Letztens waren wir beim Pflanzen-Kölle im Indoor-Spielplatz. Dort hat Chopper dann angefangen den Ballpool von unten 2 Etagen nach oben zu verlegen.
Ich habe nicht alles mitgekriegt, aber als ich kurz reinschneite waren alle Kinder (ca. 10 Kinder waren gerade anwesend) dabei mitzuhelfen inklusive seiner Geschwister.
Er hatte eine Kette organisiert so dass die Bälle in einem Mal von unten nach oben durchgereicht wurden.
Das ist wirklich interessant, denn in anderen Settings ordnet er sich stark unter - z.B. im Schachclub, während er in anderen einfach ein normales Teammitglied ist (z.B. Paddeln).
Die Sozialisation gestaltet sich also sehr vielschichtig und er probiert verschiedenste Rollen aus.
Posts mit dem Label Sozialisation werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sozialisation werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Sonntag, 15. Mai 2016
Sonntag, 27. September 2015
Choppers erste Freizeit außer Haus
Die Kinder werden immer größer und größer. Chopper ist jetzt 11 und er war auf seiner ersten Freizeit. Mit Paddelbooten sind sie am einen Tag über den Rhein, haben dort gegrillt, Wasserübungen gemacht, gezeltet und sind dann am nächsten Tag wieder zurück.
Als ich dort zum Abholen auftauchte sagte mir der Paddeltrainer, dass die Kinder ihre Zelte selbst aufgebaut hatten, selbst Lagerfeuer gemacht hatten, etc. Alles eigenständig außer beim Zusammenpacken der Wurfzelte war Hilfe notwendig.
Es ist schon eine heftige Zäsur.
Nächsten Monat ist schon die nächste Freizeit. Diese dauert dann schon länger.
Als ich dort zum Abholen auftauchte sagte mir der Paddeltrainer, dass die Kinder ihre Zelte selbst aufgebaut hatten, selbst Lagerfeuer gemacht hatten, etc. Alles eigenständig außer beim Zusammenpacken der Wurfzelte war Hilfe notwendig.
Es ist schon eine heftige Zäsur.
Nächsten Monat ist schon die nächste Freizeit. Diese dauert dann schon länger.
Sonntag, 13. September 2015
Nach den Sommerferien - ein Update
Wie ich diesen Schulanfang nach all den Jahren noch spüre, wenn das Wetter so herbstlich wird. Dieses Aufwachen mit einem tiefen Gefühl der Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit, die das Ende der Sommerferien markiert. Nächstes Jahr bin ich wieder im Ausland um diese Zeit. Im Süden. Definitiv. Der Duft und Anblick von Pinien und Meer ertränkt alle Dunkelheit und alles Grau.Woran merkt man als Unschooler, dass der Sommer vorbei ist? Eigentlich nur am Wetter... und dann ist heute auch noch der letzte Tag an dem das Freibad geöffnet ist. Letztes Jahr um diese Zeit war ich gerade ein paar Tage in Venedig und es standen uns noch herrliche zwei Wochen bevor. Als wir dann zurückkamen war es herrliches Wetter. Die Luft war aber schon kalt und die roten Blätter der Bäume verrieten was bald kommen würde.
Wenn ich mich frage, was mir Unschooling bedeutet und ein schulfreies Leben, dann fühle ich wie tief es geht: So viel! Alles! Jeden Tag wachsen dürfen, so wie ich es will. So wie es *mein* Leben verlangt. Kein anderer. Es gibt keine Katastrophe mehr - es gibt nur noch Richtungen der Entwicklungen.
Dieses Jahr habe ich mit Singen angefangen und es ist als schließt sich dadurch eine so starke Lücke in meiner Persönlichkeit. Ich war immer nur akademischer Verstand oder stilles Gefühl. Singen hat mir Ausdruck verliehen - auch wenn ich Singen selber noch nicht kann.
Gerade ging ich durch die Wohnung... Nami lag auf der Couch und las "Der kleine Prinz" - die Comicreihe. Nach dem ganzen Training wegen ihrer Dyslexie haben wir ja dann bei 46 Wörter pro Minute eine Pause gemacht. Kein Training mehr. Eine lange Sommerpause. Generell fangen wir die Sommerpausen ja so um März herum an.
Und dann fragte mich Nami, was denn sei, als ich stehenblieb und ihr einfach beim Lesen zusah... was sei? Freude... Tränen in den Augen... Innerer Frieden... Ich nickte nur und machte: Mmmm...
Dann sah sie nach einer Minute wieder auf und begann über die Finsterlinge (sie repräsentieren Angst in dem kleinen Prinzen) zu erzählen, die gegen den kleinen Prinzen kämpfen. Sie dachte die wären kleiner. Von seinen Ängsten denkt man wohl immer sie seien kleiner... bis man anfängt sich ihnen zu stellen und gegen sie zu kämpfen.
