitdem Chopper mit Französisch angefangen hat. Zeit für eine kleine Zwischenbilanz.

Babbel vs Memrise

Babbel wurde mittlerweile durch Memrise ersetzt. Da Babbel im Großen und Ganzen auch nur Wörter und Sätze abfragt war hier kein großer Unterschied. Außer dass Memrise sehr stark motivierende Faktoren für Chopper besitzt:

  1. Man kann sich ein Lernziel einstellen und Memrise misst wie viel Tage hintereinander man dieses Lernziel erreicht hat.
  2. Memrise vergibt Punkte für jede Lernaktion und an diese Punkte ist ein Titelsystem gebunden. Also für 250.000 Punkte wird man "Memocrat" und man beginnt als "Membryo". 
  3. Das Bild: Wissen als Pflanze, die gesät und gepflegt werden muss um schön und groß zu wachsen

Anki

In Anki gab es ein Tief, als Chopper sehr viele Wörter am Tag wiederholen musste  und zusätzlich noch neue kamen. Zusätzlich kann er ja nur jede 2.te Woche lernen. Und Anki sammelt all das nicht gemachte und merkt es sich. Sobald man wieder anfängt ist es als ob man einer Lawine die Tür öffnet.

Skill-Storm

In Skill-Storm hat Chopper sich nun von 400 Punkten (täglich) auf 500 Punkte (täglich) gesteigert. Die Texte zu verstehen fällt ihm immer leichter und hier macht er nach seiner eigenen Aussage die stärksten Fortschritte in Französisch.

Asterix und Obelix

Nach ein oder zwei Wochen hatten wir den Comic Asterix und Obelix auf Französisch dazugenommen. Anfänglich ging es darum zu spüren, ob wirklich Fortschritte gemacht werden. Er machte eine Seite am Tag und war sehr kritisch, dass das jemals zu etwas führen könnte. Mittlerweile liest er mehrere Seiten zum Frühstück oder nimmt ihn mit zum einfach so lesen.

Videos

Zuerst haben wir in Skill-Storm ja Aschenputtel (Cendrillon) und Goldlöcken und die 3 Bären (Boucle d'or ...) gemacht. Dazu haben wir dann auch immer die Videos angeschaut (auf Französisch... Youtube! Yay!). Mittlerweile schaut er auch andere franz. Comicfilme an (immer 3 Mal hintereinander die selben 10 Minuten).
Da versteht er auch immer mehr.

Abschließend...

läßt sich sagen, wir können nun schon kleine Unterhaltungen auf Französisch führen. Ich kann ihm auch kleine Fragen stellen und er kann antworten.
Ich bin gespannt, ob er es weitermacht...

Sonntag, 12. April 2015

Diese Tage

Chopper kocht: Es gibt Kaiserschmarrn mit Erdbeermilch (fresh!) - er will einen Account auf Chefkoch.de


Habe mir soeben 2 Kinder in einem Chipskarton gekauft, beide sind mit Rollen bestückt - sehr praktisch :)

Gassi gehen... äh rollen...

Porridge am Morgen - im selbst-genähten Rock zubereitet. Daneben frische Melone... kein Streß beim Frühstück ist ein Menschenrecht :)


Kuscheln ist immer wichtig.... am besten mit Kuscheltieren und Kuschelhund und Kuschelbruder

Noch ein selbst-genähtes Kleid

Auf Reiherjagd


Nami's Party zu ihren 46 Wörter pro Minute


Was will er mir damit wohl sagen?


soooooo groß... echt... soooo groß


Spaziergang im Moor


HotDogs by Nami (Chopper ist Vegetarier, hat hier aber für das Bild posiert)


Wie tief ist jetzt der Fluß nochmal?

Mal wieder spielen


Nami in ihrer Nähecke


Nami's neues selbst-genähtes Hemd


Haushalt, booaaah... echt erschöpfend...


Neue Näh-Monster von Nami


jajaja und tausend andere Bilder :)

Montag, 16. März 2015

Wie lernt man eine Sprache?

Als ich damals in der Schule war hatte ich über Sprachen einiges gelernt:
1.) In der Schule wirst Du nur getestet, wie sehr Dich eine Sprache interessiert
2.) In der Schule lernst Du sie nicht
3.) Gibt es Computerspiele nur in Englisch - dann lernst Du sehr schnell Englisch
4.) Ich kann keine Sprachen lernen, ich bin Sprachdumm - insbesondere Französisch (accent was? )

Und dann: War ich drei Monate in Frankreich. Es ist ein bisschen so meine Lieblingsgeschichte über Sprachen lernen geworden. Und nach diesen 3 Monaten - die ich in voller Überzeugung verbrachte diese Sprache nie zu lernen und nie zu können und für immer zu hassen (aus Selbstschutz, oder so) ... nach diesen 3 Monaten konnte ich Französisch. Party-Konversation-Niveau ... mit Musik im "Hintergrund". Und das Geheimnis: Ich habe sehr viel Filme geschaut. Man nennt diese Methode auch die "Expositions-Methode"... also man setzt sich so viel Kram wie möglich in der Sprache aus.

