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Sonntag, 8. November 2015

Hühner und Verantwortung

Nachdem Nami nun über mehrere Monate sich um Hühner und Kaninchen in dem Kleintierzüchterverein gekümmert hat, hat sie heute ihren eigenen Schlüssel bekommen.
Das bedeutet für sie konkret, dass sie sich nun jeden Tag um ihre Tiere kümmern kann - und es ist auch ein großer Vertrauensbeweis.

Ihr Förderer dort will jetzt noch ein paar Monate schauen, ob Nami mit gleichem Interesse und gleicher Persistenz an der Sache dran bleibt... und dann... wollen wir uns alle an einen Tisch setzen und sie kann sagen, was sie selbst gerne züchten würde, bekommt ihre eigene Parzelle mit ihren eigenen Tieren.

Ich bin gespannt, wie es weiter läuft. Und ich finde es auch sehr gut, wie sehr Nami im Leben lernen kann, dass stetiger Einsatz auch immer mehr Vertrauen der Mitmenschen nach sich zieht und dies dann dazu führt, dass andere einem mehr und mehr Verantwortung und Eigenständigkeit zutrauen.

Sonntag, 13. September 2015

Nach den Sommerferien - ein Update

Wie ich diesen Schulanfang nach all den Jahren noch spüre, wenn das Wetter so herbstlich wird. Dieses Aufwachen mit einem tiefen Gefühl der Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit, die das Ende der Sommerferien markiert. Nächstes Jahr bin ich wieder im Ausland um diese Zeit. Im Süden. Definitiv. Der Duft und Anblick von Pinien und Meer ertränkt alle Dunkelheit und alles Grau.
 Woran merkt man als Unschooler, dass der Sommer vorbei ist? Eigentlich nur am Wetter... und dann ist heute auch noch der letzte Tag an dem das Freibad geöffnet ist. Letztes Jahr um diese Zeit war ich gerade ein paar Tage in Venedig und es standen uns noch herrliche zwei Wochen bevor. Als wir dann zurückkamen war es herrliches Wetter. Die Luft war aber schon kalt und die roten Blätter der Bäume verrieten was bald kommen würde.

Wenn ich mich frage, was mir Unschooling bedeutet und ein schulfreies Leben, dann fühle ich wie tief es geht: So viel! Alles! Jeden Tag wachsen dürfen, so wie ich es will. So wie es *mein* Leben verlangt. Kein anderer. Es gibt keine Katastrophe mehr - es gibt nur noch Richtungen der Entwicklungen.
Dieses Jahr habe ich mit Singen angefangen und es ist als schließt sich dadurch eine so starke Lücke in meiner Persönlichkeit. Ich war immer nur akademischer Verstand oder stilles Gefühl. Singen hat mir Ausdruck verliehen - auch wenn ich Singen selber noch nicht kann.

Gerade ging ich durch die Wohnung... Nami lag auf der Couch und las "Der kleine Prinz" - die Comicreihe. Nach dem ganzen Training wegen ihrer Dyslexie haben wir ja dann bei 46 Wörter pro Minute eine Pause gemacht. Kein Training mehr. Eine lange Sommerpause. Generell fangen wir die Sommerpausen ja so um März herum an.
Und dann fragte mich Nami, was denn sei, als ich stehenblieb und ihr einfach beim Lesen zusah... was sei? Freude... Tränen in den Augen... Innerer Frieden... Ich nickte nur und machte: Mmmm...
Dann sah sie nach einer Minute wieder auf und begann über die Finsterlinge (sie repräsentieren Angst in dem kleinen Prinzen) zu erzählen, die gegen den kleinen Prinzen kämpfen. Sie dachte die wären kleiner. Von seinen Ängsten denkt man wohl immer sie seien kleiner... bis man anfängt sich ihnen zu stellen und gegen sie zu kämpfen.
Eine andere Entwicklung ist, dass Nami nun mittlerweile die Untertitel von One Piece mitliest. Und das ist wohl ein super Training für ihr Lesen.

Danach ging ich in die Küche. Chopper saß am Tisch und frühstückte und las. Er liest praktisch immer beim Frühstück. "Herr der Fliegen" ist es gerade. Ein Buch, das bestimmt kein Kind in der 5.ten Klasse liest. Eine Freundin sagte mal, dass ich Chopper für die Ivy League trainiere... und das stimmt wohl auch irgendwo. Aber ich bin überzeugt dieses Recht auf die Erreichung seines ganzen Potentials hat jeder Mensch. Warum sollen Menschen nur kleine Flügel bekommen, wenn sie große Schwingen wachsen können? Welche die im Licht schillern, wenn sie auf die Sonne zufliegen?

Nami hat jetzt auch ein Ziel: Ihr Ziel ist es, dass Blaumeisen aus ihren Händen picken. Was für ein schönes Ziel :) Sie fährt jeden Sonntag früh zu dem Kleintierzuchtverein und füttert dort bei einem Züchter die Hühner. Und mittlerweile hat der Züchter auch Albino-Kaninchen für sie gekauft. Und sie fängt auch an die Hühner der Nachbarn zu füttern. Sie gibt toten Tieren ein Begräbnis und spürt alle Vogelnester auf.

Die beiden großen Kinder lernen nun Sprachen. Chopper lernt Französisch... da ist er ja auch schon ziemlich weit. Hat nun Latein dazugenommen und mittlerweile auch Italienisch. Gestern wollte er auch noch Bayerisch nehmen, aber ich riet ihm erst mal seinen Laser zu fokussieren, bevor er alles mache. Er hat ja noch genug Zeit. Er benutzt mittlerweile hin und wieder lateinische Wörter - und ja - ich muss mittlerweile nachfragen. Und er erklärt mir dann seine Theorien mit welchen Wörtern sie aus unserer Sprache zusammenhängen. "Ostendere" meinte er würde mit Osten zusammenhängen - er stellte sich wohl einen Imperator vor, der damals nach Osten *zeigte*. Aber Osten, so fanden wir dann heraus kommt aus dem Althochdeutschen. Über die Jahre wird sich so sein linguistisches Gespür entwickeln.

Nami lernt nun Spanisch. Am Computer. Ganz alleine. (ja wirklich, alle Kinder schicken mich raus, wenn sie lernen - nur Sanji *noch* nicht - sollte mir das irgendwas sagen?). Sie macht das wirklich gut.

Diese Woche beginnen wieder die Kurse. Und am 20.ten ist dann schon Choppers Tanzaufführung.
Letzte Mama-Woche hat Chopper die ganze Woche seine eigenen Spiele programmiert.

Meine Haushaltsfähigkeiten werden immer besser. Ich war eine Zeit lang ratlos, da ich nicht wußte, wie ich die Kinder einbinden kann. So dass es ihnen Freude macht. Ganz freiwillig hat nicht funktioniert. Das Leben ist einfach viel viel spannender als Haushalt. Nun haben wir die Vereinbarung, dass sie ein Zimmer aufräumen (oder einen Teil von einem Zimmer) und ich dann immer extra was koche. Kochen macht mir dann auch Freude, wenn ich merke, dass wir alle was tun und ich kann wirklich was Gutes kochen. Die Ordnung wird dadurch die Ordnung der Kinder - somit achten sie auch darauf und richten nicht einfach Chaos an, als ob es kein Morgen gäbe. Und die Küche nicht vor dem Kochen erst selbst komplett aufräumen zu müssen entspannt wirklich. Sehr. Und ich kann mich darauf konzentrieren meine Kochkünste zu verfeinern.

Unser Familienalltag hat sehr wenige Tiefs. Über die letzten Wochen wurde es wieder sehr sehr harmonisch. Und ein sehr starkes Zusammensein. Die Kinder lernen immer mehr aufeinander einzugehen.

Tagsüber sehe ich die Großen nur immer mal wieder. In den Ferien haben ja die anderen Kinder Freigang und Freundschaften können geschlossen werden und den ganzen Tag kann gespielt werden. Ich komme rein und auf einmal liegt da wieder die Freundin von Nami im Wohnzimmer und streichelt den Hund... ich kratze mich am Kopf.

Nami hat auch ihre Kleptomanie mittlerweile sehr gut überwunden. Ich kann überall Geld rumliegen lassen (eine Schwäche von mir). Und nichts mehr verschwindet. Nein, mehr noch. Nami bastelt kleine Sparbüchsen und räumt das Geld dann zusammen.

Sonntag, 12. April 2015

Diese Tage

Chopper kocht: Es gibt Kaiserschmarrn mit Erdbeermilch (fresh!) - er will einen Account auf Chefkoch.de


Habe mir soeben 2 Kinder in einem Chipskarton gekauft, beide sind mit Rollen bestückt - sehr praktisch :)

Gassi gehen... äh rollen...

Porridge am Morgen - im selbst-genähten Rock zubereitet. Daneben frische Melone... kein Streß beim Frühstück ist ein Menschenrecht :)


Kuscheln ist immer wichtig.... am besten mit Kuscheltieren und Kuschelhund und Kuschelbruder

Noch ein selbst-genähtes Kleid

Auf Reiherjagd


Nami's Party zu ihren 46 Wörter pro Minute


Was will er mir damit wohl sagen?


soooooo groß... echt... soooo groß


Spaziergang im Moor


HotDogs by Nami (Chopper ist Vegetarier, hat hier aber für das Bild posiert)


Wie tief ist jetzt der Fluß nochmal?

Mal wieder spielen


Nami in ihrer Nähecke


Nami's neues selbst-genähtes Hemd


Haushalt, booaaah... echt erschöpfend...