Eine andere Entwicklung ist, dass Nami nun mittlerweile die Untertitel von One Piece mitliest. Und das ist wohl ein super Training für ihr Lesen.
Danach ging ich in die Küche. Chopper saß am Tisch und frühstückte und las. Er liest praktisch immer beim Frühstück. "Herr der Fliegen" ist es gerade. Ein Buch, das bestimmt kein Kind in der 5.ten Klasse liest. Eine Freundin sagte mal, dass ich Chopper für die Ivy League trainiere... und das stimmt wohl auch irgendwo. Aber ich bin überzeugt dieses Recht auf die Erreichung seines ganzen Potentials hat jeder Mensch. Warum sollen Menschen nur kleine Flügel bekommen, wenn sie große Schwingen wachsen können? Welche die im Licht schillern, wenn sie auf die Sonne zufliegen?
Nami hat jetzt auch ein Ziel: Ihr Ziel ist es, dass Blaumeisen aus ihren Händen picken. Was für ein schönes Ziel :) Sie fährt jeden Sonntag früh zu dem Kleintierzuchtverein und füttert dort bei einem Züchter die Hühner. Und mittlerweile hat der Züchter auch Albino-Kaninchen für sie gekauft. Und sie fängt auch an die Hühner der Nachbarn zu füttern. Sie gibt toten Tieren ein Begräbnis und spürt alle Vogelnester auf.
Die beiden großen Kinder lernen nun Sprachen. Chopper lernt Französisch... da ist er ja auch schon ziemlich weit. Hat nun Latein dazugenommen und mittlerweile auch Italienisch. Gestern wollte er auch noch Bayerisch nehmen, aber ich riet ihm erst mal seinen Laser zu fokussieren, bevor er alles mache. Er hat ja noch genug Zeit. Er benutzt mittlerweile hin und wieder lateinische Wörter - und ja - ich muss mittlerweile nachfragen. Und er erklärt mir dann seine Theorien mit welchen Wörtern sie aus unserer Sprache zusammenhängen. "Ostendere" meinte er würde mit Osten zusammenhängen - er stellte sich wohl einen Imperator vor, der damals nach Osten *zeigte*. Aber Osten, so fanden wir dann heraus kommt aus dem Althochdeutschen. Über die Jahre wird sich so sein linguistisches Gespür entwickeln.
Nami lernt nun Spanisch. Am Computer. Ganz alleine. (ja wirklich, alle Kinder schicken mich raus, wenn sie lernen - nur Sanji *noch* nicht - sollte mir das irgendwas sagen?). Sie macht das wirklich gut.
Diese Woche beginnen wieder die Kurse. Und am 20.ten ist dann schon Choppers Tanzaufführung.
Letzte Mama-Woche hat Chopper die ganze Woche seine eigenen Spiele programmiert.
Meine Haushaltsfähigkeiten werden immer besser. Ich war eine Zeit lang ratlos, da ich nicht wußte, wie ich die Kinder einbinden kann. So dass es ihnen Freude macht. Ganz freiwillig hat nicht funktioniert. Das Leben ist einfach viel viel spannender als Haushalt. Nun haben wir die Vereinbarung, dass sie ein Zimmer aufräumen (oder einen Teil von einem Zimmer) und ich dann immer extra was koche. Kochen macht mir dann auch Freude, wenn ich merke, dass wir alle was tun und ich kann wirklich was Gutes kochen. Die Ordnung wird dadurch die Ordnung der Kinder - somit achten sie auch darauf und richten nicht einfach Chaos an, als ob es kein Morgen gäbe. Und die Küche nicht vor dem Kochen erst selbst komplett aufräumen zu müssen entspannt wirklich. Sehr. Und ich kann mich darauf konzentrieren meine Kochkünste zu verfeinern.
Unser Familienalltag hat sehr wenige Tiefs. Über die letzten Wochen wurde es wieder sehr sehr harmonisch. Und ein sehr starkes Zusammensein. Die Kinder lernen immer mehr aufeinander einzugehen.
Tagsüber sehe ich die Großen nur immer mal wieder. In den Ferien haben ja die anderen Kinder Freigang und Freundschaften können geschlossen werden und den ganzen Tag kann gespielt werden. Ich komme rein und auf einmal liegt da wieder die Freundin von Nami im Wohnzimmer und streichelt den Hund... ich kratze mich am Kopf.
Nami hat auch ihre Kleptomanie mittlerweile sehr gut überwunden. Ich kann überall Geld rumliegen lassen (eine Schwäche von mir). Und nichts mehr verschwindet. Nein, mehr noch. Nami bastelt kleine Sparbüchsen und räumt das Geld dann zusammen.