Nun ist Chopper dran mit Französisch.... und das schon länger. Zuerst hat er Rosetta Stone gemacht... das hat nur sehr schlecht funktioniert. Ich kann von Rosetta Stone nur vollstens abraten - außer teuer bietet es nichts was andere Spiel-Lern-Plattformen wie Busuu und Babbel nicht auch haben.

Dann hat er Skill-Storm probiert - das war ihm aber zu schwer.

Jetzt nach einer längeren Pause, in der er nichts gemacht hat mit Französisch sondern nur seine Pre-Skills (Lesen, Genau-Lesen, Schnell-Lesen, Tippen) trainiert hat, fängt er wieder an mit Französisch.

Und dieses Mal machen wir es ganz anders:
Er benützt:
Babbel - weil ihm das sehr viel Spaß macht


Anki - ein SRS-Programm mit dem man effizient Wörter im Langzeitgedächtnis speichert

Skill-Storm - eine Hilfe um Text zu lesen
Bei Skill-Storm setze ich mich unterstützend dazu. Es ist wirklich ein bisschen schwierig für Anfänger.

Jedes dieser Programme macht er täglich und wir schauen mal, wie weit er kommt in 3 Monaten. Und wie er sie danach bewertet.

Montag, 9. März 2015

Homeschooling - Wege in Deutschland - The Good, the bad and the ugly

Im Großen sehe ich folgende Wege in Deutschland schulfreies Leben zu realisieren:

I.) The Bad
Der schlechteste Weg vorweg. Hier ist die Idee dem Schulamt und Jugendamt zu erklären, dass das eigene Kind so instabil und dysfunktional ist, dass keine einzige Schule in Deutschland seinen Besonderheiten gerecht werden kann:
Keine Hauptschule, keine Gesamtschule, kein Gymnasium, keine Realschule, keine Werkrealschule, keine Förderschule, keine freie aktive Schule, keine Waldorfschule, keine Privatschule, keine Montessori-Schule.

Dieser Ansatz entspricht dem familiären Offenbarungseid. Von jedem Pädagogen wird das nämlich so interpretiert, dass die ganze Dysfunktionalität, die ganze Schulangst in der Familie erzeugt wurde.

Man kann hier oftmals eine temporäre Lösung erreichen, aber es ist ein Boomerang, der sobald er die Richtung wechselt an Geschwindigkeit zulegt. Und wenn man dann irgendwann ein komplett schulfreies Leben will, dann existieren schon zig Gutachten - die man alle selbst erstellen hat lassen - die beweisen, wie schlimm es diesem Kind eigentlich geht und dass es unbedingt, unbedingt professionelle, kontinuierliche Hilfe braucht.

Man rückt sich in diesem Ansatz von Anfang an in die Opferrolle. Man verlässt die des freien, europäischen Weltbürgers, der seine Rechte kennt und auf diese besteht und begibt sich sofort in die des kleinen unmündigen Bürgers, der es nicht mal schafft seinem Kind die Schule erträglich zu machen.

Es muss hier auch noch mal kurz die Motivation der Schule erläutert werden:
1.) Qualifikation - in einem industriellen Staat soll auf das Funktionieren innerhalb ebendieser Institutionen geübt werden. Man wird zu einem guten 8-Stunden-Büroarbeiter trainiert.
2.) Sozialisation - die Gesellschaft will dass wir uns in einer bestimmten Weise verhalten. Wir sollen arbeiten, keinen Dissens erzeugen, mitmachen bei kulturellen Ritualen (inkl. Wahlen), unserem Chef das Leben nicht schwer machen und mit unseren Kollegen um die Plätze etwas weiter höher in der Pyramide konkurrieren. Wir sollen uns durch billige Belohnungen maximal motivieren lassen und durch geringe Bestrafungen massiv bedroht fühlen. Etc.
3.) Selektion - wir bekommen unseren Startplatz in der Pyramide zugewiesen
4.) Legitimation - wir sollen an den Staat glauben, dass unserer der Beste ist, dass es uns woanders schlechter geht und die Gesetze gerecht und zu unserem Besten sind. Loyalität gegenüber dem Herren

Der Staat, die Gemeinschaft hat keinerlei Interesse daran sich selbst zu schaden und einen unmündigen Bürger auch noch seine Kinder verstümmeln zu lassen. Es liegt nach dem Offenbarungseid maximales Interesse zu reintegrieren. Das erklärt "kranke" Kind muss unbedingt geheilt werden - koste es was es wolle. Das kann bis zur Klinikschule in der geschlossenen Jugendpsychatrie gehen. Diese "Lösung" ist wie Salzwasser trinken um den Durst zu stillen.

Niemand der eine Ausnahmegenehmigung erreichen will sollte dies also als einen einfachen Ausweg aus der Schule sehen. Es ist eher das Ticket in eine umfassendere Beschulung und Beobachtung.