Neue Näh-Monster von Nami


jajaja und tausend andere Bilder :)

Sonntag, 29. März 2015

Viel Zeit

Die letzte Woche war das Wetter so schön und wir haben die Zeit draußen verbracht. Das war echt toll. Wir haben viel gespielt (Ball gegen die Wand beim Supermarkt) und auch sonst viel zusammen gemacht.
Ich habe auf der anderen Seite auch Namis Skill-Training (Powertraining Lesen) für eine ganze Woche ausgesetzt... nunja... vielleicht hat eher sie es ausgesetzt und ich habe gesagt: Ja, OK.

Und dann war plötzlich so viel Zeit da Dinge zu machen und dann ist es natürlich auch viel länger hell und das Wetter bringt auch eine tolle Stimmung.
Es war also eine richtige "Relax"-Woche. Also eine Woche in der wir praktisch nur gemacht haben was uns gefällt.

Chopper und Sanji haben zwar ihr Skill-Training weiter gemacht, aber Chopper ist ja schon 10 und macht es praktisch ganz selbständig. Und Sanji liest eh so schnell, gut und mit Freude, dass die Zeit nicht ins Gewicht fällt, denn es ist sehr spielerisch.

Also es war eine super Woche - und wir haben witzige Sachen herausgefunden:
wie man einen Einkaufswagen ohne Münze aber nur mit Schlüssel abkriegt
wie dankbar Leute sind, wenn man ihnen Einkaufswägen einfach so gibt
wie man Einkaufswägen als Tore benutzt :)



Montag, 9. März 2015

Die eigene Geschwindigkeit

Wie die meisten ja schon gemerkt haben, bin ich kein "Unschooler" der reinen Lehre. Das bedeutet wir haben diesen Zettel, auf dem Sachen stehen, die sie sich aussuchen können. Bei denen sie dann aber auch über einen gewissen Zeitraum bleiben *müssen*.

Dennoch... diese Woche hat Chopper kein einziges seiner Skill-Trainings gemacht. Ich habe ihn 2 oder 3 Mal darauf angesprochen, er meinte aber nur, dass er diese Woche eine Pause mache und wahrscheinlich nächste weiter.

Ich finde es toll, dass er diese Pause einfach nehmen kann. Und zwar dann wenn er sich so fühlt als ob er sie brauchen würde... und nicht weil gerade Ferien auf irgendeinem Kalender stehen.

Ich hätte das auch früher so gerne gehabt.
Das Interessante ist, dass er ja One Piece die letzten Wochen gelesen hat und dann (bei Kapitel 620) aufgehört hat mit den Worten: "Ich lese jetzt ein Jahr kein One Piece mehr".
Er hält das jetzt schon 2 Wochen durch, einfach so von sich aus.

Er hatte auch gesagt er will jetzt einen Monat kein Computer mehr spielen, da ist er aber ziemlich schnell dran gescheitert - und das obwohl ich nur ein neues Computerspiel ausgeliehen hatte :)

Ich bin gespannt wie es weitergeht mit seiner selbstgewählten Selbstdisziplinierung. Ich lasse dafür ein bisschen lockerer, was die Skill-Trainings angeht. Die meisten aktuellen hat er auch ziemlich gut weit gebracht. Also er verliert nichts durch eine Pause und bei seinem Stand können wir da jetzt eh mit den Sommerferien anfangen :)

Ich finde es so schön Chopper einfach sein eigenes Tempo wählen zu lassen - habe ich das schon gesagt. Es tut ihm bestimmt gut und es gibt ihm die Möglichkeit sich selbst näher kennen zu lernen und zu entdecken.

Wo und wann hat man schon noch einmal diesen Luxus im Leben???

Homeschooling - Wege in Deutschland - The Good, the bad and the ugly

Im Großen sehe ich folgende Wege in Deutschland schulfreies Leben zu realisieren:

I.) The Bad
Der schlechteste Weg vorweg. Hier ist die Idee dem Schulamt und Jugendamt zu erklären, dass das eigene Kind so instabil und dysfunktional ist, dass keine einzige Schule in Deutschland seinen Besonderheiten gerecht werden kann:
Keine Hauptschule, keine Gesamtschule, kein Gymnasium, keine Realschule, keine Werkrealschule, keine Förderschule, keine freie aktive Schule, keine Waldorfschule, keine Privatschule, keine Montessori-Schule.

Dieser Ansatz entspricht dem familiären Offenbarungseid. Von jedem Pädagogen wird das nämlich so interpretiert, dass die ganze Dysfunktionalität, die ganze Schulangst in der Familie erzeugt wurde.

Man kann hier oftmals eine temporäre Lösung erreichen, aber es ist ein Boomerang, der sobald er die Richtung wechselt an Geschwindigkeit zulegt. Und wenn man dann irgendwann ein komplett schulfreies Leben will, dann existieren schon zig Gutachten - die man alle selbst erstellen hat lassen - die beweisen, wie schlimm es diesem Kind eigentlich geht und dass es unbedingt, unbedingt professionelle, kontinuierliche Hilfe braucht.

Man rückt sich in diesem Ansatz von Anfang an in die Opferrolle. Man verlässt die des freien, europäischen Weltbürgers, der seine Rechte kennt und auf diese besteht und begibt sich sofort in die des kleinen unmündigen Bürgers, der es nicht mal schafft seinem Kind die Schule erträglich zu machen.

Es muss hier auch noch mal kurz die Motivation der Schule erläutert werden:
1.) Qualifikation - in einem industriellen Staat soll auf das Funktionieren innerhalb ebendieser Institutionen geübt werden. Man wird zu einem guten 8-Stunden-Büroarbeiter trainiert.
2.) Sozialisation - die Gesellschaft will dass wir uns in einer bestimmten Weise verhalten. Wir sollen arbeiten, keinen Dissens erzeugen, mitmachen bei kulturellen Ritualen (inkl. Wahlen), unserem Chef das Leben nicht schwer machen und mit unseren Kollegen um die Plätze etwas weiter höher in der Pyramide konkurrieren. Wir sollen uns durch billige Belohnungen maximal motivieren lassen und durch geringe Bestrafungen massiv bedroht fühlen. Etc.
3.) Selektion - wir bekommen unseren Startplatz in der Pyramide zugewiesen
4.) Legitimation - wir sollen an den Staat glauben, dass unserer der Beste ist, dass es uns woanders schlechter geht und die Gesetze gerecht und zu unserem Besten sind. Loyalität gegenüber dem Herren

Der Staat, die Gemeinschaft hat keinerlei Interesse daran sich selbst zu schaden und einen unmündigen Bürger auch noch seine Kinder verstümmeln zu lassen. Es liegt nach dem Offenbarungseid maximales Interesse zu reintegrieren. Das erklärt "kranke" Kind muss unbedingt geheilt werden - koste es was es wolle. Das kann bis zur Klinikschule in der geschlossenen Jugendpsychatrie gehen. Diese "Lösung" ist wie Salzwasser trinken um den Durst zu stillen.

Niemand der eine Ausnahmegenehmigung erreichen will sollte dies also als einen einfachen Ausweg aus der Schule sehen. Es ist eher das Ticket in eine umfassendere Beschulung und Beobachtung.

II.) The Ugly
Konfrontation! Hier ist als leuchtendes Beispiel Claudia Brunner zu sehen. Aber wenige Menschen sind bereit und fähig, so wie Gandhi sich gewaltfrei gegen ein Gewaltmonopol zu stellen und dabei nicht zu zerbrechen. Sie nimmt Strafen auf sich, einen Anwalt und ist sogar schon mal ins Gefängnis für die Freiheit ihres Sohnes gegangen. Hätten wir alle - oder auch nur 10 Menschen diese Überzeugung und Tatkraft wäre die vermeintliche Schulpflicht schon längst vom Tisch. Kein Staat kann sich auf Dauer einen massiven Dissens leisten, bei dem er auch noch als unschuldig wahrgenommene Menschen ins Gefängnis stecken muss. Noch dazu Eltern, denen das Jugendamt vollste Kompetenz bescheinigt. Der Staat ist hier auch permanent gezwungen die Schule durch ihre echten Zwecke zu verteidigen, die sonst eher nur in soziologischen Untersuchungen erscheinen und dem Normalbürger verborgen sind - und keiner will der Schule in ihr wahres Gesicht schauen. Das Bildnis von Dorian Gray nach 250 Jahren weltweiten Wütens ist einfach zu hässlich und widerwärtig.

III.) The Good
Wer kennt ihn nicht: Den Euro. Er bedeutet, dass wir Menschen nicht mehr an ein Land gebunden sind. Dass die Grenzen innerhalb Europas offen sind und zwar so offen, dass wir europäische Bürger mit europäischen Rechten sind. Und dass kein Staat nun eigentlich wissen kann, wo wir wohnen. Und auch kein Recht hat es zu wissen. Es gibt in Deutschland zwar eine Meldepflicht, aber in anderen Ländern nicht.
Zusätzlich kann man bei einer Abmeldung diese grundlos machen - man ist ein freier Mensch. Und auf das Verlangen der Behörde nach der Angabe eines neuen Wohnsitzes kann man dies verweigern - es geht die Behörde nichts an. Man kann aber auch der Einfachheit halber "Reisen" als Zweck angeben - dann spart man sich auch eine Menge Heckmeck mit dem Kindergeld.
Wenn man nicht lügen will kann man das ja an seinem Urlaub machen und dann wirklich 2 Wochen Couchsurfing machen.
Wie auch immer, wir sind freie Menschen. Die sich anmelden und abmelden dürfen, wie und wo und wie oft sie wollen. Der Rest hat sich damit erledigt.