Dienstag, 10. Februar 2015
Sozialisation - Regeln
Eine "Frage", die immer wieder kommt ist: "Ich kann mir nicht alles aussuchen. Ich kann ja auch nicht bei Rot über eine Ampel gehen."
Regeln sind dazu da um unsere Gesellschaft und unser miteinander zu ordnen. Soziale Regeln - um die es hier geht - lassen uns erst effektiv miteinander umgehen.
Jedoch werden diese Regeln überall wo Menschen aufeinander treffen ausgehandelt. Sie werden nicht nur durch Strafe und Belehrung weitergegeben, sondern auf vielerlei Weise. Über Medien, Beobachtung von Verhalten und über sog. Mikro-Bestrafungen ("micropunishments) - das sind kleine Hinweise anderer, dass ein Verhalten nicht der Norm entspricht. Z.B. Naserümpfen, Weggehen, etc..
Unter dem Begriff "Norm Breaching" findet man auf youtube unzählige Videos in denen die Reaktion von Unbeteiligten auf Regelbrüche gefilmt werden.
Einfache Regelbrüche sind:
Man geht quer durch eine Gruppe von Leuten, die sich unterhält.
Man fängt an im McDonalds über den Preis der Burger zu verhandeln.
Man legt sich in der Fußgängerzone auf den Boden und fängt an zu singen.
Man leckt seinen Teller im Restaurant leer.
Man applaudiert der Bedienung im Burger King, wenn sie die Pommes bringt, dann bejubelt man sie noch mal sobald der Burger kommt.
Man geht auf einer Party - sobald man ankommt - in die Küche und fängt das Besteck an umzusortieren, ohne ein Wort sagen z.
Man stellt sich in der Toilette genau an das Urinal neben jemanden und versucht zu erraten, was er alles getrunken hat.
An der Ampel ruft man den Leuten auf der anderen Seite zu: "Kommt nur her!" "Ich komm gleich rüber!"
Es ist leicht ersichtlich, wie die Menschen um einen herum reagieren werden. Ich finde es also interessant, dass sich manche Menschen um Regelbrüche Sorgen machen - Normen machen den Teil des Verhaltens aus, der praktisch unausweichlich gelernt wird, so sehr man sich auch dagegen zu wehren versucht. Dass genau der Teil, der in der realen Welt am besten gelernt wird - gerade nicht gelernt werden können soll. Bei Unschoolern, die sich doch "ausschließlich" in der realen Welt bewegen.
Außerdem werden soziale Normen sowieso auf die Situation bezogen gelernt. In der Soziologie wird das die "Bühne" genannt, auf der wir unsere Masken tragen. Ein Beispiel dafür ist, dass wir es als normal empfunden in Unterwäsche rumzulaufen, sobald wir im Schwimmbad sind.
Ich möchte also abschließend noch ein paar soziale Normen nennen, die wir alle als belustigend empfinden würden:
1.) Ich melde mich im Restaurant und rufe dem Kellner zu, dass ich bitte auf die Toilette gehen möchte - ob ich darf.
2.) Ich stelle mich am Bahnhof vor eine Gruppe von Menschen und frage einem nach dem anderen nach Fremdwörtern ab.
3.) Ich läute in der Kirche einen Gong und fordere alle Menschen auf sich für 20 Minuten ins Freie zu begeben.
4.) Ich stelle mich an einen öffentlichen Platz, fange laut an Dinge aus einem Buch vorzulesen. Fordere Leute zum Schweigen auf, die in einem Gespräch sind, frage alle paar Minuten einen Fremden danach, was ich gerade vorgelesen habe - und halte das 45 Minuten durch.
5.) Ich frage in der Arbeit bei einer Besprechung bei jedem Detail, ob er das abfragt, oder ob ich es wissen muss.
6.) Ich frage beim Einstellungsgespräch, mit welcher Art Stift geschrieben werden darf und mit welcher Farbe ich meine Hefte einbinden soll.
7.) Ich verbessere in einer Unterhaltung jeden Ausdrucksfehler des Anderen und frage ihn, was Subjekt und was Objekt seines letzten Satzes war.
8.) Ich entschuldige mich in der Bibliothek, dass ich nicht schon um 9 Uhr früh, als sie geöffnet hat erschienen bin.
Und noch eine kleine Regelsammlung als Lied :)
Regeln sind dazu da um unsere Gesellschaft und unser miteinander zu ordnen. Soziale Regeln - um die es hier geht - lassen uns erst effektiv miteinander umgehen.
