Als ich damals in der Schule war hatte ich über Sprachen einiges gelernt:
1.) In der Schule wirst Du nur getestet, wie sehr Dich eine Sprache interessiert
2.) In der Schule lernst Du sie nicht
3.) Gibt es Computerspiele nur in Englisch - dann lernst Du sehr schnell Englisch
4.) Ich kann keine Sprachen lernen, ich bin Sprachdumm - insbesondere Französisch (accent was? )
Und dann: War ich drei Monate in Frankreich. Es ist ein bisschen so meine Lieblingsgeschichte über Sprachen lernen geworden. Und nach diesen 3 Monaten - die ich in voller Überzeugung verbrachte diese Sprache nie zu lernen und nie zu können und für immer zu hassen (aus Selbstschutz, oder so) ... nach diesen 3 Monaten konnte ich Französisch. Party-Konversation-Niveau ... mit Musik im "Hintergrund". Und das Geheimnis: Ich habe sehr viel Filme geschaut. Man nennt diese Methode auch die "Expositions-Methode"... also man setzt sich so viel Kram wie möglich in der Sprache aus.
Nun ist Chopper dran mit Französisch.... und das schon länger. Zuerst hat er Rosetta Stone gemacht... das hat nur sehr schlecht funktioniert. Ich kann von Rosetta Stone nur vollstens abraten - außer teuer bietet es nichts was andere Spiel-Lern-Plattformen wie Busuu und Babbel nicht auch haben.
Dann hat er Skill-Storm probiert - das war ihm aber zu schwer.
Jetzt nach einer längeren Pause, in der er nichts gemacht hat mit Französisch sondern nur seine Pre-Skills (Lesen, Genau-Lesen, Schnell-Lesen, Tippen) trainiert hat, fängt er wieder an mit Französisch.
Und dieses Mal machen wir es ganz anders:
Er benützt:
Babbel - weil ihm das sehr viel Spaß macht
Anki - ein SRS-Programm mit dem man effizient Wörter im Langzeitgedächtnis speichert
Skill-Storm - eine Hilfe um Text zu lesen
Bei Skill-Storm setze ich mich unterstützend dazu. Es ist wirklich ein bisschen schwierig für Anfänger.
Jedes dieser Programme macht er täglich und wir schauen mal, wie weit er kommt in 3 Monaten. Und wie er sie danach bewertet.
Montag, 16. März 2015
Mittwoch, 11. März 2015
Dyslexie mit RapidTyping - eine sehr gute Lesehilfe
Wie ich schon mal erklärt habe benützen wir RapidTyping als Lese-Hilfe/Begleitung.
Wir haben jetzt innerhalb von 6 Monaten (nur jede 2.te Woche geübt) zwei Verdoppelungen der Lesegeschwindigkeit bekommen. Angefangen mit 8 wpm (Wörter pro Minute) auf 20 und letztens sogar 46 wpm. (Ja, es gab eine kleine Party :) )
(Der Link zum Download)
(Der Link zur Website)
RapidTyping ist eigentlich ein Programm um 10-Finger-System zu lernen. Und es ist kostenlos!
Zusätzlich kann man damit tippen lernen. Seitdem Nami nun ein gutes Niveau erreicht hat, hat sie selbst damit angefangen tippen zu lernen. Das bedeutet sie tippt ihre Buchstaben selber und verknüpft eindeutig eine Bewegungsabfolge mit einem Buchstaben. Auch hier steigert sie sich - und es macht wirklich Spaß zuzusehen, wie sie selbst mehr und mehr Freude an ihren Erfolgen findet und genießt.
Beim Tippen lernen wird auch noch (ohne großes Tamtam deswegen zu machen) Rechtschreibung gelernt.
Ich bin RapidTyping wirklich dankbar :)
Was haltet ihr davon?
Wir haben jetzt innerhalb von 6 Monaten (nur jede 2.te Woche geübt) zwei Verdoppelungen der Lesegeschwindigkeit bekommen. Angefangen mit 8 wpm (Wörter pro Minute) auf 20 und letztens sogar 46 wpm. (Ja, es gab eine kleine Party :) )
(Der Link zum Download)
(Der Link zur Website)
Was ist RapidTyping?
RapidTyping ist eigentlich ein Programm um 10-Finger-System zu lernen. Und es ist kostenlos!
Wie kann man damit bei Dyslexie helfen?
Ich benütze es so, dass Nami sich eine Geschichte aussuchen darf (meistens ein Märchen von Brüder Grimm), dieses kopieren wir in RapidTyping. Dann liest sie es vor und ich tippe während dessen mit. Bei Fehlern halte ich an. Außer ich merke es würde sie entmutigen, dann tippe ich einfach weiter.
Hier seht ihr das Interface in das man Texte einfach reinkopieren kann:
Sofortiges Feedback!
Besonders am Anfang ist ein Training mit Dyslexie sehr frustrierend.
Ohne RapidTyping: Der Unterschied zwischen 8 und 12 Wörtern in der Minute ist praktisch nicht wahrnehmbar. Nein, man hat bei beidem das Gefühl man müsse gleich in den Tisch beißen, weil es so langsam vorangeht. (Mit der Zeit gewinnt man Geduld :) ).
Mit RapidTyping: Man kann sich die Lesegeschwindigkeit in "Buchstaben pro Minute" und "Wörter pro Minute" anzeigen lassen. Dies wird konstant ausgerechnet - Erfolge werden so sofort sichtbar und motivieren alle Beteiligten.
Statistiken!
RapidTyping legt für jeden Schüler sehr gute Statistiken an, in denen man sich die Fortschritte anschauen kann - über die ganze Zeit.
Totale Flexibilität
Man kann den Text einzeilig oder mehrzeilig darstellen lassen
Dieses ist für Lerner sehr wertvoll, die oft die Zeile verlieren - ein einzeiliger Text hilft hier sehr stark!
Man kann die Schriftgröße (also auch riesig) einstellen und die Schriftart selber.
Ein Cursor (kleines Rechteck) zeigt die ganze Zeit, bei welchem Buchstaben /Wort man sich befindet.
Man kann den Cursor über den Text wandern lassen, oder den Text unter dem Cursor weg.
Zusätzlich kann man auch noch ein Metronom einstellen, dass Zeitdruck anzeigt. Läuft es ab färbt sich der Buchstabe unter dem Cursor gelb und ist schwerer zu lesen. Dies kann man abstellen, einstellen, eigene Ablaufzeiten eingeben, etc.
Durch die Flexibilität kann man viele verschiedene Übungen machen (z.B. alle A's suchen, uvm.)
Multisensorisch
RapidTyping hat ein wirklich schönes Interface. Es ist bunt, hat süße Bilder und die süßen Bilder lenken nicht ab. Die Geräusche, die es macht wenn man tippt und wenn man sich verhaut sind auch schön und nicht störend.
Zusätzlich kann man damit tippen lernen. Seitdem Nami nun ein gutes Niveau erreicht hat, hat sie selbst damit angefangen tippen zu lernen. Das bedeutet sie tippt ihre Buchstaben selber und verknüpft eindeutig eine Bewegungsabfolge mit einem Buchstaben. Auch hier steigert sie sich - und es macht wirklich Spaß zuzusehen, wie sie selbst mehr und mehr Freude an ihren Erfolgen findet und genießt.
Beim Tippen lernen wird auch noch (ohne großes Tamtam deswegen zu machen) Rechtschreibung gelernt.