II.) The Ugly
Konfrontation! Hier ist als leuchtendes Beispiel Claudia Brunner zu sehen. Aber wenige Menschen sind bereit und fähig, so wie Gandhi sich gewaltfrei gegen ein Gewaltmonopol zu stellen und dabei nicht zu zerbrechen. Sie nimmt Strafen auf sich, einen Anwalt und ist sogar schon mal ins Gefängnis für die Freiheit ihres Sohnes gegangen. Hätten wir alle - oder auch nur 10 Menschen diese Überzeugung und Tatkraft wäre die vermeintliche Schulpflicht schon längst vom Tisch. Kein Staat kann sich auf Dauer einen massiven Dissens leisten, bei dem er auch noch als unschuldig wahrgenommene Menschen ins Gefängnis stecken muss. Noch dazu Eltern, denen das Jugendamt vollste Kompetenz bescheinigt. Der Staat ist hier auch permanent gezwungen die Schule durch ihre echten Zwecke zu verteidigen, die sonst eher nur in soziologischen Untersuchungen erscheinen und dem Normalbürger verborgen sind - und keiner will der Schule in ihr wahres Gesicht schauen. Das Bildnis von Dorian Gray nach 250 Jahren weltweiten Wütens ist einfach zu hässlich und widerwärtig.

III.) The Good
Wer kennt ihn nicht: Den Euro. Er bedeutet, dass wir Menschen nicht mehr an ein Land gebunden sind. Dass die Grenzen innerhalb Europas offen sind und zwar so offen, dass wir europäische Bürger mit europäischen Rechten sind. Und dass kein Staat nun eigentlich wissen kann, wo wir wohnen. Und auch kein Recht hat es zu wissen. Es gibt in Deutschland zwar eine Meldepflicht, aber in anderen Ländern nicht.
Zusätzlich kann man bei einer Abmeldung diese grundlos machen - man ist ein freier Mensch. Und auf das Verlangen der Behörde nach der Angabe eines neuen Wohnsitzes kann man dies verweigern - es geht die Behörde nichts an. Man kann aber auch der Einfachheit halber "Reisen" als Zweck angeben - dann spart man sich auch eine Menge Heckmeck mit dem Kindergeld.
Wenn man nicht lügen will kann man das ja an seinem Urlaub machen und dann wirklich 2 Wochen Couchsurfing machen.
Wie auch immer, wir sind freie Menschen. Die sich anmelden und abmelden dürfen, wie und wo und wie oft sie wollen. Der Rest hat sich damit erledigt.

Man sollte sich ansonsten so normal verhalten wie möglich und nicht Krieg mit den Nachbarn anfangen. Die Meldebehörde macht auch kein Rundschreiben an die Nachbarn, dass man nun abgemeldet ist und nicht mehr da sein darf. Wir haben keine Stasi hier. Es gibt auch keinen Polizisten, der ein halbes Jahr jeden Tag vorbeikommt und überprüft, ob man auch wirklich ausgezogen und weg ist. Oder klingelt, ob man Urlaub macht. Oder bei den Nachbarn fragt. Weder Hermes, noch DPD, noch die Post sprechen mit dem Einwohnermeldeamt, bevor sie Briefe ausliefern. Diese Angst vor "erwischt werden" ist uns jahrelang antrainiert worden - sie entspricht aber nicht der Realität. Es gibt Rechte und Privatsphäre - diese muss der Staat - jeder Staat akzeptieren. Und seit dem Schengen abkommen dürfen wir uns frei in der EU bewegen. Das darf man nie vergessen!

Was sage ich am Ende noch den Nachbarn - ohne zu lügen?

Geht ihr Kind schon in die Schule? Warum nicht? - Wir machen Homeschooling. (Definitiv!)
Geht das denn??? - Ja natürlich. (es geht ja offensichtlich und geschätzte 500 - 1000 Familien machen es schon)
Ich dachte es herrscht Schulpflicht???? - Die kann man auf verschiedene Weise erfüllen (schon mal was von Internet und Fernschule gehört Du ungebildeter Hampel).
Ich dachte es wäre in Deutschland verboten???? - Wieso das denn? (bist Du noch gebacken???)

Man sollte sich aber nicht abmelden wenn man ohnehin schon ein gesuchter Verbrecher ist - also:
Man regelmäßig zu schnell fährt und Tickets bekommt.
Man dauernd von allen verklagt wird.
Man seinem Vermieter viel Geld schuldet und der einen gerade rausklagen will.

Man kann sich aber selbst natürlich jederzeit anmelden.

4.) Noch eine Bemerkung, warum man auch nur seine Kinder abmelden kann:
Auch Kinder sind freie Menschen. Aber es gibt echte Szenarien in denen nur die Kinder abgemeldet werden:
Kinder die eine Austauschzeit machen
Ein Internat in einem anderen Land besuchen (da muss man das Kind aber eh nicht abmelden, sondern nur die Schulbescheinigung bringen)
Bei getrennten Eltern beim anderen Elternteil
Auf Reisen
Längere Zeit Oma und Opa besuchen

Doch im allgemeinen teilen Kinder den Aufenthaltsort eines Sorgeberechtigten

Meine sind seit 5 Jahren abgemeldet. Ich habe dem Mann bei der Kindergeldstelle aber gesagt, dass sie ihren Hauptaufenthalt in Deutschland haben und wir Homeschooling machen - dass ich aus diesem Grund die Kinder nicht in Deutschland anmelden kann, weil es sonst Probleme gibt. Er hat das sofort verstanden! Ebenso der Mann vom Jugendamt, der mal zu Besuch war.