Jedoch werden diese Regeln überall wo Menschen aufeinander treffen ausgehandelt. Sie werden nicht nur durch Strafe und Belehrung weitergegeben, sondern auf vielerlei Weise. Über Medien, Beobachtung von Verhalten und über sog. Mikro-Bestrafungen ("micropunishments) - das sind kleine Hinweise anderer, dass ein Verhalten nicht der Norm entspricht. Z.B. Naserümpfen, Weggehen, etc..
Einfache Regelbrüche sind:
Man geht quer durch eine Gruppe von Leuten, die sich unterhält.
Man fängt an im McDonalds über den Preis der Burger zu verhandeln.
Man legt sich in der Fußgängerzone auf den Boden und fängt an zu singen.
Man leckt seinen Teller im Restaurant leer.
Man applaudiert der Bedienung im Burger King, wenn sie die Pommes bringt, dann bejubelt man sie noch mal sobald der Burger kommt.
Man geht auf einer Party - sobald man ankommt - in die Küche und fängt das Besteck an umzusortieren, ohne ein Wort sagen z.
Man stellt sich in der Toilette genau an das Urinal neben jemanden und versucht zu erraten, was er alles getrunken hat.
An der Ampel ruft man den Leuten auf der anderen Seite zu: "Kommt nur her!" "Ich komm gleich rüber!"
Es ist leicht ersichtlich, wie die Menschen um einen herum reagieren werden. Ich finde es also interessant, dass sich manche Menschen um Regelbrüche Sorgen machen - Normen machen den Teil des Verhaltens aus, der praktisch unausweichlich gelernt wird, so sehr man sich auch dagegen zu wehren versucht. Dass genau der Teil, der in der realen Welt am besten gelernt wird - gerade nicht gelernt werden können soll. Bei Unschoolern, die sich doch "ausschließlich" in der realen Welt bewegen.
Außerdem werden soziale Normen sowieso auf die Situation bezogen gelernt. In der Soziologie wird das die "Bühne" genannt, auf der wir unsere Masken tragen. Ein Beispiel dafür ist, dass wir es als normal empfunden in Unterwäsche rumzulaufen, sobald wir im Schwimmbad sind.
Ich möchte also abschließend noch ein paar soziale Normen nennen, die wir alle als belustigend empfinden würden:
1.) Ich melde mich im Restaurant und rufe dem Kellner zu, dass ich bitte auf die Toilette gehen möchte - ob ich darf.
2.) Ich stelle mich am Bahnhof vor eine Gruppe von Menschen und frage einem nach dem anderen nach Fremdwörtern ab.
3.) Ich läute in der Kirche einen Gong und fordere alle Menschen auf sich für 20 Minuten ins Freie zu begeben.
4.) Ich stelle mich an einen öffentlichen Platz, fange laut an Dinge aus einem Buch vorzulesen. Fordere Leute zum Schweigen auf, die in einem Gespräch sind, frage alle paar Minuten einen Fremden danach, was ich gerade vorgelesen habe - und halte das 45 Minuten durch.
5.) Ich frage in der Arbeit bei einer Besprechung bei jedem Detail, ob er das abfragt, oder ob ich es wissen muss.
6.) Ich frage beim Einstellungsgespräch, mit welcher Art Stift geschrieben werden darf und mit welcher Farbe ich meine Hefte einbinden soll.
7.) Ich verbessere in einer Unterhaltung jeden Ausdrucksfehler des Anderen und frage ihn, was Subjekt und was Objekt seines letzten Satzes war.
8.) Ich entschuldige mich in der Bibliothek, dass ich nicht schon um 9 Uhr früh, als sie geöffnet hat erschienen bin.
Und noch eine kleine Regelsammlung als Lied :)
Mittwoch, 4. Februar 2015
Soziale Kompetenz - Wann sollte ein Kind die Familie verlassen?
In unserer Gesellschaft kann es ja nicht schnell genug gehen, dass Kinder den Umgang mit anderen Kindern lernen. Den Umgang mit Gleichaltrigen.
Sozialisation heißt der Überbegriff.
Dass man von Gleichaltrigen (also Menschen, die ungefähr so viel können wie man selbst) viel lernt ist erstmal eine witzige Idee.
Sozialisation ist ja 1.) Umgang mit Autoritäten 2.) Freunden.
Hier haben wir ein drittes: Nämlich den Umgang mit Machtgleichen - Peers. Menschen, die sich grob nicht von uns unterscheiden. Die so gut es geht unsere Größe haben, unsere geistige Entwicklung, unseren sozialen Hintergrund, unsere Leistungsfähigkeit, etc.
In der Biologie gibt es ein Phänomen, das man Hackordnung nennt. Es kommt aus der Hühnerzucht: Hühner schlafen gerne so weit oben wie möglich. Ist so. Hab ich auf Wikipedia nachgelesen.
Hängt man nun die Schlafgelegenheiten im Hühnerstall in verschiedener Höhe auf, dann fangen die Hühner an auf sich herumzuhacken, und um die obersten Plätze zu streiten. Die Verlierer müssen unten schlafen.