Wenn der Leser schneller wird als der Schreiber
Nami hat mittlerweile eine Geschwindigkeit erreicht, die ich nur noch mit Mühe tippe (also ca. 270 - 300 Buchstaben pro Minute (cpm) ). Hier tippe ich nicht mehr mit, sondern drücke nur noch auf die Leertaste und der ganze Text wird rot - aber ich kann genau in ihrer Geschwindigkeit mithalten und immer über ihrem Wort sein.Ich bin RapidTyping wirklich dankbar :)
Was haltet ihr davon?
Montag, 9. März 2015
Die eigene Geschwindigkeit
Wie die meisten ja schon gemerkt haben, bin ich kein "Unschooler" der reinen Lehre. Das bedeutet wir haben diesen Zettel, auf dem Sachen stehen, die sie sich aussuchen können. Bei denen sie dann aber auch über einen gewissen Zeitraum bleiben *müssen*.
Dennoch... diese Woche hat Chopper kein einziges seiner Skill-Trainings gemacht. Ich habe ihn 2 oder 3 Mal darauf angesprochen, er meinte aber nur, dass er diese Woche eine Pause mache und wahrscheinlich nächste weiter.
Ich finde es toll, dass er diese Pause einfach nehmen kann. Und zwar dann wenn er sich so fühlt als ob er sie brauchen würde... und nicht weil gerade Ferien auf irgendeinem Kalender stehen.
Ich hätte das auch früher so gerne gehabt.
Das Interessante ist, dass er ja One Piece die letzten Wochen gelesen hat und dann (bei Kapitel 620) aufgehört hat mit den Worten: "Ich lese jetzt ein Jahr kein One Piece mehr".
Er hält das jetzt schon 2 Wochen durch, einfach so von sich aus.
Er hatte auch gesagt er will jetzt einen Monat kein Computer mehr spielen, da ist er aber ziemlich schnell dran gescheitert - und das obwohl ich nur ein neues Computerspiel ausgeliehen hatte :)
Ich bin gespannt wie es weitergeht mit seiner selbstgewählten Selbstdisziplinierung. Ich lasse dafür ein bisschen lockerer, was die Skill-Trainings angeht. Die meisten aktuellen hat er auch ziemlich gut weit gebracht. Also er verliert nichts durch eine Pause und bei seinem Stand können wir da jetzt eh mit den Sommerferien anfangen :)
Ich finde es so schön Chopper einfach sein eigenes Tempo wählen zu lassen - habe ich das schon gesagt. Es tut ihm bestimmt gut und es gibt ihm die Möglichkeit sich selbst näher kennen zu lernen und zu entdecken.
Wo und wann hat man schon noch einmal diesen Luxus im Leben???
Dennoch... diese Woche hat Chopper kein einziges seiner Skill-Trainings gemacht. Ich habe ihn 2 oder 3 Mal darauf angesprochen, er meinte aber nur, dass er diese Woche eine Pause mache und wahrscheinlich nächste weiter.
Ich finde es toll, dass er diese Pause einfach nehmen kann. Und zwar dann wenn er sich so fühlt als ob er sie brauchen würde... und nicht weil gerade Ferien auf irgendeinem Kalender stehen.
Ich hätte das auch früher so gerne gehabt.
Das Interessante ist, dass er ja One Piece die letzten Wochen gelesen hat und dann (bei Kapitel 620) aufgehört hat mit den Worten: "Ich lese jetzt ein Jahr kein One Piece mehr".
Er hält das jetzt schon 2 Wochen durch, einfach so von sich aus.
Er hatte auch gesagt er will jetzt einen Monat kein Computer mehr spielen, da ist er aber ziemlich schnell dran gescheitert - und das obwohl ich nur ein neues Computerspiel ausgeliehen hatte :)
Ich bin gespannt wie es weitergeht mit seiner selbstgewählten Selbstdisziplinierung. Ich lasse dafür ein bisschen lockerer, was die Skill-Trainings angeht. Die meisten aktuellen hat er auch ziemlich gut weit gebracht. Also er verliert nichts durch eine Pause und bei seinem Stand können wir da jetzt eh mit den Sommerferien anfangen :)
Ich finde es so schön Chopper einfach sein eigenes Tempo wählen zu lassen - habe ich das schon gesagt. Es tut ihm bestimmt gut und es gibt ihm die Möglichkeit sich selbst näher kennen zu lernen und zu entdecken.
Wo und wann hat man schon noch einmal diesen Luxus im Leben???
Homeschooling - Wege in Deutschland - The Good, the bad and the ugly
Im Großen sehe ich folgende Wege in Deutschland schulfreies Leben zu realisieren:
I.) The Bad
Der schlechteste Weg vorweg. Hier ist die Idee dem Schulamt und Jugendamt zu erklären, dass das eigene Kind so instabil und dysfunktional ist, dass keine einzige Schule in Deutschland seinen Besonderheiten gerecht werden kann:
Keine Hauptschule, keine Gesamtschule, kein Gymnasium, keine Realschule, keine Werkrealschule, keine Förderschule, keine freie aktive Schule, keine Waldorfschule, keine Privatschule, keine Montessori-Schule.
Dieser Ansatz entspricht dem familiären Offenbarungseid. Von jedem Pädagogen wird das nämlich so interpretiert, dass die ganze Dysfunktionalität, die ganze Schulangst in der Familie erzeugt wurde.
Man kann hier oftmals eine temporäre Lösung erreichen, aber es ist ein Boomerang, der sobald er die Richtung wechselt an Geschwindigkeit zulegt. Und wenn man dann irgendwann ein komplett schulfreies Leben will, dann existieren schon zig Gutachten - die man alle selbst erstellen hat lassen - die beweisen, wie schlimm es diesem Kind eigentlich geht und dass es unbedingt, unbedingt professionelle, kontinuierliche Hilfe braucht.
Man rückt sich in diesem Ansatz von Anfang an in die Opferrolle. Man verlässt die des freien, europäischen Weltbürgers, der seine Rechte kennt und auf diese besteht und begibt sich sofort in die des kleinen unmündigen Bürgers, der es nicht mal schafft seinem Kind die Schule erträglich zu machen.
Es muss hier auch noch mal kurz die Motivation der Schule erläutert werden:
1.) Qualifikation - in einem industriellen Staat soll auf das Funktionieren innerhalb ebendieser Institutionen geübt werden. Man wird zu einem guten 8-Stunden-Büroarbeiter trainiert.
2.) Sozialisation - die Gesellschaft will dass wir uns in einer bestimmten Weise verhalten. Wir sollen arbeiten, keinen Dissens erzeugen, mitmachen bei kulturellen Ritualen (inkl. Wahlen), unserem Chef das Leben nicht schwer machen und mit unseren Kollegen um die Plätze etwas weiter höher in der Pyramide konkurrieren. Wir sollen uns durch billige Belohnungen maximal motivieren lassen und durch geringe Bestrafungen massiv bedroht fühlen. Etc.
3.) Selektion - wir bekommen unseren Startplatz in der Pyramide zugewiesen
4.) Legitimation - wir sollen an den Staat glauben, dass unserer der Beste ist, dass es uns woanders schlechter geht und die Gesetze gerecht und zu unserem Besten sind. Loyalität gegenüber dem Herren
Der Staat, die Gemeinschaft hat keinerlei Interesse daran sich selbst zu schaden und einen unmündigen Bürger auch noch seine Kinder verstümmeln zu lassen. Es liegt nach dem Offenbarungseid maximales Interesse zu reintegrieren. Das erklärt "kranke" Kind muss unbedingt geheilt werden - koste es was es wolle. Das kann bis zur Klinikschule in der geschlossenen Jugendpsychatrie gehen. Diese "Lösung" ist wie Salzwasser trinken um den Durst zu stillen.
Niemand der eine Ausnahmegenehmigung erreichen will sollte dies also als einen einfachen Ausweg aus der Schule sehen. Es ist eher das Ticket in eine umfassendere Beschulung und Beobachtung.