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Ich will noch einen letzten Weg erklären:
The Expensive:

Wenn man nur wegen der vermeintlichen Schulpflicht aus Deutschland auswandern will, dann wählt man den teuersten und nervenaufreibendsten Weg von allen. Andere Länder haben auch Sitten. Die Wahrscheinlichkeit Großeltern zu sehen sinkt massiv. Die Wahrscheinlichkeit sich dort perfekt zu integrieren oder besser als hier angenommen zu werden ist gering.
Ein Umzug in eine andere Kultur belastet die Familienstruktur.
Und nun das stärkste Argument: Wenn man bereit ist auszuwandern, dann sollte man wenigstens den ersten Bußgeldbescheid abwarten und erst dann auswandern. Das genügt noch reichlich!
Außer natürlich, man möchte im Grunde seines Herzens die Welt kennen lernen. :)

Die freie Schule ist praktisch der "Most Expensive" Ansatz. Man zahlt hier pro Kind, pro Monat eine Strafgebühr, dass sie dann doch im goldenen Käfig sitzen. Denn raus dürfen sie nicht wie und wann sie wollen. Eine Gruppendynamik gibt es auch und der Staat drückt auch bei den freien Schulen von Jahr zu Jahr; und mit steigenden Schuljahren; und mit steigendem Alter der Schule mehr sein Ding durch.

Sonntag, 22. Februar 2015

Unschooling - Homeschooling - Freilernen - Radical Unschooling - Hackschooling - Worldschooling - XYZSchooling

Wenn man neu beim Schulfreien Lernen ankommt, dann wird man nach einer kurzen Pause (in der man erst mal sacken lassen muss, dass Schule doch nicht die beste Idee ist, sondern vielleicht sogar eher eine sehr Schlechte) von vielen neuen Begriffen überwältigt.
Nein! Erschlagen!
Man fühlt sich sehr orientierungslos, da alles was man bisher für richtig hielt (Schule gut, Mehr Schule besser) auf einmal falsch ist (Schule schlecht, mehr Schule Katastrophe).

Zeugnisse - bäh. Bestrafen - bäh. Motivieren - bäh. Belohnen - bäh. In gutes und schlechtes Wissen unterteilen - bäh. Allgemeinwissen - bäh. Noten - bäh. Stundenplan - bäh. Hausaufgaben - bäh. Früh aufstehen - bäh (naja, da hatte manch einer schon so ein Vorgefühl :) ). Melden - bäh. Erwachsene sind die Bestimmer - bäh. Einen Job mit so viel Prestige wie möglich und so viel Geld verdienen wie möglich - halbbäh. Diszipliniert werden - bäh.
Und die Liste lässt sich noch endlos weiterführen.

Man fragt sich dann: Was stimmt jetzt eigentlich noch? Und was nicht? Wer bin ich? Was hätte alles aus mir werden können, wenn ich mich einfach hätte entwickeln können? Wenn mich die Schule nicht verbogen hätte? Wie eine Aluminiumfolie, die um irgendeine Arbeit rumgewickelt wird, die in unserer Gesellschaft gerade verrichtet werden soll?

Man versteht auf einmal den kompletten Text des Liedes "Logical Song" von Supertramp und schließt mit der Frage: "Won't you please, please tell me who I am!".

Es ist eigentlich wie bei dem Eintritt in einer Sekte (habe ich mal irgendwo gelesen). Zumal die Reaktion des Umfeldes auch ähnlich ist: "Was Homeschooler? Aber, aber... bist Du jenseits von Gut und Böse???" (ratlose Gesichter). Man hat auch nicht wirklich Leute, mit denen man sprechen kann und seine Erfahrungen austauschen kann: "Also mein Kind hat jetzt 620 Kapitel One Piece gelesen und sich 5 Piratenschwerter gebaut... muss ich mir Sorgen machen???"

Um nun einen ersten Halt für alle, die gerade in diesem Dschungel angekommen sind zu geben. Ihnen sozusagen eine kleine Machete und einen Kompass in die Hand zu drücken will ich nun die wichtigsten Begriffe *korrekt* erklären. Egal was irgendjemand anders behauptet, die nun folgende Erklärung ist vom internationalen Zentralrat des Non-Schooling in Den Haag abgesegnet worden und wird nun mit der Welt geteilt:

1.) Home-Schooling: Du hast Dich also entschlossen Deine Kinder nicht zur Schule zu schicken. Wahrscheinlich ist das ein großer Schritt und viele fangen nun an, die Schule zu Hause nachzubauen. Schulbücher, Schreibtische, vielleicht sogar eine kleine Glocke, eine kleine Tafel, Kreide und manche geben ihren Kindern sogar Noten. Willkommen in der Welt des Home-Schooling. Du versuchst nun wahrscheinlich Deinen Kindern den normalen Lehrplan besser beizubringen und kannst mehr auf ihre Fragen eingehen. Die gute Nachricht: Deine Kinder werden laut Forschung durch den besseren Schlüssel alleine schon einen Vorteil haben gegenüber einem Schulsetting.