Man sollte sich ansonsten so normal verhalten wie möglich und nicht Krieg mit den Nachbarn anfangen. Die Meldebehörde macht auch kein Rundschreiben an die Nachbarn, dass man nun abgemeldet ist und nicht mehr da sein darf. Wir haben keine Stasi hier. Es gibt auch keinen Polizisten, der ein halbes Jahr jeden Tag vorbeikommt und überprüft, ob man auch wirklich ausgezogen und weg ist. Oder klingelt, ob man Urlaub macht. Oder bei den Nachbarn fragt. Weder Hermes, noch DPD, noch die Post sprechen mit dem Einwohnermeldeamt, bevor sie Briefe ausliefern. Diese Angst vor "erwischt werden" ist uns jahrelang antrainiert worden - sie entspricht aber nicht der Realität. Es gibt Rechte und Privatsphäre - diese muss der Staat - jeder Staat akzeptieren. Und seit dem Schengen abkommen dürfen wir uns frei in der EU bewegen. Das darf man nie vergessen!

Was sage ich am Ende noch den Nachbarn - ohne zu lügen?

Geht ihr Kind schon in die Schule? Warum nicht? - Wir machen Homeschooling. (Definitiv!)
Geht das denn??? - Ja natürlich. (es geht ja offensichtlich und geschätzte 500 - 1000 Familien machen es schon)
Ich dachte es herrscht Schulpflicht???? - Die kann man auf verschiedene Weise erfüllen (schon mal was von Internet und Fernschule gehört Du ungebildeter Hampel).
Ich dachte es wäre in Deutschland verboten???? - Wieso das denn? (bist Du noch gebacken???)

Man sollte sich aber nicht abmelden wenn man ohnehin schon ein gesuchter Verbrecher ist - also:
Man regelmäßig zu schnell fährt und Tickets bekommt.
Man dauernd von allen verklagt wird.
Man seinem Vermieter viel Geld schuldet und der einen gerade rausklagen will.

Man kann sich aber selbst natürlich jederzeit anmelden.

4.) Noch eine Bemerkung, warum man auch nur seine Kinder abmelden kann:
Auch Kinder sind freie Menschen. Aber es gibt echte Szenarien in denen nur die Kinder abgemeldet werden:
Kinder die eine Austauschzeit machen
Ein Internat in einem anderen Land besuchen (da muss man das Kind aber eh nicht abmelden, sondern nur die Schulbescheinigung bringen)
Bei getrennten Eltern beim anderen Elternteil
Auf Reisen
Längere Zeit Oma und Opa besuchen

Doch im allgemeinen teilen Kinder den Aufenthaltsort eines Sorgeberechtigten

Meine sind seit 5 Jahren abgemeldet. Ich habe dem Mann bei der Kindergeldstelle aber gesagt, dass sie ihren Hauptaufenthalt in Deutschland haben und wir Homeschooling machen - dass ich aus diesem Grund die Kinder nicht in Deutschland anmelden kann, weil es sonst Probleme gibt. Er hat das sofort verstanden! Ebenso der Mann vom Jugendamt, der mal zu Besuch war.

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Ich will noch einen letzten Weg erklären:
The Expensive:

Wenn man nur wegen der vermeintlichen Schulpflicht aus Deutschland auswandern will, dann wählt man den teuersten und nervenaufreibendsten Weg von allen. Andere Länder haben auch Sitten. Die Wahrscheinlichkeit Großeltern zu sehen sinkt massiv. Die Wahrscheinlichkeit sich dort perfekt zu integrieren oder besser als hier angenommen zu werden ist gering.
Ein Umzug in eine andere Kultur belastet die Familienstruktur.
Und nun das stärkste Argument: Wenn man bereit ist auszuwandern, dann sollte man wenigstens den ersten Bußgeldbescheid abwarten und erst dann auswandern. Das genügt noch reichlich!
Außer natürlich, man möchte im Grunde seines Herzens die Welt kennen lernen. :)

Die freie Schule ist praktisch der "Most Expensive" Ansatz. Man zahlt hier pro Kind, pro Monat eine Strafgebühr, dass sie dann doch im goldenen Käfig sitzen. Denn raus dürfen sie nicht wie und wann sie wollen. Eine Gruppendynamik gibt es auch und der Staat drückt auch bei den freien Schulen von Jahr zu Jahr; und mit steigenden Schuljahren; und mit steigendem Alter der Schule mehr sein Ding durch.

Mittwoch, 25. Februar 2015

Ergebnisse von Unschooling - noch eine Studie

Ich will hier noch eine Studie vorstellen: Nämlich die von Peter Gray und Gina Riley. ( Teil IV )
Nachdem sie eine Befragung von Eltern durchgeführt haben, in denen die Eltern überwiegend euphorisch waren, wurde ein weitere Befragung durchgeführt:
Diese Mal erwachsene Unschooler und wie es ihnen geht im Leben.



Ich will nur ein paar sehr interessante Sachen herausstreichen:
-Die Gruppe der "Immer-Unschooler" findet überwiegend ihre Jobs in Kunst und Kultur (sogar signifikant gegenüber den anderen beiden Gruppen)
-Es gibt einen sehr überragenden Trend auch die eigenen Kinder "unschoolen" zu wollen
-Unschooler ergreifen später jede Art von Beruf (mit dem erwähnten Überhang bei Kunst und Kultur)
-ein sehr großer Teil war unternehmerisch tätig (Entrepreneurs) - in der "Immer-Unschooler"-Gruppe am höchsten (dieses Mal aber nicht signifikant)
-Ein hoher Prozentsatz ist in den MINT-Gebieten tätig (Mathematik, Ingenieurwesen, Naturwissenschaften, Technik). Bei Männern ein signifikant höherer Anteil als bei Frauen - der Unterschied in diesem kleinen Sample bildet interessanterweise das Verhalten der durchschnittlichen Bevölkerung in diesem Punkt nach.
-Finanzielle Unabhängigkeit wird oft in einem sehr frühen Alter erreicht.

Ich würde gerne über die Karrieren und Berufslaufbahnen der Unschooler schreiben, aber ich verweise lieber auf den Teil der Studie, der sie selbst zu Wort kommen lässt. Es sei nur so viel gesagt: vom Zirkus-Trapez-Artisten, der später selbst einen Zirkus mit einem Freund besitzt und dann Schiffskapitän von Ozeanriesen wird, bis zum Polymath, der praktisch alles macht was ihn interessiert.

Im Folgenden will ich auch die Meinungen der erwachsenen Unschooler zusammenfassen, die sich gegen ihr Unschooling aussprachen. In dem Sample waren 3 Personen, die sehr negativ gegenüber Unschooling waren.
Ich finde es sehr wichtig, dass wir uns mit diesen negativen Dingen auch beschäftigen und daraus lernen - insbesondere welche Erfahrungen man als Eltern seinen Kindern ersparen will.
Und auch die Rolle der Gemeinschaft ist hier gefragt - in Frankreich z.B. finde ich es sehr gut geregelt. Diese Regelung wirkt allen Kritikpunkten entgegen (so weit im Rahmen des Möglichen), jedoch bietet sie auch die Freiheit um alle pädagogischen Möglichkeiten auszuschöpfen (auch Radical Unschooling) - entgegen dem österreichischen Modell, das eine Reproduktion des Lehrplans verlangt.

Die Hauptkritikpunkte waren von 2 Unschoolern, deren Müttter depressiv waren oder zu einer extrem religiösen Gruppe konvertierten, und einer der anscheinend in einem wirklich kleinen Kaff aufwuchs, das mit starken sozialen Problemen kämpfte:

Unschooling bringt Probleme:

-wenn die Nachbarschaft schlecht ist (Drogen, Armut, Alkohol-Probleme)
Schulerfahrungen sind dann auch nicht besser. Auf der anderen Seite bringt Homeschooling gewisse finanzielle Einschnitte mit sich. Wenn diese Einschnitte bedeuten, dass man wirklich in eine schlechte Gegend ziehen muss, dann sollte man sich das überlegen, ob es nicht andere Lösungen gibt.

-wenn die Umgebung keine kulturellen Einrichtungen bietet ("middle of nowhere")
Dies deckt sich mit der statistischen Tatsache, dass Homeschooling am seltensten in kleinen Dörfern ist

-wenn Eltern selbst depressiv sind, oder Probleme haben mit der Außenwelt (z.B. soziale Welt) Kontakt aufzunehmen
Dies kann in sozialer Isolation münden und Kinder in einer sehr traurigen, einsamen Welt aufwachsen lassen. Auch sagt einer, dass durch die soziale Isolation mehr Missbrauch durch seine Eltern möglich war, als wenn er nicht so isoliert gewesen wäre.

-Lernerfahrung bei depressiven Eltern
Die eine Person mit der depressiven Mutter sagte auch, dass sie praktisch nichts gelernt hat. Sie muss sich seitdem als Kunstlehrerin (das sie studiert hat) durchschlagen.

-Die Meinung anderer Leute
Dadurch, dass Unschooling /Homeschooling noch relativ selten ist, ist man in permanenter Erklärungsnot. Oft gilt man auch als "weirdos" (engl: "Seltsamling")

-Einschränkung in den Inhalten
Wieder in dem depressiven Fall hat die religiöse Mutter praktisch nur Religion gelehrt.
Andere klagen darüber, dass sie sehr wenig Mathematik/Naturwissenschaften hatten (der Fokus liegt sehr oft auf Kunst und Musik) und insbesondere für ihr Studium oft "Remedial Math"-Kurse machen mussten.