II.) The Ugly
Konfrontation! Hier ist als leuchtendes Beispiel Claudia Brunner zu sehen. Aber wenige Menschen sind bereit und fähig, so wie Gandhi sich gewaltfrei gegen ein Gewaltmonopol zu stellen und dabei nicht zu zerbrechen. Sie nimmt Strafen auf sich, einen Anwalt und ist sogar schon mal ins Gefängnis für die Freiheit ihres Sohnes gegangen. Hätten wir alle - oder auch nur 10 Menschen diese Überzeugung und Tatkraft wäre die vermeintliche Schulpflicht schon längst vom Tisch. Kein Staat kann sich auf Dauer einen massiven Dissens leisten, bei dem er auch noch als unschuldig wahrgenommene Menschen ins Gefängnis stecken muss. Noch dazu Eltern, denen das Jugendamt vollste Kompetenz bescheinigt. Der Staat ist hier auch permanent gezwungen die Schule durch ihre echten Zwecke zu verteidigen, die sonst eher nur in soziologischen Untersuchungen erscheinen und dem Normalbürger verborgen sind - und keiner will der Schule in ihr wahres Gesicht schauen. Das Bildnis von Dorian Gray nach 250 Jahren weltweiten Wütens ist einfach zu hässlich und widerwärtig.
III.) The Good
Wer kennt ihn nicht: Den Euro. Er bedeutet, dass wir Menschen nicht mehr an ein Land gebunden sind. Dass die Grenzen innerhalb Europas offen sind und zwar so offen, dass wir europäische Bürger mit europäischen Rechten sind. Und dass kein Staat nun eigentlich wissen kann, wo wir wohnen. Und auch kein Recht hat es zu wissen. Es gibt in Deutschland zwar eine Meldepflicht, aber in anderen Ländern nicht.
Zusätzlich kann man bei einer Abmeldung diese grundlos machen - man ist ein freier Mensch. Und auf das Verlangen der Behörde nach der Angabe eines neuen Wohnsitzes kann man dies verweigern - es geht die Behörde nichts an. Man kann aber auch der Einfachheit halber "Reisen" als Zweck angeben - dann spart man sich auch eine Menge Heckmeck mit dem Kindergeld.
Wenn man nicht lügen will kann man das ja an seinem Urlaub machen und dann wirklich 2 Wochen Couchsurfing machen.
Wie auch immer, wir sind freie Menschen. Die sich anmelden und abmelden dürfen, wie und wo und wie oft sie wollen. Der Rest hat sich damit erledigt.
Man sollte sich ansonsten so normal verhalten wie möglich und nicht Krieg mit den Nachbarn anfangen. Die Meldebehörde macht auch kein Rundschreiben an die Nachbarn, dass man nun abgemeldet ist und nicht mehr da sein darf. Wir haben keine Stasi hier. Es gibt auch keinen Polizisten, der ein halbes Jahr jeden Tag vorbeikommt und überprüft, ob man auch wirklich ausgezogen und weg ist. Oder klingelt, ob man Urlaub macht. Oder bei den Nachbarn fragt. Weder Hermes, noch DPD, noch die Post sprechen mit dem Einwohnermeldeamt, bevor sie Briefe ausliefern. Diese Angst vor "erwischt werden" ist uns jahrelang antrainiert worden - sie entspricht aber nicht der Realität. Es gibt Rechte und Privatsphäre - diese muss der Staat - jeder Staat akzeptieren. Und seit dem Schengen abkommen dürfen wir uns frei in der EU bewegen. Das darf man nie vergessen!
Was sage ich am Ende noch den Nachbarn - ohne zu lügen?
Geht ihr Kind schon in die Schule? Warum nicht? - Wir machen Homeschooling. (Definitiv!)
Geht das denn??? - Ja natürlich. (es geht ja offensichtlich und geschätzte 500 - 1000 Familien machen es schon)
Ich dachte es herrscht Schulpflicht???? - Die kann man auf verschiedene Weise erfüllen (schon mal was von Internet und Fernschule gehört Du ungebildeter Hampel).
Ich dachte es wäre in Deutschland verboten???? - Wieso das denn? (bist Du noch gebacken???)
Man sollte sich aber nicht abmelden wenn man ohnehin schon ein gesuchter Verbrecher ist - also:
Man regelmäßig zu schnell fährt und Tickets bekommt.
Man dauernd von allen verklagt wird.
Man seinem Vermieter viel Geld schuldet und der einen gerade rausklagen will.
Man kann sich aber selbst natürlich jederzeit anmelden.
4.) Noch eine Bemerkung, warum man auch nur seine Kinder abmelden kann:
Auch Kinder sind freie Menschen. Aber es gibt echte Szenarien in denen nur die Kinder abgemeldet werden:
Kinder die eine Austauschzeit machen
Ein Internat in einem anderen Land besuchen (da muss man das Kind aber eh nicht abmelden, sondern nur die Schulbescheinigung bringen)
Bei getrennten Eltern beim anderen Elternteil
Auf Reisen
Längere Zeit Oma und Opa besuchen
Doch im allgemeinen teilen Kinder den Aufenthaltsort eines Sorgeberechtigten
Meine sind seit 5 Jahren abgemeldet. Ich habe dem Mann bei der Kindergeldstelle aber gesagt, dass sie ihren Hauptaufenthalt in Deutschland haben und wir Homeschooling machen - dass ich aus diesem Grund die Kinder nicht in Deutschland anmelden kann, weil es sonst Probleme gibt. Er hat das sofort verstanden! Ebenso der Mann vom Jugendamt, der mal zu Besuch war.
----
Ich will noch einen letzten Weg erklären:
The Expensive:
Wenn man nur wegen der vermeintlichen Schulpflicht aus Deutschland auswandern will, dann wählt man den teuersten und nervenaufreibendsten Weg von allen. Andere Länder haben auch Sitten. Die Wahrscheinlichkeit Großeltern zu sehen sinkt massiv. Die Wahrscheinlichkeit sich dort perfekt zu integrieren oder besser als hier angenommen zu werden ist gering.
Ein Umzug in eine andere Kultur belastet die Familienstruktur.
Und nun das stärkste Argument: Wenn man bereit ist auszuwandern, dann sollte man wenigstens den ersten Bußgeldbescheid abwarten und erst dann auswandern. Das genügt noch reichlich!
Außer natürlich, man möchte im Grunde seines Herzens die Welt kennen lernen. :)
Die freie Schule ist praktisch der "Most Expensive" Ansatz. Man zahlt hier pro Kind, pro Monat eine Strafgebühr, dass sie dann doch im goldenen Käfig sitzen. Denn raus dürfen sie nicht wie und wann sie wollen. Eine Gruppendynamik gibt es auch und der Staat drückt auch bei den freien Schulen von Jahr zu Jahr; und mit steigenden Schuljahren; und mit steigendem Alter der Schule mehr sein Ding durch.
I.) The Bad
Der schlechteste Weg vorweg. Hier ist die Idee dem Schulamt und Jugendamt zu erklären, dass das eigene Kind so instabil und dysfunktional ist, dass keine einzige Schule in Deutschland seinen Besonderheiten gerecht werden kann:
Keine Hauptschule, keine Gesamtschule, kein Gymnasium, keine Realschule, keine Werkrealschule, keine Förderschule, keine freie aktive Schule, keine Waldorfschule, keine Privatschule, keine Montessori-Schule.
Dieser Ansatz entspricht dem familiären Offenbarungseid. Von jedem Pädagogen wird das nämlich so interpretiert, dass die ganze Dysfunktionalität, die ganze Schulangst in der Familie erzeugt wurde.