Deswegen macht man eine Stange in Hühnerställe und es herrscht Frieden.
Ähnlich ist das bei Menschen, sobald sie in Konkurrenz-Situationen kommen (auch künstliche, Anerkennung, Noten, Lob) fangen sie an unter sich eine Hackordnung auszumachen.
Das läuft dann in der Schulwerbung unter: Kinder wollen sich vergleichen.
Soziale Kompetenz wird dabei nicht aufgebaut. Nicht der kooperative, friedliche, win-win Umgang - wie wir ihn eigentlich möchten.
Es besteht also kein Grund die Kinder möglichst früh aus der Familie zu schubsen und ihnen den Umgang mit Gleichaltrigen zu ermöglichen. In der Familie können sie friedlich und in Wertschätzung ihre sozialen Kompetenzen aufbauen.
Sie können die Grundbegriffe lernen. Sie können lernen, wie man kooperativ ist. Was für einen Nutzen es hat, auch die Sicht und die Gefühle des anderen verstehen zu wollen. Was es bedeutet die anderen auszunutzen und ihnen die Energie auszusaugen, bis diese ausflippen.
Innerhalb der Familie vergibt man sich das. Man erklärt sich Sachen. Wo lief es schief? Wo habe ich nicht nach win-win geschaut, sondern bin egoistisch gewesen. Habe nicht gesehen, dass der anderen auch ein Mensch ist mit Gefühlen, die ihm wichtig sind - und die ich getreten habe.
Die Idee, dass man diese Kompetenzen in einer Gruppe lernt in der alle um die Gunst und Aufmerksamkeit eines "Chefs" konkurrieren - und dieser Chef liebt einen nicht so und so bedingungslos (wie das bei Eltern heutzutage normalerweise der Fall ist). Das ist eine sehr kaputte Idee. Eine Idee, die nicht funktionieren kann.
Wir nehmen aber diese kaputte Idee und erheben sie zur Maxime nach der alles sich richten soll.
Ich bin kein Bindungsexperte und mir geht es auch nicht hier um Bindung, sondern mir geht es alleine um die Fähigkeit der Sozialkompetenz.
Werde ich also mit meinen niedrigen Sozialkompetenzen in eine Konkurrenz-Gruppe gestoßen, so ist das als ob ich mit einem unfertigen Schiff den Hafen verlassen soll. Ich werde Schiffbruch erleiden. Konnte ich genug soziale Kompetenz aufbauen, so werde ich erfolgreich die Meere befahren.
Deswegen plädiere ich dafür erst einmal diese Schiffe fertig zu bauen. Sie sich langsam in niedrigen Wassern prüfen zu lassen. Also in kleinen Gelegenheiten, von erst kurzer Dauer mit möglichst verschiedenaltrigen. Kein 2-jähriger wird mit einem 7 jährigen konkurrieren wollen. Und ein 7-jähriger wird sich auch ziemlich schnell blöd vorkommen, wenn er es versucht. Genauso wird ein 6-jähriger nicht mit einem 10-jährigen konkurrieren wollen.
In Gruppen in denen verschiedene Fähigkeiten zählen. In der einer der Navigator ist (ich bleibe beim Schiffs-Beispiel), einer der Koch, einer der Schiffsarzt, etc. Wo diese Fähigkeiten sich ergänzen können und Sinn haben. Nicht genau das Gegenteil: sinnlose Fähigkeiten alle gleich lernen müssen und dann darin konkurrieren.
Wir sollten die Kinder in dem Moment hinaus lassen, wo ihr Schiff fertig ist. Und sie nicht zwingen (oder motivieren/strafen) Segel zu setzen. Wir sollten ihnen helfen das Schiff zu bauen. Dadurch, dass wir an unserem eigenen Schiff weiterbauen und ihnen erklären, warum wir denken, dass dies oder jenes so gut ist und anderes diesen oder jenen anderen Effekt hätte. Ein Segel, das wir unter Deck anbringen ist einfach nicht so zuträglich als eines, das wir an einem Mast befestigen.
Wir sollten mit Ihnen Orte erkunden an denen wir Gelegenheit bekommen unsere Konstruktion zu prüfen und zu sehen, ob die Sozialkompetenzen (Konstruktionen) schon Sinn machen.
Und dann, wenn alles schon fertig ist und wir daran gehen in die Reling (Außengelände) Löcher zu bohren, damit das Wasser abfließen kann, wenn es regnet oder stürmt... erst bei diesem Feinschliff sollten wir die extremste aller Situationen ausprobieren wagen: Die Konkurrenz unter Peers unter längerer Zeit - wenn wir es denn für nötig halten.