2.) a) Unschooling: Manche Sachen in der Schule erschienen Dir fragwürdig... nunja... schwachsinnig. Total hirnverbrannte Erfindungen von kranken Köpfen, die nur dazu da waren Dich und Deine Mitschüler zu quälen - z.B. Mathe. Du willst natürlich diese Sachen nicht an Deine Kinder 1:1 weitergeben. Also lässt Du sie weg. Du lässt *schulische* Dinge weg: Un-Schooling. Das kann das Zeugnis sein, das können die Noten sein, das kann die komische Evolution sein, oder Du findest Evolution extra-klasse und wünschtest Du hättest sie damals richtig erklärt bekommen (denn laut einer Aussage verstehen die wenigsten Lehrer Evolution, sondern sind eher Lamarckisten).
Wo auch immer Du von der Schule abweichst: Unschoolst Du.

/Legacy of John Holt - ca. Minute 5 + ca. Minute 47


2.) b) Der Begriff Unschooling bezeichnet am gebräuchlichsten eine Form des Home-Schooling, bei der zumindest kein Lehrplan, keine Noten und keine Tests stattfinden. Es ist ein Interessen-getriebenes LOD (Learning On Demand).
Ein paar gute Bücher:
Aus schlauen Kindern werden Schüler. Von dem, was in der Schule verlernt wird - John Holt
Wie Kinder lernen - John Holt
Free to Learn - Pam Laricchia

3.) a) Deschooling: Wie kamst Du eigentlich darauf, dass dies oder das in der Schule doof ist? Vielleicht hast Du jeden Tag Angst gehabt in Mathe zu sitzen und hast Dich stundenlang mit den Hausaufgaben gequält .... im echten Leben hast Du dann nie wieder Mathe gebraucht und fragst Dich seitdem warum Du das durchmachen musstest? Vielleicht wurdest Du auch in Deiner Klasse gemobbt und hattest eine Zeit lang nach der Schule sogar noch Angst vor Menschen ... im echten Leben hast Du gemerkt, dass die meisten Menschen nett sind. Kein Mensch versucht Dich den ganzen Tag als den letzten Dreck hinzustellen, und wenn es doch solche Bullies mit gestörtem Verhältnis zur Gewalt irgendwo gibt, dann kann man ganz einfach den Raum wechseln. Aber wieder stellt sich die Frage, warum man jahrelang mit diesen Menschen eingesperrt war - als Kind, als man sich am wenigsten wehren konnte.
Diesen Prozess des Infrage-Stellens nennt man Deschooling. Man hinterfragt seine Erfahrungen, die man in der Schule gemacht hat und die damals als gottgegeben dargestellt wurden. Dies kann schmerzhaft sein. Da man vergewaltigt wurde, ohne es zu wissen und im festen Glauben dazu erzogen wurde, dass dies gut und wichtig für die Entwicklung sei.
Deschooling Society - Ivan Illich

3.) b) Deschooling: Deschooling nennt man auch den Prozeß des Befreiens bei Kindern, die in der Schule waren oder ein ähnlich kompetitives, gezwunges Lernsetting hatten. Oft werden Kinder die starke Schulprobleme hatte und deren Eltern dann eine "kognitive Wende" (eine sehr schnelle und rasche Transition vom Schooling zu Unschooling machen) machten so beschrieben, dass sie sich komplett gehen lassen. Nichts mehr machen wollen außer Junk-Food und Fernsehen. Und man soll dies zulassen. Nach einiger Zeit (im Raum stehen oft 2 Wochen bis 2 Monate pro angefangenem Schuljahr) kehren die Kinder dann zu den natürlichen Bedürfnissen und menschlichen Verhaltensweisen zurück. Also Selbst-Effektivität, Intrinsische Motivation, natürliche Neugier, etc.
Da das nach 6 Jahren Schule schon 1 ganzes Jahr sich selbst gehen lassen sein kann, bin ich kein Freund von diesem Ansatz. Ich bin eher Vertreter einer langsamen Transition von fremdbestimmt in selbstbestimmt. Jemand der dann selbstbestimmt ist wird dann selbst entscheiden können, ob er jetzt wirklich ein Jahr Fernsehen will und Junk-Food haben will.