Man kann hier oftmals eine temporäre Lösung erreichen, aber es ist ein Boomerang, der sobald er die Richtung wechselt an Geschwindigkeit zulegt. Und wenn man dann irgendwann ein komplett schulfreies Leben will, dann existieren schon zig Gutachten - die man alle selbst erstellen hat lassen - die beweisen, wie schlimm es diesem Kind eigentlich geht und dass es unbedingt, unbedingt professionelle, kontinuierliche Hilfe braucht.
Man rückt sich in diesem Ansatz von Anfang an in die Opferrolle. Man verlässt die des freien, europäischen Weltbürgers, der seine Rechte kennt und auf diese besteht und begibt sich sofort in die des kleinen unmündigen Bürgers, der es nicht mal schafft seinem Kind die Schule erträglich zu machen.
Es muss hier auch noch mal kurz die Motivation der Schule erläutert werden:
1.) Qualifikation - in einem industriellen Staat soll auf das Funktionieren innerhalb ebendieser Institutionen geübt werden. Man wird zu einem guten 8-Stunden-Büroarbeiter trainiert.
2.) Sozialisation - die Gesellschaft will dass wir uns in einer bestimmten Weise verhalten. Wir sollen arbeiten, keinen Dissens erzeugen, mitmachen bei kulturellen Ritualen (inkl. Wahlen), unserem Chef das Leben nicht schwer machen und mit unseren Kollegen um die Plätze etwas weiter höher in der Pyramide konkurrieren. Wir sollen uns durch billige Belohnungen maximal motivieren lassen und durch geringe Bestrafungen massiv bedroht fühlen. Etc.
3.) Selektion - wir bekommen unseren Startplatz in der Pyramide zugewiesen
4.) Legitimation - wir sollen an den Staat glauben, dass unserer der Beste ist, dass es uns woanders schlechter geht und die Gesetze gerecht und zu unserem Besten sind. Loyalität gegenüber dem Herren
Der Staat, die Gemeinschaft hat keinerlei Interesse daran sich selbst zu schaden und einen unmündigen Bürger auch noch seine Kinder verstümmeln zu lassen. Es liegt nach dem Offenbarungseid maximales Interesse zu reintegrieren. Das erklärt "kranke" Kind muss unbedingt geheilt werden - koste es was es wolle. Das kann bis zur Klinikschule in der geschlossenen Jugendpsychatrie gehen. Diese "Lösung" ist wie Salzwasser trinken um den Durst zu stillen.
Niemand der eine Ausnahmegenehmigung erreichen will sollte dies also als einen einfachen Ausweg aus der Schule sehen. Es ist eher das Ticket in eine umfassendere Beschulung und Beobachtung.
II.) The Ugly
Konfrontation! Hier ist als leuchtendes Beispiel Claudia Brunner zu sehen. Aber wenige Menschen sind bereit und fähig, so wie Gandhi sich gewaltfrei gegen ein Gewaltmonopol zu stellen und dabei nicht zu zerbrechen. Sie nimmt Strafen auf sich, einen Anwalt und ist sogar schon mal ins Gefängnis für die Freiheit ihres Sohnes gegangen. Hätten wir alle - oder auch nur 10 Menschen diese Überzeugung und Tatkraft wäre die vermeintliche Schulpflicht schon längst vom Tisch. Kein Staat kann sich auf Dauer einen massiven Dissens leisten, bei dem er auch noch als unschuldig wahrgenommene Menschen ins Gefängnis stecken muss. Noch dazu Eltern, denen das Jugendamt vollste Kompetenz bescheinigt. Der Staat ist hier auch permanent gezwungen die Schule durch ihre echten Zwecke zu verteidigen, die sonst eher nur in soziologischen Untersuchungen erscheinen und dem Normalbürger verborgen sind - und keiner will der Schule in ihr wahres Gesicht schauen. Das Bildnis von Dorian Gray nach 250 Jahren weltweiten Wütens ist einfach zu hässlich und widerwärtig.
III.) The Good
Wer kennt ihn nicht: Den Euro. Er bedeutet, dass wir Menschen nicht mehr an ein Land gebunden sind. Dass die Grenzen innerhalb Europas offen sind und zwar so offen, dass wir europäische Bürger mit europäischen Rechten sind. Und dass kein Staat nun eigentlich wissen kann, wo wir wohnen. Und auch kein Recht hat es zu wissen. Es gibt in Deutschland zwar eine Meldepflicht, aber in anderen Ländern nicht.
Zusätzlich kann man bei einer Abmeldung diese grundlos machen - man ist ein freier Mensch. Und auf das Verlangen der Behörde nach der Angabe eines neuen Wohnsitzes kann man dies verweigern - es geht die Behörde nichts an. Man kann aber auch der Einfachheit halber "Reisen" als Zweck angeben - dann spart man sich auch eine Menge Heckmeck mit dem Kindergeld.
Wenn man nicht lügen will kann man das ja an seinem Urlaub machen und dann wirklich 2 Wochen Couchsurfing machen.
Wie auch immer, wir sind freie Menschen. Die sich anmelden und abmelden dürfen, wie und wo und wie oft sie wollen. Der Rest hat sich damit erledigt.
Man sollte sich ansonsten so normal verhalten wie möglich und nicht Krieg mit den Nachbarn anfangen. Die Meldebehörde macht auch kein Rundschreiben an die Nachbarn, dass man nun abgemeldet ist und nicht mehr da sein darf. Wir haben keine Stasi hier. Es gibt auch keinen Polizisten, der ein halbes Jahr jeden Tag vorbeikommt und überprüft, ob man auch wirklich ausgezogen und weg ist. Oder klingelt, ob man Urlaub macht. Oder bei den Nachbarn fragt. Weder Hermes, noch DPD, noch die Post sprechen mit dem Einwohnermeldeamt, bevor sie Briefe ausliefern. Diese Angst vor "erwischt werden" ist uns jahrelang antrainiert worden - sie entspricht aber nicht der Realität. Es gibt Rechte und Privatsphäre - diese muss der Staat - jeder Staat akzeptieren. Und seit dem Schengen abkommen dürfen wir uns frei in der EU bewegen. Das darf man nie vergessen!
Was sage ich am Ende noch den Nachbarn - ohne zu lügen?
Geht ihr Kind schon in die Schule? Warum nicht? - Wir machen Homeschooling. (Definitiv!)
Geht das denn??? - Ja natürlich. (es geht ja offensichtlich und geschätzte 500 - 1000 Familien machen es schon)
Ich dachte es herrscht Schulpflicht???? - Die kann man auf verschiedene Weise erfüllen (schon mal was von Internet und Fernschule gehört Du ungebildeter Hampel).
Ich dachte es wäre in Deutschland verboten???? - Wieso das denn? (bist Du noch gebacken???)
Man sollte sich aber nicht abmelden wenn man ohnehin schon ein gesuchter Verbrecher ist - also:
Man regelmäßig zu schnell fährt und Tickets bekommt.
Man dauernd von allen verklagt wird.
Man seinem Vermieter viel Geld schuldet und der einen gerade rausklagen will.
Man kann sich aber selbst natürlich jederzeit anmelden.
4.) Noch eine Bemerkung, warum man auch nur seine Kinder abmelden kann:
Auch Kinder sind freie Menschen. Aber es gibt echte Szenarien in denen nur die Kinder abgemeldet werden:
Kinder die eine Austauschzeit machen
Ein Internat in einem anderen Land besuchen (da muss man das Kind aber eh nicht abmelden, sondern nur die Schulbescheinigung bringen)
Bei getrennten Eltern beim anderen Elternteil
Auf Reisen
Längere Zeit Oma und Opa besuchen
Doch im allgemeinen teilen Kinder den Aufenthaltsort eines Sorgeberechtigten
Meine sind seit 5 Jahren abgemeldet. Ich habe dem Mann bei der Kindergeldstelle aber gesagt, dass sie ihren Hauptaufenthalt in Deutschland haben und wir Homeschooling machen - dass ich aus diesem Grund die Kinder nicht in Deutschland anmelden kann, weil es sonst Probleme gibt. Er hat das sofort verstanden! Ebenso der Mann vom Jugendamt, der mal zu Besuch war.