Ich habe das gesehen, als der Älteste (jetzt 10) dieses Jahr in München mit anderen Kindern Freundschaften geschlossen hat. Er hatte überhaupt keine Konkurrenz in sich, er wollte niemanden in die Pfanne hauen, er wollte nicht besser sein, er wollte kein Lob, er wollte kein Chef sein, er wollte sich nicht in Nichts hervorheben. Er wollte einfach nur mit ihnen spielen und Abenteuer erleben. Zusammen den Berg herunterrutschen. Und die Freunde kamen so ohne Anstrengung und sie spielten so lange Stunden, als ob sie schon immer da gewesen wären.
Und das einzige was mir zu tun blieb war: Am Ufer zu stehen und mit meinem Taschentuch dem Schiff das in vollem Wind auf's Meer hinausfuhr zu winken. Mit Tränen der Freude in den Augen. Nicht mit Tränen des Abschieds. Den ich wußte: dieses Schiff war stark genug um auch wieder in den Hafen zurückzufinden und nicht zu verneinen, dass es so etwas wie einen Hafen überhaupt nötig habe.
Sozialisation heißt der Überbegriff.
Dass man von Gleichaltrigen (also Menschen, die ungefähr so viel können wie man selbst) viel lernt ist erstmal eine witzige Idee.
Sozialisation ist ja 1.) Umgang mit Autoritäten 2.) Freunden.
Hier haben wir ein drittes: Nämlich den Umgang mit Machtgleichen - Peers. Menschen, die sich grob nicht von uns unterscheiden. Die so gut es geht unsere Größe haben, unsere geistige Entwicklung, unseren sozialen Hintergrund, unsere Leistungsfähigkeit, etc.
In der Biologie gibt es ein Phänomen, das man Hackordnung nennt. Es kommt aus der Hühnerzucht: Hühner schlafen gerne so weit oben wie möglich. Ist so. Hab ich auf Wikipedia nachgelesen.
Hängt man nun die Schlafgelegenheiten im Hühnerstall in verschiedener Höhe auf, dann fangen die Hühner an auf sich herumzuhacken, und um die obersten Plätze zu streiten. Die Verlierer müssen unten schlafen.
Deswegen macht man eine Stange in Hühnerställe und es herrscht Frieden.
Ähnlich ist das bei Menschen, sobald sie in Konkurrenz-Situationen kommen (auch künstliche, Anerkennung, Noten, Lob) fangen sie an unter sich eine Hackordnung auszumachen.
Das läuft dann in der Schulwerbung unter: Kinder wollen sich vergleichen.
Soziale Kompetenz wird dabei nicht aufgebaut. Nicht der kooperative, friedliche, win-win Umgang - wie wir ihn eigentlich möchten.
Es besteht also kein Grund die Kinder möglichst früh aus der Familie zu schubsen und ihnen den Umgang mit Gleichaltrigen zu ermöglichen. In der Familie können sie friedlich und in Wertschätzung ihre sozialen Kompetenzen aufbauen.
Sie können die Grundbegriffe lernen. Sie können lernen, wie man kooperativ ist. Was für einen Nutzen es hat, auch die Sicht und die Gefühle des anderen verstehen zu wollen. Was es bedeutet die anderen auszunutzen und ihnen die Energie auszusaugen, bis diese ausflippen.
Innerhalb der Familie vergibt man sich das. Man erklärt sich Sachen. Wo lief es schief? Wo habe ich nicht nach win-win geschaut, sondern bin egoistisch gewesen. Habe nicht gesehen, dass der anderen auch ein Mensch ist mit Gefühlen, die ihm wichtig sind - und die ich getreten habe.
Die Idee, dass man diese Kompetenzen in einer Gruppe lernt in der alle um die Gunst und Aufmerksamkeit eines "Chefs" konkurrieren - und dieser Chef liebt einen nicht so und so bedingungslos (wie das bei Eltern heutzutage normalerweise der Fall ist). Das ist eine sehr kaputte Idee. Eine Idee, die nicht funktionieren kann.
Wir nehmen aber diese kaputte Idee und erheben sie zur Maxime nach der alles sich richten soll.
Ich bin kein Bindungsexperte und mir geht es auch nicht hier um Bindung, sondern mir geht es alleine um die Fähigkeit der Sozialkompetenz.
Werde ich also mit meinen niedrigen Sozialkompetenzen in eine Konkurrenz-Gruppe gestoßen, so ist das als ob ich mit einem unfertigen Schiff den Hafen verlassen soll. Ich werde Schiffbruch erleiden. Konnte ich genug soziale Kompetenz aufbauen, so werde ich erfolgreich die Meere befahren.