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“My social life was not very good, mainly because of our location. It was a very small town with very typical middle-of-nowhere problems. Drinking, drugs, poverty and the like. I realise in retrospect that most of the children who were my neighbours had grown up in a bad situation and didn't know any better, but I didn't understand that at the time and I was miserable. By the time I was a teenager and we had moved to a new province, I found that I just couldn't break into the social groups of the local homeschooling community and, in the end, I wasn't really interested in doing so. My family did things differently, even from an unschooling standpoint, and social experiences usually have an element of culture shock for both parties.”
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 “I actively disagree with unschooling because I believe that it is a very easy way for unwell parents to bring their children up without those parents needing to actively participate/integrate into society…. Because of my mother's poor mental health she found it difficult making friends and generally disliked attending social events, etc. I think this was the main reason she decided to unschool us.”  This person went on to say that she felt incredibly isolated socially and didn’t study anything during her unschooling years.  She went on to higher education in fine arts, and a job as an art teacher, not because she was interested in art or enjoys teaching, but because she didn’t feel qualified for anything else.  In response to our question about the disadvantages of unschooling, for her, she wrote: “My experience of unschooling was negative in every way. I have been bullied as an adult for being 'weird' and for working in low status, low paid jobs. I have also had difficulty finding long-term boyfriends, as although I'm an attractive and intelligent person, there aren't many people who actively want to date people who have huge chips on their shoulders about the way they were brought up (without formal education).”
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The second respondent, a 35-year-old woman, was Christian homeschooled through third grade and then was unschooled, not because of a deliberate decision, but because of her mother’s psychological and physical disabilities and consequent inability to manage homeschooling.  This person also wrote that her mother kept her out of school “to be able to control the kinds of information we were exposed to, including sex education, science, or health, as well as control the kinds of people we interacted with.”  She, like the other two, was never presented with a choice about her schooling.  She felt deprived of school, not privileged to avoid it.  As an adult she has worked mostly at temporary jobs such as cleaning or house painting, but, at the time of the survey, was enrolled in a bachelor’s program in industrial design. In response to our question about the disadvantages of unschooling, she wrote: “Disadvantages would be not having the groundwork of basic knowledge and social skills! I am also uncomfortable with most people and prefer to be alone, which may be from my experience growing up alone and unsupervised, but also might just be my nature, I don't know. As a kid the main thing was knowing that I was not fitting in anywhere, always being the "weirdos" in the neighborhood, always missing rites of passage and being alone too often. It was a very lonely and isolated life, rather oppressive given the strict religious upbringing. I also feel now that I learned more about religion than I did things that would be of any use to me later in life.”
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The third respondent, a 29-year-old Ph.D. candidate studying archaeology, wrote that her mother wanted her to have a Christian education, but pulled her out of a Baptist academy in fourth grade because of the mother’s conflicts with the staff.  The mother intended to homeschool her, using a Christian curriculum, but failed to follow through because of her own psychological depression.  In this respondent’s words, “Her personal struggles with depression, which led to her inability to function in running a house and supervising my homeschooling activities, was the reason for the switch to unschooling.”  She wrote further: “In my opinion, I was ‘unschooled’ simply because my mother could not tolerate the anxiety of having me in public or private school -- where other non-Christian people could ‘negatively influence’ me. She needed me at home to do chores and take care of her, because she was a non-functional depressed person. She preferred me to have a socially isolated existence from age 9 to 18 than risk a secular education. My father clearly did not want me homeschooled or unschooled, but he never did anything about it and let my mother do as she pleased.”  Concerning her social life, she wrote: “My ‘social’ experiences as an unschooler were restricted to interactions with my parents, my brother, occasionally more distant family members, and going to the grocery store or doctor when I was sick.”
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This person was not entirely negative about her unschooling.  In response to our question about advantages, she wrote:  “As an adult looking back, I think being in school while dealing with my dysfunctional and abusive parents at home probably would have led me to make some poor social decisions that could have had long-lasting impacts. So, as painful and traumatic as being kept at home in an isolated manner was, I feel it was preferable to the other options. I had a lot of time to myself to think about things. I developed my own secret meditation practice. These habits of self-sufficiency and self-reflectiveness helped me transition toward adulthood, particularly in cutting loose from my mother's controlling grasp.”  She also wrote, in response to an earlier question, “I was also a self-driven learner as an unschooler, and much of my employment now requires self-driven education—whether for my dissertation research or for the development of my teaching pedagogy.”
In response to our question about disadvantages of unschooling, she wrote, in part: “As an adult looking back, the main disadvantage was that the social isolation allowed my parents to get away with more abuse and neglect than they otherwise would have. I suffered severe abuse and neglect during the time I was unschooled. Lacking a formal education did chip away at my self-confidence as I transitioned toward adulthood. I carried a nagging sense of unworthiness for quite a while; I still feel permanently damaged in some way, like I am a freak who was kept in a cage and not educated formally. As I prepared to begin formal college education, my unschooling experience hindered me by having failed to provide standard levels of math and science knowledge. I had to tutor myself to pass the GED. I had to tutor myself remedial math and science skills to keep up in introductory-level college courses.”
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It is worth adding that the only other respondent, in the whole sample, who commented on the role of religion in her upbringing was also very negative about the fundamentalist influence. Her parents became extreme Christian fundamentalists when she was 15.  She wrote, “At that time, my role shifted to full-time caretaker for my younger siblings. I was expected to get married and have lots of children rather than having any type of career, so further education was viewed as superfluous in that subculture. … After my parents became involved with the fundamentalists, we were cut off almost completely from interaction with others outside the tight-knit religious setting. Interactions were mostly centered around child-care, chores and religious meetings with no free time to simply socialize.”  This person, nevertheless, went on to become a very successful writer and noted that she will unschool her own daughter.  She is not against unschooling, but strongly against the social and intellectual isolation that occurred in her home when her parents converted.

Montag, 23. Februar 2015

Dyslexie verstehen

Nami hat vor ein paar Wochen zu einem weiteren Lesen Power-Training zugestimmt und dieses haben wir mittlerweile fertig.
Ihre Lesefertigkeit hat sie von ca. 160-170 Zeichen pro Minute auf 210-230 gesteigert. Das ist ein immenser Fortschritt. Sie hat also ihre Lesestärke seit August von 60 Zeichen pro Minute knapp 2 Mal verdoppelt!
Mich freut das total. Nach ihren eigenen Aussagen fällt es ihr mittlerweile leichter.

Je mehr ich sehe wie sie liest und darüber lerne was Dyslexie ist, desto interessantere Seiten finde ich.
Eine total interessante Seite finde ich diese hier. Dort wird ein Text dargestellt, so wie ihn Dyslexier sehen - und als ich ausprobiert habe ihn zu lesen, habe ich genauso geklungen wie Nami!
Ich kopier den Text mal hier rein:
We pegin our qrib eq a faziliar blace, a poqy like yours enq zine.
Iq conqains a hunqraq qrillion calls qheq work qogaqhys py qasign.
Enq wiqhin each one of qhese zany calls, each one qheq hes QNA,
Qhe QNA coqe is axecqly qhe saze, a zess-broquceq rasuze.
So qhe coqe in each call is iqanqical, a razarkaple puq veliq claiz.
Qhis zeans qheq qhe calls are nearly alike, puq noq axecqly qhe saze.
Qake, for insqence, qhe calls of qhe inqasqines; qheq qhey're viqal is cysqainly blain.
Now qhink apouq qhe way you woulq qhink if qhose calls wyse qhe calls in your prain.

Das war Augen öffnend. Ich musste fast weinen, weil ich so stark mit ihr gefühlt habe wie schwer es für sie fallen muss.
Wenn sie so den Text sieht, dann ist es kein Wunder!

Als nächstes hier der Link zum Pinterest-Board von Homeschooling-Dyslexia reingeben.

Auch Sandra Dodd hat eine Seite in der sie über ihre Erfahrung mit Dyslexie schreibt. Sehr heftig - Schule scheint einer der schlechtesten Plätze zu sein an der man dieses Symptom zeigen kann.
Wenn ich mir schon meine ungeduldigen Reaktionen vor Augen führe - und ich zeige eigentlich sehr viel Geduld und bin ihr liebender und unterstützender Vater. Aber wenn jemand 10-mal bei einfachsten Wörtern stockt, dann sieht es aus wie Arbeitsverweigerung. Und wenn er dann um jede Zeile feilscht und sofort spielen will, dann sieht das noch heftiger nach Arbeitsverweigerung aus - bis zu dem Moment an dem man kapiert, wie schwer so eine Zeile ist und dass sich das Gehirn in diesem Spiel erholen will. Und zwar so ähnlich wie man sich nach einem Marathon-Lauf ausruhen will.
Hier ist auch ein wundervolles Video, dass die Situation für Dyslexier in einem Klassenzimmer-Setting zeigt - und warum ich so dankbar bin, dass Nami nicht dort war.


Ich höre oft, dass Unschooling Vertrauen in das Lernen des Kindes ist. Und ich bin da auch voll dabei. Aber für mich ist es irgendwie als ob ich der Höhlenbewohner in Platons Höhlengleichnis wäre. Vertrauen ist für mich die Sonne. Ich sehe nur die Schatten an der Höhlenwand, die sie wirft.
Die Erkenntnis wie fleißig Nami eigentlich ist, was für eine intellektuelle Anstrengung sie auf sich genommen hat, das gibt mir einen heftigen Eindruck von dem wie dieses Licht der Sonne sein muss - und wie die Gegenstände außerhalb meiner Höhle. Aber ich bin dennoch noch gefesselt mit Blick an die Wand.

Ich merke bei Sanji, wie stark ich loslassen kann. Wie sehr ich vertrauen kann und ich merke auch bei den größeren Beiden, wie sehr sie bemüht sind Dinge zu lernen. Ich weiß nicht woran es liegt, dass genau Sanji (der die freieste Erziehung von allen 3en kriegt) so ohne Mühe Dinge versteht - ob es die freiere Erziehung ist, oder ob er einfach super-schlau ist, oder ob ich einfach sensibler geworden bin für die ganzen kleinen Lernschritte, die ein Kind macht.