----
Ich will noch einen letzten Weg erklären:
The Expensive:
Wenn man nur wegen der vermeintlichen Schulpflicht aus Deutschland auswandern will, dann wählt man den teuersten und nervenaufreibendsten Weg von allen. Andere Länder haben auch Sitten. Die Wahrscheinlichkeit Großeltern zu sehen sinkt massiv. Die Wahrscheinlichkeit sich dort perfekt zu integrieren oder besser als hier angenommen zu werden ist gering.
Ein Umzug in eine andere Kultur belastet die Familienstruktur.
Und nun das stärkste Argument: Wenn man bereit ist auszuwandern, dann sollte man wenigstens den ersten Bußgeldbescheid abwarten und erst dann auswandern. Das genügt noch reichlich!
Außer natürlich, man möchte im Grunde seines Herzens die Welt kennen lernen. :)
Die freie Schule ist praktisch der "Most Expensive" Ansatz. Man zahlt hier pro Kind, pro Monat eine Strafgebühr, dass sie dann doch im goldenen Käfig sitzen. Denn raus dürfen sie nicht wie und wann sie wollen. Eine Gruppendynamik gibt es auch und der Staat drückt auch bei den freien Schulen von Jahr zu Jahr; und mit steigenden Schuljahren; und mit steigendem Alter der Schule mehr sein Ding durch.
Mittwoch, 25. Februar 2015
Ergebnisse von Unschooling - noch eine Studie
Ich will hier noch eine Studie vorstellen: Nämlich die von Peter Gray und Gina Riley. ( Teil IV )
Nachdem sie eine Befragung von Eltern durchgeführt haben, in denen die Eltern überwiegend euphorisch waren, wurde ein weitere Befragung durchgeführt:
Diese Mal erwachsene Unschooler und wie es ihnen geht im Leben.
Ich will nur ein paar sehr interessante Sachen herausstreichen:
-Die Gruppe der "Immer-Unschooler" findet überwiegend ihre Jobs in Kunst und Kultur (sogar signifikant gegenüber den anderen beiden Gruppen)
-Es gibt einen sehr überragenden Trend auch die eigenen Kinder "unschoolen" zu wollen
-Unschooler ergreifen später jede Art von Beruf (mit dem erwähnten Überhang bei Kunst und Kultur)
-ein sehr großer Teil war unternehmerisch tätig (Entrepreneurs) - in der "Immer-Unschooler"-Gruppe am höchsten (dieses Mal aber nicht signifikant)
-Ein hoher Prozentsatz ist in den MINT-Gebieten tätig (Mathematik, Ingenieurwesen, Naturwissenschaften, Technik). Bei Männern ein signifikant höherer Anteil als bei Frauen - der Unterschied in diesem kleinen Sample bildet interessanterweise das Verhalten der durchschnittlichen Bevölkerung in diesem Punkt nach.
-Finanzielle Unabhängigkeit wird oft in einem sehr frühen Alter erreicht.
Ich würde gerne über die Karrieren und Berufslaufbahnen der Unschooler schreiben, aber ich verweise lieber auf den Teil der Studie, der sie selbst zu Wort kommen lässt. Es sei nur so viel gesagt: vom Zirkus-Trapez-Artisten, der später selbst einen Zirkus mit einem Freund besitzt und dann Schiffskapitän von Ozeanriesen wird, bis zum Polymath, der praktisch alles macht was ihn interessiert.
Im Folgenden will ich auch die Meinungen der erwachsenen Unschooler zusammenfassen, die sich gegen ihr Unschooling aussprachen. In dem Sample waren 3 Personen, die sehr negativ gegenüber Unschooling waren.
Ich finde es sehr wichtig, dass wir uns mit diesen negativen Dingen auch beschäftigen und daraus lernen - insbesondere welche Erfahrungen man als Eltern seinen Kindern ersparen will.
Und auch die Rolle der Gemeinschaft ist hier gefragt - in Frankreich z.B. finde ich es sehr gut geregelt. Diese Regelung wirkt allen Kritikpunkten entgegen (so weit im Rahmen des Möglichen), jedoch bietet sie auch die Freiheit um alle pädagogischen Möglichkeiten auszuschöpfen (auch Radical Unschooling) - entgegen dem österreichischen Modell, das eine Reproduktion des Lehrplans verlangt.
Die Hauptkritikpunkte waren von 2 Unschoolern, deren Müttter depressiv waren oder zu einer extrem religiösen Gruppe konvertierten, und einer der anscheinend in einem wirklich kleinen Kaff aufwuchs, das mit starken sozialen Problemen kämpfte:
Unschooling bringt Probleme:
-wenn die Nachbarschaft schlecht ist (Drogen, Armut, Alkohol-Probleme)
Schulerfahrungen sind dann auch nicht besser. Auf der anderen Seite bringt Homeschooling gewisse finanzielle Einschnitte mit sich. Wenn diese Einschnitte bedeuten, dass man wirklich in eine schlechte Gegend ziehen muss, dann sollte man sich das überlegen, ob es nicht andere Lösungen gibt.
-wenn die Umgebung keine kulturellen Einrichtungen bietet ("middle of nowhere")
Dies deckt sich mit der statistischen Tatsache, dass Homeschooling am seltensten in kleinen Dörfern ist
-wenn Eltern selbst depressiv sind, oder Probleme haben mit der Außenwelt (z.B. soziale Welt) Kontakt aufzunehmen
Dies kann in sozialer Isolation münden und Kinder in einer sehr traurigen, einsamen Welt aufwachsen lassen. Auch sagt einer, dass durch die soziale Isolation mehr Missbrauch durch seine Eltern möglich war, als wenn er nicht so isoliert gewesen wäre.
-Lernerfahrung bei depressiven Eltern
Die eine Person mit der depressiven Mutter sagte auch, dass sie praktisch nichts gelernt hat. Sie muss sich seitdem als Kunstlehrerin (das sie studiert hat) durchschlagen.
-Die Meinung anderer Leute
Dadurch, dass Unschooling /Homeschooling noch relativ selten ist, ist man in permanenter Erklärungsnot. Oft gilt man auch als "weirdos" (engl: "Seltsamling")
-Einschränkung in den Inhalten
Wieder in dem depressiven Fall hat die religiöse Mutter praktisch nur Religion gelehrt.
Andere klagen darüber, dass sie sehr wenig Mathematik/Naturwissenschaften hatten (der Fokus liegt sehr oft auf Kunst und Musik) und insbesondere für ihr Studium oft "Remedial Math"-Kurse machen mussten.
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“My social life was not very good, mainly because of our location. It was a very small town with very typical middle-of-nowhere problems. Drinking, drugs, poverty and the like. I realise in retrospect that most of the children who were my neighbours had grown up in a bad situation and didn't know any better, but I didn't understand that at the time and I was miserable. By the time I was a teenager and we had moved to a new province, I found that I just couldn't break into the social groups of the local homeschooling community and, in the end, I wasn't really interested in doing so. My family did things differently, even from an unschooling standpoint, and social experiences usually have an element of culture shock for both parties.”