4.) Radical Unschooling: Nehmen wir an, Du hast nun *ALLES* hinterfragt. Und hast gesagt: Ja, ich finde alles wirklich bäh, was da in der Schule veranstaltet wurde. Jetzt hast Du in einem jahrelangen Prozess alles über Bord geworfen und fühlst Dich komplett Gewalt- und Wertungsfrei, keine Zeugnisse, keine Stundenpläne. Spielen an der Wii und der Playstation zählt genauso als Lernerfahrung wie das Studieren von Nuklearphysik und das Entwickeln mathematischer Modelle zur Krebsbekämpfung. Anschauen von Twilight und The Walking Death zählt genauso viel wie in einem Flashmob gegen Tierversuche mitzumachen.
Das ist sozusagen der Zen-Himmel der Erziehung. Da Du nicht mehr wertest kann nichts zwischen Dir und der Beziehung zu Deinen Kindern stehen. Du erwartest nicht mehr, dass sie etwas "sinnvolles" (in Deinen Augen) machen, da sie ja ihren Sinn erst selber finden müssen. Das bedeutet sich "The Walking Death" anzusehen, kann auch zu irgendwas führen - Du weißt es nur nicht, weil es ihr Leben und ihre Bildung und ihre Ziele und ihre Träume und ihre Welt ist. Du akzeptierst aber Deine Kinder als gleichberechtigte Menschen, die ihren Weg finden.
Wenn Du irgendwann denkst Du bist ein "Radical Unschooler" dann warte ab: Es gibt immer noch einen der so dermaßen mehr "radical" ist, dass Du dagegen wie ein konservativer Spießer aussiehst, der den ganzen Tag nichts macht außer Erbsen zu zählen.
Radical Unschooling - oder sogar der "radicalste" zu sein - ist kein Wettkampf. Es ist auch nicht die Königsdisziplin! Es ist einfach eine Wahl, die jemand für sich trifft oder nicht. Es ist ein Weg, den man geht oder nicht.
Auch wenn man in manche Mailing-Listen stolpern kann (z.B. die von Dayna Martin - der Frau, die den Begriff "radical unschooling" stark geprägt hat) in denen alles andere als "falsch" oder "nicht-unschooling"-mäßig proklamiert wird, so hilft es doch "Unschooling" nicht als Religion mit nur einem Gott zu verstehen.
Und egal, wie viele Dinge Du von der Schule loslässt - Du gehst einen Weg. Das ist schon etwas! Schon allein den Kindern die Wahl zu geben, ob sie in die Schule wollen oder nicht ist ein immens großer Schritt für den Dich die prüfenden Blicke unserer Gesellschaft schon genug strafen werden.
Gehe nur die Schritte mit denen Du Dich gut fühlst, die Dir einfach fallen. Es geht nicht darum ein perfekter Radical Unschooler zu sein - es geht darum die eigenen Ziele der Menschen in Deiner Familie zu finden und zu leben.

5.) Freilernen
Ist der deutsche Über-Begriff von fast allen dieser Dinge. Er ist noch recht diffus und ich habe auch schon Eltern von Kindern an "freien Schulen" sich als Freilerner bezeichnen hören. Oft wird da der Fokus auf die intrinsische Motivation und den inneren Lehrplan der Kinder gelegt.
Man geht hier also davon aus, dass Menschen in sich bestimmte Interessen tragen, die auf ihre Entfaltung warten (hier mischt es sich also mit Unschooling). Man geht davon aus, dass diese Entfaltung in freudvoller und mit praktisch unaufhaltsamer Energie vonstatten geht.
Ein gutes Buch hierüber ist: Olivier Keller - denn mein Leben ist Lernen
Als Beispiel gilt hier Andre Stern, der irgendwann angefangen hat den ganzen Tag die Sprache Deutsch zu lernen und das bis zu 8 Stunden - oder sich Gitarrenbau aneignete, sich dann einen Meister suchte und den überredete ihn auszubilden. Respekt.

6.) Hackschooling
In einem berühmten Ted-Talk (das ist eine Serie von Vorträgen in denen Menschen Gehör finden, die irgendwas Interessantes gemacht, entdeckt, etc. haben) gibt Logan LaPlante (Home- und Unschooler) uns zu verstehen, dass man seine Bildung hacken soll. Dass man wirklich verstehen wollen soll (hacking), in welche Richtung man sich bilden will und sich dann die besten und lebensnahesten Ressourcen beschaffen soll. Das geht von Praktika in den Gebieten, aber auch Gehirnforschung, wie das Lernen an sich funktioniert. Er wirbt für eine Bildung, deren Grenzen nur noch die eigene Vorstellungskraft sind. Er definiert hier seinen eigenen Weg, seine eigene Form von "Unschooling" und gibt ihr einen Namen: Hackschooling.
Von Unschooling, Radical Unschooling, Worldschooling, Homeschooling, normales Schuling, etc. holt er sich dann nur noch Impulse. Sie gelten als seine Ideengeber - nicht als seine Dogmen. Das ist ein elementarer Bestandteil seine Bildung zu befreien.

7.) Worldschooling
Das sind Home-/Unschooler, die ihren Fokus auf Reisen haben. Sie sagen nicht den guten mittelalterlichen Spruch: My home is my castle - sondern sie sagen: Home is, where my family is.
Sie sehen die Welt, die normale Schüler aus Büchern und Ferien kennen. Oft verlassen Eltern den regulären "Wir-Büro, Du-Schule"-Weg und scheren aus in diese komplett neue Art des Lebens. Sie ähnelt etwas der Bildung des Adels und der Herrscher in Renaissance und Aufklärung. Durch Internet, Couch-Surfing, Worldschooling-Communities und umgebaute Wohnbusse ist dieses Leben heutzutage sehr viel leichter für sehr viel mehr Menschen möglich. Und man genießt die Zeit mit seinen Kindern wahrscheinlich zu einem Ausmaß, das weit hinter unseren Vorstellungen liegt. Und es wird auf jeden Fall zu der einen Entscheidung gehören, die man nicht auf seinem Sterbebett bereut.