Nun ja, am Ende geht es darum die Zeit mit den Kindern zu genießen - und auch solche frustrierenden Lernereignisse in Spiele zu verwandeln. Lesen ist halt nun ein Knobelspiel für Nami. Mit einem immens hohen Einsatz an kognitiver Leistung.

Wir haben den 2-Wochen Power Training-Sprint jetzt erst mal erfolgreich beendet. Mit Kuchen und nächste Woche backen wir auch noch einen. Kuchen backen ist nämlich meine Schwäche und da kann Nami mir mal zeigen, wie gut sie Sachen kann und dass Lesen nur ein kleiner Teil der Welt ist - den sie eh nicht nötig hat :)

Hier noch eine Seite um zu testen, ob Dein Kind Dyslexie hat.

Zusätzlich noch die Seite von Learning Ally (die lesen den ganzen Stoff vor und haben Software, die beim Lesen unterstützt)

Eine interessante Sache ist auch - für mich persönlich, dass es für verschiedene Alphabete verschiedene Teile im Gehirn gibt. So ist das Kanji (chinesische Zeichen) woanders abgespeichert als unser römisches Alphabet. Dies wird in dem Buch "Proust and the Squid" erläutert, wo ein bilingualer Mann der diese beiden Alphabete kann nach einem Schlaganfall auf einmal nur noch Kanji kann.

Und noch ganz, ganz interessant ist das Yale Center for Dyslexia and Creativity (ja - Yale University - eine der 8 Ivory League Universities).

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Zu guter Letzt: Das Gehirn ist ein Muskel. Dyslexie kann "besiegt" werden durch regelmäßiges Training - ohne Druck - spielerisch, in Respekt für die große Leistung, die der Betroffene erbringt.

Menschen mit Dyslexie können immer noch studieren, Nobelpreise gewinnen, all ihre Träume verfolgen. Sie müssen nur wissen, dass sie Dyslexie haben und dass sie halt für dieses Skill Alternativen finden können - anstatt sich davon definieren zu lassen.


Sonntag, 22. Februar 2015

Unschooling - Homeschooling - Freilernen - Radical Unschooling - Hackschooling - Worldschooling - XYZSchooling

Wenn man neu beim Schulfreien Lernen ankommt, dann wird man nach einer kurzen Pause (in der man erst mal sacken lassen muss, dass Schule doch nicht die beste Idee ist, sondern vielleicht sogar eher eine sehr Schlechte) von vielen neuen Begriffen überwältigt.
Nein! Erschlagen!
Man fühlt sich sehr orientierungslos, da alles was man bisher für richtig hielt (Schule gut, Mehr Schule besser) auf einmal falsch ist (Schule schlecht, mehr Schule Katastrophe).

Zeugnisse - bäh. Bestrafen - bäh. Motivieren - bäh. Belohnen - bäh. In gutes und schlechtes Wissen unterteilen - bäh. Allgemeinwissen - bäh. Noten - bäh. Stundenplan - bäh. Hausaufgaben - bäh. Früh aufstehen - bäh (naja, da hatte manch einer schon so ein Vorgefühl :) ). Melden - bäh. Erwachsene sind die Bestimmer - bäh. Einen Job mit so viel Prestige wie möglich und so viel Geld verdienen wie möglich - halbbäh. Diszipliniert werden - bäh.
Und die Liste lässt sich noch endlos weiterführen.

Man fragt sich dann: Was stimmt jetzt eigentlich noch? Und was nicht? Wer bin ich? Was hätte alles aus mir werden können, wenn ich mich einfach hätte entwickeln können? Wenn mich die Schule nicht verbogen hätte? Wie eine Aluminiumfolie, die um irgendeine Arbeit rumgewickelt wird, die in unserer Gesellschaft gerade verrichtet werden soll?

Man versteht auf einmal den kompletten Text des Liedes "Logical Song" von Supertramp und schließt mit der Frage: "Won't you please, please tell me who I am!".

Es ist eigentlich wie bei dem Eintritt in einer Sekte (habe ich mal irgendwo gelesen). Zumal die Reaktion des Umfeldes auch ähnlich ist: "Was Homeschooler? Aber, aber... bist Du jenseits von Gut und Böse???" (ratlose Gesichter). Man hat auch nicht wirklich Leute, mit denen man sprechen kann und seine Erfahrungen austauschen kann: "Also mein Kind hat jetzt 620 Kapitel One Piece gelesen und sich 5 Piratenschwerter gebaut... muss ich mir Sorgen machen???"

Um nun einen ersten Halt für alle, die gerade in diesem Dschungel angekommen sind zu geben. Ihnen sozusagen eine kleine Machete und einen Kompass in die Hand zu drücken will ich nun die wichtigsten Begriffe *korrekt* erklären. Egal was irgendjemand anders behauptet, die nun folgende Erklärung ist vom internationalen Zentralrat des Non-Schooling in Den Haag abgesegnet worden und wird nun mit der Welt geteilt:

1.) Home-Schooling: Du hast Dich also entschlossen Deine Kinder nicht zur Schule zu schicken. Wahrscheinlich ist das ein großer Schritt und viele fangen nun an, die Schule zu Hause nachzubauen. Schulbücher, Schreibtische, vielleicht sogar eine kleine Glocke, eine kleine Tafel, Kreide und manche geben ihren Kindern sogar Noten. Willkommen in der Welt des Home-Schooling. Du versuchst nun wahrscheinlich Deinen Kindern den normalen Lehrplan besser beizubringen und kannst mehr auf ihre Fragen eingehen. Die gute Nachricht: Deine Kinder werden laut Forschung durch den besseren Schlüssel alleine schon einen Vorteil haben gegenüber einem Schulsetting.

2.) a) Unschooling: Manche Sachen in der Schule erschienen Dir fragwürdig... nunja... schwachsinnig. Total hirnverbrannte Erfindungen von kranken Köpfen, die nur dazu da waren Dich und Deine Mitschüler zu quälen - z.B. Mathe. Du willst natürlich diese Sachen nicht an Deine Kinder 1:1 weitergeben. Also lässt Du sie weg. Du lässt *schulische* Dinge weg: Un-Schooling. Das kann das Zeugnis sein, das können die Noten sein, das kann die komische Evolution sein, oder Du findest Evolution extra-klasse und wünschtest Du hättest sie damals richtig erklärt bekommen (denn laut einer Aussage verstehen die wenigsten Lehrer Evolution, sondern sind eher Lamarckisten).
Wo auch immer Du von der Schule abweichst: Unschoolst Du.

/Legacy of John Holt - ca. Minute 5 + ca. Minute 47


2.) b) Der Begriff Unschooling bezeichnet am gebräuchlichsten eine Form des Home-Schooling, bei der zumindest kein Lehrplan, keine Noten und keine Tests stattfinden. Es ist ein Interessen-getriebenes LOD (Learning On Demand).
Ein paar gute Bücher:
Aus schlauen Kindern werden Schüler. Von dem, was in der Schule verlernt wird - John Holt
Wie Kinder lernen - John Holt
Free to Learn - Pam Laricchia

3.) a) Deschooling: Wie kamst Du eigentlich darauf, dass dies oder das in der Schule doof ist? Vielleicht hast Du jeden Tag Angst gehabt in Mathe zu sitzen und hast Dich stundenlang mit den Hausaufgaben gequält .... im echten Leben hast Du dann nie wieder Mathe gebraucht und fragst Dich seitdem warum Du das durchmachen musstest? Vielleicht wurdest Du auch in Deiner Klasse gemobbt und hattest eine Zeit lang nach der Schule sogar noch Angst vor Menschen ... im echten Leben hast Du gemerkt, dass die meisten Menschen nett sind. Kein Mensch versucht Dich den ganzen Tag als den letzten Dreck hinzustellen, und wenn es doch solche Bullies mit gestörtem Verhältnis zur Gewalt irgendwo gibt, dann kann man ganz einfach den Raum wechseln. Aber wieder stellt sich die Frage, warum man jahrelang mit diesen Menschen eingesperrt war - als Kind, als man sich am wenigsten wehren konnte.
Diesen Prozess des Infrage-Stellens nennt man Deschooling. Man hinterfragt seine Erfahrungen, die man in der Schule gemacht hat und die damals als gottgegeben dargestellt wurden. Dies kann schmerzhaft sein. Da man vergewaltigt wurde, ohne es zu wissen und im festen Glauben dazu erzogen wurde, dass dies gut und wichtig für die Entwicklung sei.
Deschooling Society - Ivan Illich

3.) b) Deschooling: Deschooling nennt man auch den Prozeß des Befreiens bei Kindern, die in der Schule waren oder ein ähnlich kompetitives, gezwunges Lernsetting hatten. Oft werden Kinder die starke Schulprobleme hatte und deren Eltern dann eine "kognitive Wende" (eine sehr schnelle und rasche Transition vom Schooling zu Unschooling machen) machten so beschrieben, dass sie sich komplett gehen lassen. Nichts mehr machen wollen außer Junk-Food und Fernsehen. Und man soll dies zulassen. Nach einiger Zeit (im Raum stehen oft 2 Wochen bis 2 Monate pro angefangenem Schuljahr) kehren die Kinder dann zu den natürlichen Bedürfnissen und menschlichen Verhaltensweisen zurück. Also Selbst-Effektivität, Intrinsische Motivation, natürliche Neugier, etc.
Da das nach 6 Jahren Schule schon 1 ganzes Jahr sich selbst gehen lassen sein kann, bin ich kein Freund von diesem Ansatz. Ich bin eher Vertreter einer langsamen Transition von fremdbestimmt in selbstbestimmt. Jemand der dann selbstbestimmt ist wird dann selbst entscheiden können, ob er jetzt wirklich ein Jahr Fernsehen will und Junk-Food haben will.