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“I actively disagree with unschooling because I believe that it is a very easy way for unwell parents to bring their children up without those parents needing to actively participate/integrate into society…. Because of my mother's poor mental health she found it difficult making friends and generally disliked attending social events, etc. I think this was the main reason she decided to unschool us.” This person went on to say that she felt incredibly isolated socially and didn’t study anything during her unschooling years. She went on to higher education in fine arts, and a job as an art teacher, not because she was interested in art or enjoys teaching, but because she didn’t feel qualified for anything else. In response to our question about the disadvantages of unschooling, for her, she wrote: “My experience of unschooling was negative in every way. I have been bullied as an adult for being 'weird' and for working in low status, low paid jobs. I have also had difficulty finding long-term boyfriends, as although I'm an attractive and intelligent person, there aren't many people who actively want to date people who have huge chips on their shoulders about the way they were brought up (without formal education).”
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The second respondent, a 35-year-old woman, was Christian homeschooled through third grade and then was unschooled, not because of a deliberate decision, but because of her mother’s psychological and physical disabilities and consequent inability to manage homeschooling. This person also wrote that her mother kept her out of school “to be able to control the kinds of information we were exposed to, including sex education, science, or health, as well as control the kinds of people we interacted with.” She, like the other two, was never presented with a choice about her schooling. She felt deprived of school, not privileged to avoid it. As an adult she has worked mostly at temporary jobs such as cleaning or house painting, but, at the time of the survey, was enrolled in a bachelor’s program in industrial design. In response to our question about the disadvantages of unschooling, she wrote: “Disadvantages would be not having the groundwork of basic knowledge and social skills! I am also uncomfortable with most people and prefer to be alone, which may be from my experience growing up alone and unsupervised, but also might just be my nature, I don't know. As a kid the main thing was knowing that I was not fitting in anywhere, always being the "weirdos" in the neighborhood, always missing rites of passage and being alone too often. It was a very lonely and isolated life, rather oppressive given the strict religious upbringing. I also feel now that I learned more about religion than I did things that would be of any use to me later in life.”
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Nachdem sie eine Befragung von Eltern durchgeführt haben, in denen die Eltern überwiegend euphorisch waren, wurde ein weitere Befragung durchgeführt:
Diese Mal erwachsene Unschooler und wie es ihnen geht im Leben.
-Die Gruppe der "Immer-Unschooler" findet überwiegend ihre Jobs in Kunst und Kultur (sogar signifikant gegenüber den anderen beiden Gruppen)
-Es gibt einen sehr überragenden Trend auch die eigenen Kinder "unschoolen" zu wollen
-Unschooler ergreifen später jede Art von Beruf (mit dem erwähnten Überhang bei Kunst und Kultur)
-ein sehr großer Teil war unternehmerisch tätig (Entrepreneurs) - in der "Immer-Unschooler"-Gruppe am höchsten (dieses Mal aber nicht signifikant)
-Ein hoher Prozentsatz ist in den MINT-Gebieten tätig (Mathematik, Ingenieurwesen, Naturwissenschaften, Technik). Bei Männern ein signifikant höherer Anteil als bei Frauen - der Unterschied in diesem kleinen Sample bildet interessanterweise das Verhalten der durchschnittlichen Bevölkerung in diesem Punkt nach.
-Finanzielle Unabhängigkeit wird oft in einem sehr frühen Alter erreicht.
Ich würde gerne über die Karrieren und Berufslaufbahnen der Unschooler schreiben, aber ich verweise lieber auf den Teil der Studie, der sie selbst zu Wort kommen lässt. Es sei nur so viel gesagt: vom Zirkus-Trapez-Artisten, der später selbst einen Zirkus mit einem Freund besitzt und dann Schiffskapitän von Ozeanriesen wird, bis zum Polymath, der praktisch alles macht was ihn interessiert.
Im Folgenden will ich auch die Meinungen der erwachsenen Unschooler zusammenfassen, die sich gegen ihr Unschooling aussprachen. In dem Sample waren 3 Personen, die sehr negativ gegenüber Unschooling waren.
Ich finde es sehr wichtig, dass wir uns mit diesen negativen Dingen auch beschäftigen und daraus lernen - insbesondere welche Erfahrungen man als Eltern seinen Kindern ersparen will.
Und auch die Rolle der Gemeinschaft ist hier gefragt - in Frankreich z.B. finde ich es sehr gut geregelt. Diese Regelung wirkt allen Kritikpunkten entgegen (so weit im Rahmen des Möglichen), jedoch bietet sie auch die Freiheit um alle pädagogischen Möglichkeiten auszuschöpfen (auch Radical Unschooling) - entgegen dem österreichischen Modell, das eine Reproduktion des Lehrplans verlangt.
Die Hauptkritikpunkte waren von 2 Unschoolern, deren Müttter depressiv waren oder zu einer extrem religiösen Gruppe konvertierten, und einer der anscheinend in einem wirklich kleinen Kaff aufwuchs, das mit starken sozialen Problemen kämpfte:
Unschooling bringt Probleme:
-wenn die Nachbarschaft schlecht ist (Drogen, Armut, Alkohol-Probleme)
Schulerfahrungen sind dann auch nicht besser. Auf der anderen Seite bringt Homeschooling gewisse finanzielle Einschnitte mit sich. Wenn diese Einschnitte bedeuten, dass man wirklich in eine schlechte Gegend ziehen muss, dann sollte man sich das überlegen, ob es nicht andere Lösungen gibt.
-wenn die Umgebung keine kulturellen Einrichtungen bietet ("middle of nowhere")
Dies deckt sich mit der statistischen Tatsache, dass Homeschooling am seltensten in kleinen Dörfern ist
-wenn Eltern selbst depressiv sind, oder Probleme haben mit der Außenwelt (z.B. soziale Welt) Kontakt aufzunehmen
Dies kann in sozialer Isolation münden und Kinder in einer sehr traurigen, einsamen Welt aufwachsen lassen. Auch sagt einer, dass durch die soziale Isolation mehr Missbrauch durch seine Eltern möglich war, als wenn er nicht so isoliert gewesen wäre.
-Lernerfahrung bei depressiven Eltern
Die eine Person mit der depressiven Mutter sagte auch, dass sie praktisch nichts gelernt hat. Sie muss sich seitdem als Kunstlehrerin (das sie studiert hat) durchschlagen.
-Die Meinung anderer Leute
Dadurch, dass Unschooling /Homeschooling noch relativ selten ist, ist man in permanenter Erklärungsnot. Oft gilt man auch als "weirdos" (engl: "Seltsamling")
-Einschränkung in den Inhalten
Wieder in dem depressiven Fall hat die religiöse Mutter praktisch nur Religion gelehrt.
Andere klagen darüber, dass sie sehr wenig Mathematik/Naturwissenschaften hatten (der Fokus liegt sehr oft auf Kunst und Musik) und insbesondere für ihr Studium oft "Remedial Math"-Kurse machen mussten.
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“My social life was not very good, mainly because of our location. It was a very small town with very typical middle-of-nowhere problems. Drinking, drugs, poverty and the like. I realise in retrospect that most of the children who were my neighbours had grown up in a bad situation and didn't know any better, but I didn't understand that at the time and I was miserable. By the time I was a teenager and we had moved to a new province, I found that I just couldn't break into the social groups of the local homeschooling community and, in the end, I wasn't really interested in doing so. My family did things differently, even from an unschooling standpoint, and social experiences usually have an element of culture shock for both parties.”