8.) XZYSchooling
Nach diesem kurzen Abriß möchte ich (und der Zentralrat des Non-Schooling) nun empfehlen, dass jeder seinen Weg findet.
Und möchte mit Sandra Dodds schönem Satz schließen: "Lies ein bisschen, probier ein bisschen etwas neues aus, warte ein bisschen und beobachte" (Read a little, try a little, wait a little and watch).
Es ist eine wunderbare neue Welt - setz Dich nicht unter Druck. Du brauchst auch niemanden zu überzeugen (besorgte Großeltern). Die radikalste Kritik an einem bestehenden System ist es etwas anderes zu machen - und das machst Du. :)

PS: Es gibt keinen Zentralrat des Non-Schooling in Den Haag - noch an einem anderen Platz der Welt. Es gibt keinen Non-Schooling Kultusminister und auch sonst keine Autorität. Finde Deinen Weg und sieh alle anderen nur als gleichwertige Berater, deren Meinung so viel zählt wie Dein Gefühl oder Deine Meinung - oder die Meinung Deiner Mutter.

Ich hoffe der Artikel hilft Neuankömmlingen :)

Mittwoch, 4. Februar 2015

Soziale Kompetenz - Wann sollte ein Kind die Familie verlassen?

In unserer Gesellschaft kann es ja nicht schnell genug gehen, dass Kinder den Umgang mit anderen Kindern lernen. Den Umgang mit Gleichaltrigen.
Sozialisation heißt der Überbegriff.
Dass man von Gleichaltrigen (also Menschen, die ungefähr so viel können wie man selbst) viel lernt ist erstmal eine witzige Idee.

Sozialisation ist ja 1.) Umgang mit Autoritäten 2.) Freunden.
Hier haben wir ein drittes: Nämlich den Umgang mit Machtgleichen - Peers. Menschen, die sich grob nicht von uns unterscheiden. Die so gut es geht unsere Größe haben, unsere geistige Entwicklung, unseren sozialen Hintergrund, unsere Leistungsfähigkeit, etc.

In der Biologie gibt es ein Phänomen, das man Hackordnung nennt. Es kommt aus der Hühnerzucht: Hühner schlafen gerne so weit oben wie möglich. Ist so. Hab ich auf Wikipedia nachgelesen.

Hängt man nun die Schlafgelegenheiten im Hühnerstall in verschiedener Höhe auf, dann fangen die Hühner an auf sich herumzuhacken, und um die obersten Plätze zu streiten. Die Verlierer müssen unten schlafen.
Deswegen macht man eine Stange in Hühnerställe und es herrscht Frieden.

Ähnlich ist das bei Menschen, sobald sie in Konkurrenz-Situationen kommen (auch künstliche, Anerkennung, Noten, Lob) fangen sie an unter sich eine Hackordnung auszumachen.
Das läuft dann in der Schulwerbung unter: Kinder wollen sich vergleichen.

Soziale Kompetenz wird dabei nicht aufgebaut. Nicht der kooperative, friedliche, win-win Umgang - wie wir ihn eigentlich möchten.

Es besteht also kein Grund die Kinder möglichst früh aus der Familie zu schubsen und ihnen den Umgang mit Gleichaltrigen zu ermöglichen. In der Familie können sie friedlich und in Wertschätzung ihre sozialen Kompetenzen aufbauen.
Sie können die Grundbegriffe lernen. Sie können lernen, wie man kooperativ ist. Was für einen Nutzen es hat, auch die Sicht und die Gefühle des anderen verstehen zu wollen. Was es bedeutet die anderen auszunutzen und ihnen die Energie auszusaugen, bis diese ausflippen.

Innerhalb der Familie vergibt man sich das. Man erklärt sich Sachen. Wo lief es schief? Wo habe ich nicht nach win-win geschaut, sondern bin egoistisch gewesen. Habe nicht gesehen, dass der anderen auch ein Mensch ist mit Gefühlen, die ihm wichtig sind - und die ich getreten habe.

Die Idee, dass man diese Kompetenzen in einer Gruppe lernt in der alle um die Gunst und Aufmerksamkeit eines "Chefs" konkurrieren - und dieser Chef liebt einen nicht so und so bedingungslos (wie das bei Eltern heutzutage normalerweise der Fall ist). Das ist eine sehr kaputte Idee. Eine Idee, die nicht funktionieren kann.

Wir nehmen aber diese kaputte Idee und erheben sie zur Maxime nach der alles sich richten soll.
Ich bin kein Bindungsexperte und mir geht es auch nicht hier um Bindung, sondern mir geht es alleine um die Fähigkeit der Sozialkompetenz.

Werde ich also mit meinen niedrigen Sozialkompetenzen in eine Konkurrenz-Gruppe gestoßen, so ist das als ob ich mit einem unfertigen Schiff den Hafen verlassen soll. Ich werde Schiffbruch erleiden. Konnte ich genug soziale Kompetenz aufbauen, so werde ich erfolgreich die Meere befahren.