4.) Radical Unschooling: Nehmen wir an, Du hast nun *ALLES* hinterfragt. Und hast gesagt: Ja, ich finde alles wirklich bäh, was da in der Schule veranstaltet wurde. Jetzt hast Du in einem jahrelangen Prozess alles über Bord geworfen und fühlst Dich komplett Gewalt- und Wertungsfrei, keine Zeugnisse, keine Stundenpläne. Spielen an der Wii und der Playstation zählt genauso als Lernerfahrung wie das Studieren von Nuklearphysik und das Entwickeln mathematischer Modelle zur Krebsbekämpfung. Anschauen von Twilight und The Walking Death zählt genauso viel wie in einem Flashmob gegen Tierversuche mitzumachen.
Das ist sozusagen der Zen-Himmel der Erziehung. Da Du nicht mehr wertest kann nichts zwischen Dir und der Beziehung zu Deinen Kindern stehen. Du erwartest nicht mehr, dass sie etwas "sinnvolles" (in Deinen Augen) machen, da sie ja ihren Sinn erst selber finden müssen. Das bedeutet sich "The Walking Death" anzusehen, kann auch zu irgendwas führen - Du weißt es nur nicht, weil es ihr Leben und ihre Bildung und ihre Ziele und ihre Träume und ihre Welt ist. Du akzeptierst aber Deine Kinder als gleichberechtigte Menschen, die ihren Weg finden.
Wenn Du irgendwann denkst Du bist ein "Radical Unschooler" dann warte ab: Es gibt immer noch einen der so dermaßen mehr "radical" ist, dass Du dagegen wie ein konservativer Spießer aussiehst, der den ganzen Tag nichts macht außer Erbsen zu zählen.
Radical Unschooling - oder sogar der "radicalste" zu sein - ist kein Wettkampf. Es ist auch nicht die Königsdisziplin! Es ist einfach eine Wahl, die jemand für sich trifft oder nicht. Es ist ein Weg, den man geht oder nicht.
Auch wenn man in manche Mailing-Listen stolpern kann (z.B. die von Dayna Martin - der Frau, die den Begriff "radical unschooling" stark geprägt hat) in denen alles andere als "falsch" oder "nicht-unschooling"-mäßig proklamiert wird, so hilft es doch "Unschooling" nicht als Religion mit nur einem Gott zu verstehen.
Und egal, wie viele Dinge Du von der Schule loslässt - Du gehst einen Weg. Das ist schon etwas! Schon allein den Kindern die Wahl zu geben, ob sie in die Schule wollen oder nicht ist ein immens großer Schritt für den Dich die prüfenden Blicke unserer Gesellschaft schon genug strafen werden.
Gehe nur die Schritte mit denen Du Dich gut fühlst, die Dir einfach fallen. Es geht nicht darum ein perfekter Radical Unschooler zu sein - es geht darum die eigenen Ziele der Menschen in Deiner Familie zu finden und zu leben.

5.) Freilernen
Ist der deutsche Über-Begriff von fast allen dieser Dinge. Er ist noch recht diffus und ich habe auch schon Eltern von Kindern an "freien Schulen" sich als Freilerner bezeichnen hören. Oft wird da der Fokus auf die intrinsische Motivation und den inneren Lehrplan der Kinder gelegt.
Man geht hier also davon aus, dass Menschen in sich bestimmte Interessen tragen, die auf ihre Entfaltung warten (hier mischt es sich also mit Unschooling). Man geht davon aus, dass diese Entfaltung in freudvoller und mit praktisch unaufhaltsamer Energie vonstatten geht.
Ein gutes Buch hierüber ist: Olivier Keller - denn mein Leben ist Lernen
Als Beispiel gilt hier Andre Stern, der irgendwann angefangen hat den ganzen Tag die Sprache Deutsch zu lernen und das bis zu 8 Stunden - oder sich Gitarrenbau aneignete, sich dann einen Meister suchte und den überredete ihn auszubilden. Respekt.

6.) Hackschooling
In einem berühmten Ted-Talk (das ist eine Serie von Vorträgen in denen Menschen Gehör finden, die irgendwas Interessantes gemacht, entdeckt, etc. haben) gibt Logan LaPlante (Home- und Unschooler) uns zu verstehen, dass man seine Bildung hacken soll. Dass man wirklich verstehen wollen soll (hacking), in welche Richtung man sich bilden will und sich dann die besten und lebensnahesten Ressourcen beschaffen soll. Das geht von Praktika in den Gebieten, aber auch Gehirnforschung, wie das Lernen an sich funktioniert. Er wirbt für eine Bildung, deren Grenzen nur noch die eigene Vorstellungskraft sind. Er definiert hier seinen eigenen Weg, seine eigene Form von "Unschooling" und gibt ihr einen Namen: Hackschooling.
Von Unschooling, Radical Unschooling, Worldschooling, Homeschooling, normales Schuling, etc. holt er sich dann nur noch Impulse. Sie gelten als seine Ideengeber - nicht als seine Dogmen. Das ist ein elementarer Bestandteil seine Bildung zu befreien.

7.) Worldschooling
Das sind Home-/Unschooler, die ihren Fokus auf Reisen haben. Sie sagen nicht den guten mittelalterlichen Spruch: My home is my castle - sondern sie sagen: Home is, where my family is.
Sie sehen die Welt, die normale Schüler aus Büchern und Ferien kennen. Oft verlassen Eltern den regulären "Wir-Büro, Du-Schule"-Weg und scheren aus in diese komplett neue Art des Lebens. Sie ähnelt etwas der Bildung des Adels und der Herrscher in Renaissance und Aufklärung. Durch Internet, Couch-Surfing, Worldschooling-Communities und umgebaute Wohnbusse ist dieses Leben heutzutage sehr viel leichter für sehr viel mehr Menschen möglich. Und man genießt die Zeit mit seinen Kindern wahrscheinlich zu einem Ausmaß, das weit hinter unseren Vorstellungen liegt. Und es wird auf jeden Fall zu der einen Entscheidung gehören, die man nicht auf seinem Sterbebett bereut.

8.) XZYSchooling
Nach diesem kurzen Abriß möchte ich (und der Zentralrat des Non-Schooling) nun empfehlen, dass jeder seinen Weg findet.
Und möchte mit Sandra Dodds schönem Satz schließen: "Lies ein bisschen, probier ein bisschen etwas neues aus, warte ein bisschen und beobachte" (Read a little, try a little, wait a little and watch).
Es ist eine wunderbare neue Welt - setz Dich nicht unter Druck. Du brauchst auch niemanden zu überzeugen (besorgte Großeltern). Die radikalste Kritik an einem bestehenden System ist es etwas anderes zu machen - und das machst Du. :)

PS: Es gibt keinen Zentralrat des Non-Schooling in Den Haag - noch an einem anderen Platz der Welt. Es gibt keinen Non-Schooling Kultusminister und auch sonst keine Autorität. Finde Deinen Weg und sieh alle anderen nur als gleichwertige Berater, deren Meinung so viel zählt wie Dein Gefühl oder Deine Meinung - oder die Meinung Deiner Mutter.

Ich hoffe der Artikel hilft Neuankömmlingen :)

Dienstag, 3. Februar 2015

Eigene Projekte - Planung, Kosten, Zeit

Nachdem Chopper nun ein paar Bücher über Physik durchgelesen hat; wir eine Menge Experimente gemacht haben und er alles wieder vergessen hat :) (nicht alles, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass er nur so darüber hinweg liest) - fangen wir nun endlich an, dass er selber Projekte macht.

Ich gebe ihm also eine Aufgabe und er darf alle Ressourcen, die er will/findet benutzen. Er meinte, er nimmt nur Youtube.

Aktuelle Aufgabe: Elektromotor bauen.
Er muss alles selber machen:
+ Anleitung finden, verstehen
+ Budget planen (10 € ) (das bedeutet auch Alternativen finden, z.B. bekommt man Kupferdraht nur in großen Rollen, oder Büroklammern nur in Packungen (man braucht in seiner aktuellen Anleitung 2 davon))
+ Einkaufen
+ Bauen
+ Zeitrahmen einhalten (5 Tage)

Dies sind alles enorm wichtige Fähigkeiten, die er überall in der echten Welt braucht.
Ich bin schon gespannt, was daraus wird. Ich halte mich so weit es geht heraus.


Donnerstag, 22. Januar 2015

Steigende Selbstverantwortung

Chopper (10) hat mittlerweile angefangen das Lernen zu verinnerlichen.
Er fängt in der Früh mit franz. Horn an und dann spielt er so lange es sich gut anfühlt für ihn (heute war es das erste Mal eine ganze halbe Stunde).
Danach stellt er sich die Uhr auf 30 min und spielt dann mit den anderen Kindern etwas. Oder liest. Danach kommt das nächste Skill-Training. Dann wieder 30 Minuten Entspannung. Etc.
Er hat das ganz von selbst angefangen und praktiziert das nun schon den dritten Tag.

Es fühlt sich an, als ob er jetzt sein Leben selbst in die Hand nimmt, anstatt darauf zu warten, dass er das nächste Signal von mir bekommt, dass irgendein Kurs ist oder Skill-Training, etc.