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“I actively disagree with unschooling because I believe that it is a very easy way for unwell parents to bring their children up without those parents needing to actively participate/integrate into society…. Because of my mother's poor mental health she found it difficult making friends and generally disliked attending social events, etc. I think this was the main reason she decided to unschool us.” This person went on to say that she felt incredibly isolated socially and didn’t study anything during her unschooling years. She went on to higher education in fine arts, and a job as an art teacher, not because she was interested in art or enjoys teaching, but because she didn’t feel qualified for anything else. In response to our question about the disadvantages of unschooling, for her, she wrote: “My experience of unschooling was negative in every way. I have been bullied as an adult for being 'weird' and for working in low status, low paid jobs. I have also had difficulty finding long-term boyfriends, as although I'm an attractive and intelligent person, there aren't many people who actively want to date people who have huge chips on their shoulders about the way they were brought up (without formal education).”
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The second respondent, a 35-year-old woman, was Christian homeschooled through third grade and then was unschooled, not because of a deliberate decision, but because of her mother’s psychological and physical disabilities and consequent inability to manage homeschooling. This person also wrote that her mother kept her out of school “to be able to control the kinds of information we were exposed to, including sex education, science, or health, as well as control the kinds of people we interacted with.” She, like the other two, was never presented with a choice about her schooling. She felt deprived of school, not privileged to avoid it. As an adult she has worked mostly at temporary jobs such as cleaning or house painting, but, at the time of the survey, was enrolled in a bachelor’s program in industrial design. In response to our question about the disadvantages of unschooling, she wrote: “Disadvantages would be not having the groundwork of basic knowledge and social skills! I am also uncomfortable with most people and prefer to be alone, which may be from my experience growing up alone and unsupervised, but also might just be my nature, I don't know. As a kid the main thing was knowing that I was not fitting in anywhere, always being the "weirdos" in the neighborhood, always missing rites of passage and being alone too often. It was a very lonely and isolated life, rather oppressive given the strict religious upbringing. I also feel now that I learned more about religion than I did things that would be of any use to me later in life.”
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The third respondent, a 29-year-old Ph.D. candidate studying archaeology, wrote that her mother wanted her to have a Christian education, but pulled her out of a Baptist academy in fourth grade because of the mother’s conflicts with the staff. The mother intended to homeschool her, using a Christian curriculum, but failed to follow through because of her own psychological depression. In this respondent’s words, “Her personal struggles with depression, which led to her inability to function in running a house and supervising my homeschooling activities, was the reason for the switch to unschooling.” She wrote further: “In my opinion, I was ‘unschooled’ simply because my mother could not tolerate the anxiety of having me in public or private school -- where other non-Christian people could ‘negatively influence’ me. She needed me at home to do chores and take care of her, because she was a non-functional depressed person. She preferred me to have a socially isolated existence from age 9 to 18 than risk a secular education. My father clearly did not want me homeschooled or unschooled, but he never did anything about it and let my mother do as she pleased.” Concerning her social life, she wrote: “My ‘social’ experiences as an unschooler were restricted to interactions with my parents, my brother, occasionally more distant family members, and going to the grocery store or doctor when I was sick.”
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This person was not entirely negative about her unschooling. In response to our question about advantages, she wrote: “As an adult looking back, I think being in school while dealing with my dysfunctional and abusive parents at home probably would have led me to make some poor social decisions that could have had long-lasting impacts. So, as painful and traumatic as being kept at home in an isolated manner was, I feel it was preferable to the other options. I had a lot of time to myself to think about things. I developed my own secret meditation practice. These habits of self-sufficiency and self-reflectiveness helped me transition toward adulthood, particularly in cutting loose from my mother's controlling grasp.” She also wrote, in response to an earlier question, “I was also a self-driven learner as an unschooler, and much of my employment now requires self-driven education—whether for my dissertation research or for the development of my teaching pedagogy.”
In response to our question about disadvantages of unschooling, she wrote, in part: “As an adult looking back, the main disadvantage was that the social isolation allowed my parents to get away with more abuse and neglect than they otherwise would have. I suffered severe abuse and neglect during the time I was unschooled. Lacking a formal education did chip away at my self-confidence as I transitioned toward adulthood. I carried a nagging sense of unworthiness for quite a while; I still feel permanently damaged in some way, like I am a freak who was kept in a cage and not educated formally. As I prepared to begin formal college education, my unschooling experience hindered me by having failed to provide standard levels of math and science knowledge. I had to tutor myself to pass the GED. I had to tutor myself remedial math and science skills to keep up in introductory-level college courses.”
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It is worth adding that the only other respondent, in the whole sample, who commented on the role of religion in her upbringing was also very negative about the fundamentalist influence. Her parents became extreme Christian fundamentalists when she was 15. She wrote, “At that time, my role shifted to full-time caretaker for my younger siblings. I was expected to get married and have lots of children rather than having any type of career, so further education was viewed as superfluous in that subculture. … After my parents became involved with the fundamentalists, we were cut off almost completely from interaction with others outside the tight-knit religious setting. Interactions were mostly centered around child-care, chores and religious meetings with no free time to simply socialize.” This person, nevertheless, went on to become a very successful writer and noted that she will unschool her own daughter. She is not against unschooling, but strongly against the social and intellectual isolation that occurred in her home when her parents converted.
Montag, 23. Februar 2015
Dyslexie verstehen
Nami hat vor ein paar Wochen zu einem weiteren Lesen Power-Training zugestimmt und dieses haben wir mittlerweile fertig.
Ihre Lesefertigkeit hat sie von ca. 160-170 Zeichen pro Minute auf 210-230 gesteigert. Das ist ein immenser Fortschritt. Sie hat also ihre Lesestärke seit August von 60 Zeichen pro Minute knapp 2 Mal verdoppelt!
Mich freut das total. Nach ihren eigenen Aussagen fällt es ihr mittlerweile leichter.
Je mehr ich sehe wie sie liest und darüber lerne was Dyslexie ist, desto interessantere Seiten finde ich.
Eine total interessante Seite finde ich diese hier. Dort wird ein Text dargestellt, so wie ihn Dyslexier sehen - und als ich ausprobiert habe ihn zu lesen, habe ich genauso geklungen wie Nami!
Ich kopier den Text mal hier rein:
We pegin our qrib eq a faziliar blace, a poqy like yours enq zine.
Iq conqains a hunqraq qrillion calls qheq work qogaqhys py qasign.
Enq wiqhin each one of qhese zany calls, each one qheq hes QNA,
Qhe QNA coqe is axecqly qhe saze, a zess-broquceq rasuze.
So qhe coqe in each call is iqanqical, a razarkaple puq veliq claiz.
Qhis zeans qheq qhe calls are nearly alike, puq noq axecqly qhe saze.
Qake, for insqence, qhe calls of qhe inqasqines; qheq qhey're viqal is cysqainly blain.
Now qhink apouq qhe way you woulq qhink if qhose calls wyse qhe calls in your prain.
Das war Augen öffnend. Ich musste fast weinen, weil ich so stark mit ihr gefühlt habe wie schwer es für sie fallen muss.
Ihre Lesefertigkeit hat sie von ca. 160-170 Zeichen pro Minute auf 210-230 gesteigert. Das ist ein immenser Fortschritt. Sie hat also ihre Lesestärke seit August von 60 Zeichen pro Minute knapp 2 Mal verdoppelt!
Mich freut das total. Nach ihren eigenen Aussagen fällt es ihr mittlerweile leichter.
Je mehr ich sehe wie sie liest und darüber lerne was Dyslexie ist, desto interessantere Seiten finde ich.
Eine total interessante Seite finde ich diese hier. Dort wird ein Text dargestellt, so wie ihn Dyslexier sehen - und als ich ausprobiert habe ihn zu lesen, habe ich genauso geklungen wie Nami!
Ich kopier den Text mal hier rein:
We pegin our qrib eq a faziliar blace, a poqy like yours enq zine.
Iq conqains a hunqraq qrillion calls qheq work qogaqhys py qasign.