Deswegen plädiere ich dafür erst einmal diese Schiffe fertig zu bauen. Sie sich langsam in niedrigen Wassern prüfen zu lassen. Also in kleinen Gelegenheiten, von erst kurzer Dauer mit möglichst verschiedenaltrigen. Kein 2-jähriger wird mit einem 7 jährigen konkurrieren wollen. Und ein 7-jähriger wird sich auch ziemlich schnell blöd vorkommen, wenn er es versucht. Genauso wird ein 6-jähriger nicht mit einem 10-jährigen konkurrieren wollen.
In Gruppen in denen verschiedene Fähigkeiten zählen. In der einer der Navigator ist (ich bleibe beim Schiffs-Beispiel), einer der Koch, einer der Schiffsarzt, etc. Wo diese Fähigkeiten sich ergänzen können und Sinn haben. Nicht genau das Gegenteil: sinnlose Fähigkeiten alle gleich lernen müssen und dann darin konkurrieren.
Wir sollten die Kinder in dem Moment hinaus lassen, wo ihr Schiff fertig ist. Und sie nicht zwingen (oder motivieren/strafen) Segel zu setzen. Wir sollten ihnen helfen das Schiff zu bauen. Dadurch, dass wir an unserem eigenen Schiff weiterbauen und ihnen erklären, warum wir denken, dass dies oder jenes so gut ist und anderes diesen oder jenen anderen Effekt hätte. Ein Segel, das wir unter Deck anbringen ist einfach nicht so zuträglich als eines, das wir an einem Mast befestigen.
Wir sollten mit Ihnen Orte erkunden an denen wir Gelegenheit bekommen unsere Konstruktion zu prüfen und zu sehen, ob die Sozialkompetenzen (Konstruktionen) schon Sinn machen.
Und dann, wenn alles schon fertig ist und wir daran gehen in die Reling (Außengelände) Löcher zu bohren, damit das Wasser abfließen kann, wenn es regnet oder stürmt... erst bei diesem Feinschliff sollten wir die extremste aller Situationen ausprobieren wagen: Die Konkurrenz unter Peers unter längerer Zeit - wenn wir es denn für nötig halten.
Ich habe das gesehen, als der Älteste (jetzt 10) dieses Jahr in München mit anderen Kindern Freundschaften geschlossen hat. Er hatte überhaupt keine Konkurrenz in sich, er wollte niemanden in die Pfanne hauen, er wollte nicht besser sein, er wollte kein Lob, er wollte kein Chef sein, er wollte sich nicht in Nichts hervorheben. Er wollte einfach nur mit ihnen spielen und Abenteuer erleben. Zusammen den Berg herunterrutschen. Und die Freunde kamen so ohne Anstrengung und sie spielten so lange Stunden, als ob sie schon immer da gewesen wären.
Und das einzige was mir zu tun blieb war: Am Ufer zu stehen und mit meinem Taschentuch dem Schiff das in vollem Wind auf's Meer hinausfuhr zu winken. Mit Tränen der Freude in den Augen. Nicht mit Tränen des Abschieds. Den ich wußte: dieses Schiff war stark genug um auch wieder in den Hafen zurückzufinden und nicht zu verneinen, dass es so etwas wie einen Hafen überhaupt nötig habe.
Montag, 15. Dezember 2014
Keine Sorge (mehr) über Sozialisation und Freunde
Eine der Fragen, die man sich am Anfang stark stellt und auch von anderen gestellt bekommt, ist die nach: "Sozialisation".
Nun, zuerst Mal möchte ich damit ausdrücken, was die Gesellschaft meint - denn sie meint 2 Dinge - wenn sie Sozialisation sagt.
1.) Verhalten gegenüber Autoritäten. Sind wir gut sozialisiert, dann erkennen wir Autoritäten an, wissen wo wir knien und wo wir buckeln müssen. Zittern! wenn wir die Unwahrheit vor Autoritäten sagen - obwohl sie mit Gewalt drohen. Wir werden unfähig gemacht im sozialen Spektrum zu navigieren wie wir es wollen - wir bekommen beigebracht, wo es unschick, unpassend, ungelegen ist reinzugehen. Nicht beim Vorgesetzten reinplatzen. Nicht uneingeladen auf Parties gehen. Anweisungen unhinterfragt entgegen zu nehmen - und auszuführen. All das ist Sozialisation. Es ist die Anpassung an gesellschaftliche Denkmuster. In Umgebung, die von Autorität geprägt ist bedeutet dass, das dies in unser Fleisch übergeht. Wir lernen den Unterschied in der Hackordnung - wie wir die Hackordnung selbst bekräftigen. Wie wir nach unten treten, wenn einer versucht auszubrechen. Was sollen wir auch anderes tun. In einer Gesellschaft, in der eine strenge Hierarchie herrscht ist jeder Ausbrecher von Unten jemand, der uns eins nach unten schieben wird - sollte er es schaffen.