Wow :) Unschooling rocks :)

Montag, 12. Januar 2015

Erschaffen - nicht kaufen

Unsere Gesellschaft strotzt vor kaufbaren Lösungen für alles:
Du willst eine neue Sprache lernen? Sprachkurse - online, offline, Gurus mit Workshops und Seminaren, Bücher, Websites, Busuu, wie sie alle heißen.
Du willst irgendwas Triviales nähen? Schreib Dich bei einem Kurs bei der VHS ein.
Du willst Roboter-Programmierung lernen? Kauf Dir einen Nano oder ein Mindstorms-Set.
Du willst ein Instrument lernen? Los geht's zum Shopping: Auf der Liste stehen: Instrument, Kurs, Buch, ...
Nanotechnologie, Chemie, Tiermedizin? Selbst an die Uni brauchst Du eine Eintrittskarte, die Du am Eingang lösen musst. Das Abi, gekauft durch endlose Schufterei von Aufgaben, die nichts mit der eigentlichen Sache zu tun haben - oder nur entfernt, oder nur irgendwie...
Und was man alles ausgibt, Geld, Zeit,...

Die ganze Zeit kauft man sich Symbole und das Gefühl dem Ziel näher zu kommen. Allein schon im Buchladen den richtigen Sprachkurs gefunden zu haben gibt praktisch die ganze Befriedigung des Lernens.

Aber wie schnell ist der Sprachkurs nicht mehr "neu" und man sucht schon den nächsten und die nächste Hoffnung, dass er einen ans Ziel bringt. Oder wie schnell ist das Stifte-Set und die Staffelei in der Ecke, neben der Gitarre und dem Paintbrush-Set?

Wir erreichen das Ziel aber auch nicht mit dem nächsten Kauf. Wir stellen uns nur wieder an die Startlinien. Kaufen uns das nächste paar Turnschuhe mit der Runtastic-App für Motivation und formulieren unsere Neujahrsvorsätze. Schreiben uns bei Weight-Watchers ein und kauen Diät-Kochbücher.

Und wieder stehen wir an der Startlinie. Die wir nur für ein paar Tage, einen kurzen Sprint verlassen und dann am Alltag zerschellen. Das wenige Leben, das uns die Arbeitswoche übrig lässt, genügt um neue Vorsätze zu schließen und Symbole zu kaufen, die uns kurz befriedigen - uns sagen: Das Ziel ist erreichbar.

Der grundlegende Gedanke ist: Wir schaffen eine persönliche Entwicklung nicht alleine.
Wir können nicht anfangen Bücher über Tiere und ihre Anatomie zu lesen, dann auf einem Tierbauernhof zu helfen und immer tiefer einsinken. Wir sollen: Abitur, Studium, blablabla

Ich sehe mittlerweile, wie meine Kinder ihr Spielzeug selbst herstellen, wie sie ihre Brettspiele selber aus Papier ausschneiden. Würfel dazu basteln.

Und dann fängt man an die Welt anders zu sehen: Man geht auf Youtube und lernt Singen bei Kursen und singt selber - anstatt sich irgendwelche Lieder zu kaufen. Und man merkt: Eine gesummte falsche Tonleiter fühlt sich sehr schön an. Man benötigt gar nicht das neueste Lied vom größten Sängertrio um Musik zu genießen.

Man geht auf Youtube und dann kauft man sich einen Elektromotor, den man an einem Dreirad fest bindet und schon hat man sein kleines Elektroauto gebaut.

Was kommt als nächstes? Wir können so vieles selber machen. Natürlich bauen wir nicht am ersten Tag einen Lamborghini, wir singen nicht am ersten Tag eine Coloratur. Aber wir fangen am ersten Tag an zu wachsen und müssen uns nur so lange wie möglich fernhalten Dinge zu kaufen. Bücher, Kurse, Workshops, Software. Das nötigste um zu beginnen finden wir im Internet umsonst, oder zur Not in Büchereien. Oder wir setzen uns wirklich in die Buchhandlung und lesen dort.

Aber wir kaufen nichts - bis wir sicher sind, dass wir schon "machen". Dass wir schon rennen. Wenn wir die ersten Turnschuhe erstehen, dann sind wir schon so weit von der Startlinie, dass wir uns gar nicht mehr dran erinnern.

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Choppers neuestes Werk

Chopper hat nach langer Arbeit nun endlich sein 1.80 Katana fertig.  Es war viel hobeln,  sägen,  feilen. Es ist 2 mal gewachst und das Holz vom Schwert selber sieht echt schön aus und fühlt sich toll an.

Sonntag, 23. November 2014

Aushalten und erfolgreicher Abschluss eines Skills

Nami beim "Ich will nicht lesen lernen", "Kein Interesse", etc. zu beobachten ist eine echte Herausforderung an die Geduld - der ich nun mit viel Vorlesen begegne. Und mit Mahjong und den schon genannten Spielen. Kopf hoch... vielleicht sollte ich mir wirklich selbst ein Ziel setzen und mindestens 10-20 Kinderbücher vorlesen, bis ich es wieder aufs Tablett bringen und sie bis dahin einfach "passiv" lesen lassen.

Chopper hat heute sein Skill-Training "10-Finger-System" beendet. Nach 4 Monaten war es wirklich an der Zeit. Er tippt jetzt ca. 140 Zeichen pro Minute und das ist heftig, wenn ich an die Anfänge zurückdenke, bei denen er gerade mal ca. 10 in der Minute hatte und einen Heulkrampf. Er ist dann gleich losgelaufen und hat es auf der Skill-Liste abgehakt.

Auf der sich immer mehr füllenden Skill-Liste hat er sich heute "Programmieren lernen mit Khan Academy" ausgesucht. Es war ein ganz schöner Unterschied zu 10-Finger-System. Er hat am Anfang noch gefragt, wie viel er machen soll und dann nach den ersten Minuten hat man nur noch jubilieren gehört. Ich denke 10-Finger-System hilft ihm massiv beim programmieren. Er kann sich jetzt auf das Programm konzentrieren und hatte richtig gute Ergebnisse. Und Khan Academy hat wirklich schöne Übungen, die besonders den Einstieg ins Programmieren erleichtern.

In der Küche beim Abendessen hat er mich dann gefragt, warum ich will, dass er so viel lernt und warum ich mir so viel Mühe gebe. Das war eine Frage, die mich wirklich überrascht hat. Insbesondere weil so ein dankbarer Ton darin lag, dass mir fast die Tränen kamen. Meine Mutter sagte noch immer - weil der Opa das auch sagte: Undank ist der Welten Lohn - und insbesondere bei Kindern. Nachvollziehen kann ich das bei Chopper nicht. Er ist wirklich dankbar und er sieht seine Erfolge.

Kinder lernen in Sprints - so schreibt John Holt. Ja, und ein 3 Monatssprint scheint bei einem 10 jährigen genau richtig zu sein.

Ich will nochmal betonen, dass Chopper sich auch nochmal 10-Finger-System aussuchen hätte können. Ein Skill-Sprint ist zwar vorbei, aber wenn er es noch höher, weiter, besser hätte sein wollen, so hätte man das wieder aufnehmen können und neue Ziele beschließen.

Jetzt weiß ich nicht, ob ich das morgen mit den Kindern feiern will oder nicht.... Hmmm... Ich fühle mich danach.

Freitag, 21. November 2014

Nami - Lesen (Update)

Nami hat wirklich Probleme beim Lesen. Sie liest sehr langsam (in meinen Augen) und es macht ihr auch keinen Spaß.
Ich habe jetzt eine Zeit mit ihr einfach ganz viel gelesen. Wir waren teilweise 3 Stunden am Tag damit beschäftigt. Für 10 Seiten in Sternenschweif (eine Serie über Pferde, die sich in Einhörner verwandeln, wenn man Mondblumen.... ihr versteht was ich meine) hat sie ewig gebraucht.

Dann ist sie immer besser geworden und irgendwann haben wir dann 26 Seiten in 2 Stunden 15 Minuten geschafft. Sie war erst wirklich stolz darauf und hat angefangen in der Bibliothek selbst Bücher durchzulesen. Aber einige Zeit später - als sie einen großartigen Weg zu entkommen gefunden hatte - hat sie dann wirklich gar nicht mehr gewollt.

Ich denke es ist auch nicht gut so viel Druck aufzubauen, also habe ich ganz schweren Herzens erstmal abgelassen. Schweren Herzens, weil sie am Anfang tausendmal gewechselt hat und keine Methode wirklich länger als eine Woche durchgehalten hat. Und wir haben nun schon 20 Methoden durch und verschiedene Fibeln und weiß nicht was.

Also versuche ich jetzt - im Nachlassen - einen Schritt zurück zu gehen. Noch einmal ganz leichte Sachen zu suchen, in denen noch einmal die Buchstaben mit dran kommen. In denen die Silben verschieden sind, und wenig am Tag. Im Modus "Ich ein Stück-Du ein Stück" - also ich lese eine Seite, dann liest sie eine Seite in einem schwereren Buch. Oder demselben.

Zusätzlich habe ich jetzt noch ein Suchbuch "Ich finde was" geholt, damit sie ihre Wahrnehmung üben kann und biete gerade für ein Mahjong Spiel.




















Ich halte Mahjong für ein echt gutes Spiel zum Lesen lernen. Es ist eine perfekte Vorübung da man komplexe Zeichen finden muss.


Sonntag, 15. Juni 2014

Keine Allgemeinbildung mehr? - 1. Literatur

Ich habe ja hier den Begriff des "Skills" eingeführt.
Ich will nun noch einmal den Begriff des Skills anwenden auf ein paar Dinge, aus denen keine neuen Maschinen, Programme, Möbel entstehen oder konkrete Fähigkeiten wie die "Fähigkeit zu Lesen", 10-Finger-System etc.