Deswegen plädiere ich dafür erst einmal diese Schiffe fertig zu bauen. Sie sich langsam in niedrigen Wassern prüfen zu lassen. Also in kleinen Gelegenheiten, von erst kurzer Dauer mit möglichst verschiedenaltrigen. Kein 2-jähriger wird mit einem 7 jährigen konkurrieren wollen. Und ein 7-jähriger wird sich auch ziemlich schnell blöd vorkommen, wenn er es versucht. Genauso wird ein 6-jähriger nicht mit einem 10-jährigen konkurrieren wollen.

In Gruppen in denen verschiedene Fähigkeiten zählen. In der einer der Navigator ist (ich bleibe beim Schiffs-Beispiel), einer der Koch, einer der Schiffsarzt, etc. Wo diese Fähigkeiten sich ergänzen können und Sinn haben. Nicht genau das Gegenteil: sinnlose Fähigkeiten alle gleich lernen müssen und dann darin konkurrieren.

Wir sollten die Kinder in dem Moment hinaus lassen, wo ihr Schiff fertig ist. Und sie nicht zwingen (oder motivieren/strafen) Segel zu setzen. Wir sollten ihnen helfen das Schiff zu bauen. Dadurch, dass wir an unserem eigenen Schiff weiterbauen und ihnen erklären, warum wir denken, dass dies oder jenes so gut ist und anderes diesen oder jenen anderen Effekt hätte. Ein Segel, das wir unter Deck anbringen ist einfach nicht so zuträglich als eines, das wir an einem Mast befestigen.

Wir sollten mit Ihnen Orte erkunden an denen wir Gelegenheit bekommen unsere Konstruktion zu prüfen und zu sehen, ob die Sozialkompetenzen (Konstruktionen) schon Sinn machen.

Und dann, wenn alles schon fertig ist und wir daran gehen in die Reling (Außengelände) Löcher zu bohren, damit das Wasser abfließen kann, wenn es regnet oder stürmt... erst bei diesem Feinschliff sollten wir die extremste aller Situationen ausprobieren wagen: Die Konkurrenz unter Peers unter längerer Zeit - wenn wir es denn für nötig halten.

Ich habe das gesehen, als der Älteste (jetzt 10) dieses Jahr in München mit anderen Kindern Freundschaften geschlossen hat. Er hatte überhaupt keine Konkurrenz in sich, er wollte niemanden in die Pfanne hauen, er wollte nicht besser sein, er wollte kein Lob, er wollte kein Chef sein, er wollte sich nicht in Nichts hervorheben. Er wollte einfach nur mit ihnen spielen und Abenteuer erleben. Zusammen den Berg herunterrutschen. Und die Freunde kamen so ohne Anstrengung und sie spielten so lange Stunden, als ob sie schon immer da gewesen wären.
Und das einzige was mir zu tun blieb war: Am Ufer zu stehen und mit meinem Taschentuch dem Schiff das in vollem Wind auf's Meer hinausfuhr zu winken. Mit Tränen der Freude in den Augen. Nicht mit Tränen des Abschieds. Den ich wußte: dieses Schiff war stark genug um auch wieder in den Hafen zurückzufinden und nicht zu verneinen, dass es so etwas wie einen Hafen überhaupt nötig habe.

Montag, 15. Dezember 2014

300 Erfahrungsberichte über Home-Schooling

Die australische Behörde hat vor kurzem eine Umfrage gemacht, bei der (besonders) Betroffene ihre Meinung über Home-Schooling abgeben konnten.

Hier ist der volle Link zu den Dokumenten

Die Dokumente gliedern sich in verschiedene Kategorien:
1.) Homeschooler, Fernbildung und Unschooler (darunter sind sowohl massiv kinderreiche christliche Familien, als auch sehr weltliche Eltern mit ein paar Kindern) - viele haben schon erwachsene Kinder (auch mal 24 Jahre alt).
2.) Helfer, die diesen Prozeß unterstützt haben. Es gibt anscheinend in Australien die Möglichkeit sein Homeschooling von einem Kirchenmann oder anderem Helfer unterstützen zu lassen.
3.) Erwachsene Home-/Unschooler selbst
4.) Lehrer, die es sich gar nicht vorstellen können, wie Kinder jemals etwas zu Hause werden können und auch es unbegreiflich finden, wie ein Elternteil alle Fähigkeiten vermitteln können soll, bei der eine ganze Schar von hochausgebildeten Superpädagogen und Spezialisten schon hin- und wieder versagen (natürlich aufgrund der Unbelehrbarkeit so mancher Kinder).

Hier eine Liste der Beispiele:
Eine Doktorin (Medizin), die ihre Medizin-Uni herausragend abgeschlossen hat, nun selbst 3 Kinder hat und dankbar ist, dass sie Homeschooling machen durfte:
Homeschooling, richtig ausgeführt, ermöglicht Kindern eine fröhliche, unterstützende, akademisch gesunde und sozial bereichernde Bildung zu geben.