2.) Freunde. Menschen, die für einen da sind und mit denen man die Welt erleben kann. Ein Verhältnis, das auf gegenseitiger Zuneigung beruht und sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet.
Nun - und so sieht die Realität aus. Jetzt will ich nicht, dass wir lernen uns zu rechtfertigen und einen philosophischen Diskurs darüber bestehen können, sondern ein kleines Bild und ein paar Faken, wie ich es erlebt habe darlegen.
Wenn uns jemand nach Sozialisation ohne Schule fragt, so ist dass, als ob wir gefragt werden, ob ein Fisch denn auch lernt sich im Meer zurecht zu finden, wenn er nicht vorher im Aquarium darauf trainiert wurde.
1.) Die Autoritäten und Verhaltensregeln wurden nicht in der Schule erfunden, sondern sie entstanden in der Welt - unsere aktive Auseinandersetzung mit der Welt ist es, was uns sozialisiert. In eine Welt, die nur ein Abklatsch der Welt ist kann es nicht richtig gelernt werden. Die Schule bietet hier ein verzerrtes Bild - Abweichungen werden oft zu hart bestraft, oder falsche Dinge heroisiert. Nichts in der echten Welt ist so auswegslos, wie das untere Glied in der Hackordnung der Klasse zu sein - außer im Gefängnis. Jemand mit Null Sozialkompetenz wird in der Schule massiv zum Mobbingopfer, was jedes Licht am Ende des Tunnels vernichtet. In der echten Welt, muss man nur darüber nachdenken, warum man so oft seine Freunde wechseln muss - oder so viel Zeit allein verbringen muss.
Ein Verlierer zu sein ist in der Schule absolut - ein Urteil, das unter die Haut geht; sogar in den genetischen Code implantiert wird. In der echten Welt sucht man sich andere Gebiete - und es gibt ein viel größeres Spektrum. Man kann dort glänzen und mit anderen zusammen Freude haben - sozial belohnt werden.
Die Welt ist groß und man kann aktiv seine Sozialisation(1) mit bestimmen.
2.) Freunde - auch hier ist man wieder im echten Meer und kann aus einer großen Anzahl "auswählen". Man besucht Orte seines Interesses - der eine geht ins Schwimmbad, der andere in die Berge. Man findet Leute mit den gleichen Interessen, die an dieselben Orte gehen. Und durch gleiche Interessen erhöht sich die Wahrscheinlichkeit gemeinsamer Werte - und dies wiederum die Wahrscheinlichkeit von Zuneigung, Vertrauen, etc.
Es ist absurd zu glauben, dass man unter den 30 Mitschülern die mit dem selben Interesse mit einer höheren Wahrscheinlichkeit findet, als in der Welt.
Natürlich, wenn man alle auf dieselben Interessen bringen will - also Fußball für Jungs in Deutschland und für Mädchen Klatsch und Oberflächlichkeit, dann steigert es die Wahrscheinlichkeit. Aber zu welchem Preis. Dem Ausschluss aller, bei denen dieses Mainstreaming nicht klappt.
Die Welt ist groß und man findet Sozialisation(2), dort wo man seine Interessen in dieser Welt hat.
Und zu dem gibt es auch noch die Erwachsenen und alle Menschen, die Personen des Vertrauens und der gegenseitigen Zuneigung sein sollen. Besonders die ersten Jahre der Eltern. Andere Freunde kommen mit anderen Interessen. Aber der gesunde Startpunkt ist die Geborgenheit der Familie.
Macht euch also keine Sorgen, wenn die "anderen" schon mit ihren Spielkameraden spielen. Wenn die Gesellschaft sagt, dass Gleichaltrige so unglaublich wichtig sind. Prüft genau, ob Eure Kinder nicht schon Personen ihres Vertrauens genug haben, und ob sie genug gegenseitige Zuneigung empfinden. Lasst euch nicht dazu zu verleiten zu glauben, dass andere Kinder besser sind - nur weil sie Jünger sind. Sucht Orte zu denen ihr sie begleitet, an denen sie Spaß haben - wenn sie dort mit anderen Kindern spielen, dann weil sie es wollen. Nicht: weil es ihre einzige Option ist. Wenn es ihnen sehr gut gefällt und sie ein Bedürfnis haben diese anderen wieder zu sehen, dann werden sie fragen, wann ihr wieder hingeht.
So einfach ist das, was gesund ist.
Chopper schließt immer mehr Verbindungen zu anderen Kindern in seinen Kursen (keins davon ein Home/Unschooler). Manche davon werden wieder aus seinem Leben verschwinden, andere werden bleiben. Und dieses werden Freundschaften - über die Zeit - ohne Zwang.
Abonnieren
Posts (Atom)