Also jetzt geht es eher um unkonkrete Dinge wie:

  1. Literatur
  2. Musik
  3. Welt verstehen


Diese Sachen hören sich erst einmal sehr diffus an. Wir wissen, dass wir in Deutsch, Englisch, etc. Literatur anfingen.
Das bedeutet, wir fingen an Dürrenmatt oder Shakespeare oder Dickens zu lesen. Die Klassiker halt.
Genauso haben wir in Musik auch klassische Stücke gehört von Leuten wie Beethoven, Mozart und wie sie alle hießen.

In der Schule haben wir das eher auf formaler Ebene abgehandelt. Während wir uns bei Dürrenmatt gefragt haben, ob die Physiker nun Verantwortung für die Atombombe tragen oder nicht, gab es bei Shakespeare dann schon solche Fragebögen.

Ich will diesem schulischen Ansatz nun den "Skilling" Ansatz gegenüberstellen.

In diesem Frage ich mich, wozu ist Literatur gut? Wozu ist Shakespeare und Dürrenmatt gut? Oder Dickens? Oder wie erkenne ich Literatur? Erkenne ich es am Einband oder am Alter (wie das Shakespeare-Quiz nahelegt)? Erkenne ich es daran, dass Leute, die weiße Haare haben dieses Buch als "Meisterstück" bezeichnen, während sie ernst kucken?

Ich denke in Literatur werden immer Geschichten erzählt. Dies klingt erst mal trivial und richtig. Wenn eine Geschichte gut erzählt wird, dann wird etwas bestimmtes uns näher gebracht, von dem wir vorher weniger wußten. Wenn eine Geschichte gut erzählt wird erfahren wir verschiedene Sichtweisen, ergreifen Partei oder verlieren unsere vorher bestehend Urteile und betrachten die ganze Angelegenheit unter anderen Blickwinkeln.
Die Geschichte der Sklaverei soll in Onkel Toms Hütte so gut beschrieben worden sein, dass von Abraham Lincoln gesagt wird, dass er die Schreiberin mit den Worten begrüßt hat: "Das ist also die kleine Frau, die uns diesen Krieg beschert hat" (Er meinte den Bürgerkrieg in den USA, mit dem auch die Sklaverei beendet wurde).

Literatur ist nun also genau das: Wenn Geschichten unseren Horizont erweitern, wir eine tiefere Empfindung von Geschehnissen oder Begriffen (wie Liebe, Hass, Willenskraft, Freundschaft, etc.) erreichen.

Und dieses ist ein "Skill": Literatur zu erkennen und sie zu verstehen, zu sehen wie eine Thematik auf mehreren Ebenen *hautnah* und *spürbar* beschrieben wird. Das ist der Punkt an dem wir anfangen echte Literatur zu genießen und von seichter Unterhaltung, die nur unsere Zeit vertreibt unterscheiden zu können.
Und dieses Können ist wichtig und Lernenswert. Einmal erreicht, ist es nicht wieder verlernbar.
Wie Fahrrad fahren persönlich!

Und daran erkennen wir ein Skill!

Während wir die Fakten wann Shakespeare jetzt eigentlich gelebt hat und wie viele Begriffe er in die englische Sprache eingeführt hatte eine praktisch nutzlose Information ist, deren fauliger Geruch nicht einmal alle Düfte Ägyptens verbessern können.


Wichtig: Masse!
Wie bei allem sollte man um Masse bemüht sein. Deswegen höre ich einen Großteil der Bücher.
Eine großartige Quelle für Literatur ist hier librivox.org - Hier werden Unmengen an klassischen Stücken vorgelesen. Z.B. Krieg und Frieden (Teil 1) dauert als mp3 zum Hören nur 15 Stunden!

Mittwoch, 21. Mai 2014

Allgemeinbildung? Spezialisierung? Oder was?

Die aktuelle Bildung

1. Stufe!
Als ich die Schule verlassen hatte, hatte ich die sogenannte Allgemeinbildung. Wahrscheinlich war ich döfer als andere, aber ich wußte nicht einmal wann das Mittelalter anfängt und wann es aufhört. Und warum war Rom zusammengebrochen? Warum war der Citronensäurezyklus wichtig? Und so weiter.
Also die schulischen Inhalte - so sinnvoll die Sachen an sich sind - waren nicht wirklich bei mir angekommen.

ABER:
Nehmen wir an: Ich hätte das alles gewusst. Alles wäre bei mir angekommen. Ich hätte gewusst, dass inkompetente, arrogante Herrscher nicht mit den Barbaren Frieden schließen konnten und so Rom eins nach dem anderen Mal überrannt wurde. Bis es ausgelaugt war und das römische Reich zerfiel. Innere Streitigkeiten, Kampf um Macht und so weiter.
Nehmen wir an ich hätte gewußt, dass der Zitronensäurezyklus in Lebewesen Energie gewinnt indem er Zucker, Fette usw. abbaut.
Nehmen wir an, ich hätte das alles gewusst und alles andere was der Lehrplan mir vermitteln sollte! Nehmen wir an "Schule" hätte geklappt!
Nehmen wir an ich hätte dieses wertvolle Gut: "Allgemeinbildung" gehabt!


Und nun?! Was damit anfangen? Ich hätte wohl genauso gut im Supermarkt Regale einräumen müssen, als Bedienung oder als Verkäufer oder als andere gering bis gar nicht qualifizierte Kraft arbeiten müssen. So viel bringt einem nämlich Allgemeinbildung. Und ich habe "nämlich" in dem Satz ohne "h" geschrieben! 13 Jahre, die sich gelohnt haben.

Allgemeinbildung ist eben allen gemein. Man nimmt an, dass die Sachen eh allen irgendwie mehr oder weniger geläufig sind. Lesen, Schreiben, Rechnen, Geschichte, Biologie, Werken, 2 Fremdsprachen und noch eine halbe, Physik und Chemie.

Und Punkt. Mehr bringt es nicht und mehr ist es nicht von allem etwas zu wissen und irgendwie alles.

Was für eine Bildung ist nun aber etwas Wert? Wenn Allgemeinbildung nichts Wert ist, sollen wir uns einfach zurücklehnen und nichts machen? Sollen wir versuchen noch schneller als die anderen Allgemeinbildner zu laufen, damit wir uns wenigstens im "Vergleich" profilieren und herausstechen aus der grauen Masse derer, die alle das Wissen, was alle eh wissen?

2.Stufe!
Aus dieser kompletten Nutzlosigkeit und Unverwendbarkeit aller Bildung, die man in der Schulzeit
angesammelt hat folgt nun die nächste Verzweiflungstat.
Man verbringt noch einmal jahrelang damit sich Dinge beibringen zu lassen - die nun hoffentlich (man ist ja mittlerweile schon desillusioniert) in irgendwas münden. Und sei es eine Ausbildung zum Einzelhandelsfachangestellten oder Büroundwordschreibtischhengst.
Irgendwo muss man ja einen Platz auf der Welt haben, den man sich mit "Bildung" anscheinend erkaufen können sollen muss.

Am Ende sind wir also spezialisiert und haben für den Rest unseres Lebens einen festen Platz in unserer Gesellschaft. 

Die Revolution

Nehmen wir uns den alten Traum 
...heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden.
Ohne jetzt den Träumer der das träumte zu verraten, nehmen wir uns noch zwei weitere Konzepte für unsere Revolution:
omnes omnia omnino excoli - oder allen alles ganz zu lehren
und die sogenannte 
direkte Aktion 
in der man die Sache direkt anpackt anstatt ewig mit irgendwelchen Institutionen (gesellschaftlichen Einrichtungen, Konventionen, etc.) verhandeln.

Wenn wir dies alles zusammenmischen, dann haben wir eine Bildung in der wir verschiedene Dinge lernen indem wir sie machen!, anwenden!. 
Aber nicht "machen" im Sinne von "eine Lampe in Werken" und auch nicht "anwenden" mit unseren Geschichtskenntnissen auf aktuelle Zeitungsereignisse.

Wir "machen" die Dinge die wir wollen.


Wollen wir einen Tisch machen, so müssen wir Hobeln, Schleifen, Sägen, Lackieren, Beiteln, etc. lernen. Und dies lernen wir daran, dass wir diesen Tisch machen! Wir machen genau den Tisch den wir wollen!

Wollen wir ein Lied in einer fremden Sprache verstehen und mitsingen wollen, dann lernen wir die Wörter aus diesem Lied in diesem Lied.
Wollen wir einen Text verstehen, dann lernen wir diesen Text. Wir lernen nicht mehr 5 Jahre Englisch mit irgendwelchen didaktischen Aufbereitungen, "damit" wir dann "Charly and the Chocolate Factory" lesen können. Wir lesen direkt "Charly and the Chocolate Factory".

Wir haben Fantasie und wollen einen Roman schreiben. Überspringen wir die Rechtschreibung und die Grammatik und die Analyse und die Stilmittel wie "Metapher" und "Klimax", sondern schreiben! und lesen! andere gute Geschichten.

Direkt! Keine "Damits" mehr!

Wir wollen ein Spiel programmieren? Eine Rechnung ob es sich lohnt eine Packung Smarties zu kaufen, und sie in 5er Packs an die Kinder auf dem Spielplatz zu verkaufen? Einen Go-Kart konstruieren? Ein Auto oder ein Schiff bauen? Einen feuerspeienden Drachen?

Wir sind inmitten einer Revolution! Lasst uns nicht klein denken.

Das was wir dabei lernen ist keine "Allgemeinbildung" und keine "Spezialisierung" - es sind konkrete Fertigkeiten. Danach ist etwas fertig, vollbracht. Oder auf Englisch: Skills!

Dieser Blog geht also nicht so sehr um "Bildung" - sondern um den schnellen, effizienten und direkten Erwerb von Fertigkeiten.

Lasst uns also Ideen sammeln, wie man direkt etwas machen kann.