Enq wiqhin each one of qhese zany calls, each one qheq hes QNA,
Qhe QNA coqe is axecqly qhe saze, a zess-broquceq rasuze.
So qhe coqe in each call is iqanqical, a razarkaple puq veliq claiz.
Qhis zeans qheq qhe calls are nearly alike, puq noq axecqly qhe saze.
Qake, for insqence, qhe calls of qhe inqasqines; qheq qhey're viqal is cysqainly blain.
Now qhink apouq qhe way you woulq qhink if qhose calls wyse qhe calls in your prain.
Das war Augen öffnend. Ich musste fast weinen, weil ich so stark mit ihr gefühlt habe wie schwer es für sie fallen muss.
Wenn sie so den Text sieht, dann ist es kein Wunder!
Als nächstes hier der Link zum Pinterest-Board von Homeschooling-Dyslexia reingeben.
Auch Sandra Dodd hat eine Seite in der sie über ihre Erfahrung mit Dyslexie schreibt. Sehr heftig - Schule scheint einer der schlechtesten Plätze zu sein an der man dieses Symptom zeigen kann.
Wenn ich mir schon meine ungeduldigen Reaktionen vor Augen führe - und ich zeige eigentlich sehr viel Geduld und bin ihr liebender und unterstützender Vater. Aber wenn jemand 10-mal bei einfachsten Wörtern stockt, dann sieht es aus wie Arbeitsverweigerung. Und wenn er dann um jede Zeile feilscht und sofort spielen will, dann sieht das noch heftiger nach Arbeitsverweigerung aus - bis zu dem Moment an dem man kapiert, wie schwer so eine Zeile ist und dass sich das Gehirn in diesem Spiel erholen will. Und zwar so ähnlich wie man sich nach einem Marathon-Lauf ausruhen will.
Hier ist auch ein wundervolles Video, dass die Situation für Dyslexier in einem Klassenzimmer-Setting zeigt - und warum ich so dankbar bin, dass Nami nicht dort war.
Ich höre oft, dass Unschooling Vertrauen in das Lernen des Kindes ist. Und ich bin da auch voll dabei. Aber für mich ist es irgendwie als ob ich der Höhlenbewohner in Platons Höhlengleichnis wäre. Vertrauen ist für mich die Sonne. Ich sehe nur die Schatten an der Höhlenwand, die sie wirft.
Die Erkenntnis wie fleißig Nami eigentlich ist, was für eine intellektuelle Anstrengung sie auf sich genommen hat, das gibt mir einen heftigen Eindruck von dem wie dieses Licht der Sonne sein muss - und wie die Gegenstände außerhalb meiner Höhle. Aber ich bin dennoch noch gefesselt mit Blick an die Wand.
Ich merke bei Sanji, wie stark ich loslassen kann. Wie sehr ich vertrauen kann und ich merke auch bei den größeren Beiden, wie sehr sie bemüht sind Dinge zu lernen. Ich weiß nicht woran es liegt, dass genau Sanji (der die freieste Erziehung von allen 3en kriegt) so ohne Mühe Dinge versteht - ob es die freiere Erziehung ist, oder ob er einfach super-schlau ist, oder ob ich einfach sensibler geworden bin für die ganzen kleinen Lernschritte, die ein Kind macht.
Nun ja, am Ende geht es darum die Zeit mit den Kindern zu genießen - und auch solche frustrierenden Lernereignisse in Spiele zu verwandeln. Lesen ist halt nun ein Knobelspiel für Nami. Mit einem immens hohen Einsatz an kognitiver Leistung.
Wir haben den 2-Wochen Power Training-Sprint jetzt erst mal erfolgreich beendet. Mit Kuchen und nächste Woche backen wir auch noch einen. Kuchen backen ist nämlich meine Schwäche und da kann Nami mir mal zeigen, wie gut sie Sachen kann und dass Lesen nur ein kleiner Teil der Welt ist - den sie eh nicht nötig hat :)
Hier noch eine Seite um zu testen, ob Dein Kind Dyslexie hat.
Zusätzlich noch die Seite von Learning Ally (die lesen den ganzen Stoff vor und haben Software, die beim Lesen unterstützt)
Eine interessante Sache ist auch - für mich persönlich, dass es für verschiedene Alphabete verschiedene Teile im Gehirn gibt. So ist das Kanji (chinesische Zeichen) woanders abgespeichert als unser römisches Alphabet. Dies wird in dem Buch "Proust and the Squid" erläutert, wo ein bilingualer Mann der diese beiden Alphabete kann nach einem Schlaganfall auf einmal nur noch Kanji kann.
Und noch ganz, ganz interessant ist das Yale Center for Dyslexia and Creativity (ja - Yale University - eine der 8 Ivory League Universities).
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Zu guter Letzt: Das Gehirn ist ein Muskel. Dyslexie kann "besiegt" werden durch regelmäßiges Training - ohne Druck - spielerisch, in Respekt für die große Leistung, die der Betroffene erbringt.
Menschen mit Dyslexie können immer noch studieren, Nobelpreise gewinnen, all ihre Träume verfolgen. Sie müssen nur wissen, dass sie Dyslexie haben und dass sie halt für dieses Skill Alternativen finden können - anstatt sich davon definieren zu lassen.
Sonntag, 22. Februar 2015
Unschooling - Homeschooling - Freilernen - Radical Unschooling - Hackschooling - Worldschooling - XYZSchooling
Wenn man neu beim Schulfreien Lernen ankommt, dann wird man nach einer kurzen Pause (in der man erst mal sacken lassen muss, dass Schule doch nicht die beste Idee ist, sondern vielleicht sogar eher eine sehr Schlechte) von vielen neuen Begriffen überwältigt.
Nein! Erschlagen!
Man fühlt sich sehr orientierungslos, da alles was man bisher für richtig hielt (Schule gut, Mehr Schule besser) auf einmal falsch ist (Schule schlecht, mehr Schule Katastrophe).
Zeugnisse - bäh. Bestrafen - bäh. Motivieren - bäh. Belohnen - bäh. In gutes und schlechtes Wissen unterteilen - bäh. Allgemeinwissen - bäh. Noten - bäh. Stundenplan - bäh. Hausaufgaben - bäh. Früh aufstehen - bäh (naja, da hatte manch einer schon so ein Vorgefühl :) ). Melden - bäh. Erwachsene sind die Bestimmer - bäh. Einen Job mit so viel Prestige wie möglich und so viel Geld verdienen wie möglich - halbbäh. Diszipliniert werden - bäh.
Und die Liste lässt sich noch endlos weiterführen.
Man fragt sich dann: Was stimmt jetzt eigentlich noch? Und was nicht? Wer bin ich? Was hätte alles aus mir werden können, wenn ich mich einfach hätte entwickeln können? Wenn mich die Schule nicht verbogen hätte? Wie eine Aluminiumfolie, die um irgendeine Arbeit rumgewickelt wird, die in unserer Gesellschaft gerade verrichtet werden soll?
Man versteht auf einmal den kompletten Text des Liedes "Logical Song" von Supertramp und schließt mit der Frage: "Won't you please, please tell me who I am!".
Es ist eigentlich wie bei dem Eintritt in einer Sekte (habe ich mal irgendwo gelesen). Zumal die Reaktion des Umfeldes auch ähnlich ist: "Was Homeschooler? Aber, aber... bist Du jenseits von Gut und Böse???" (ratlose Gesichter). Man hat auch nicht wirklich Leute, mit denen man sprechen kann und seine Erfahrungen austauschen kann: "Also mein Kind hat jetzt 620 Kapitel One Piece gelesen und sich 5 Piratenschwerter gebaut... muss ich mir Sorgen machen???"
Um nun einen ersten Halt für alle, die gerade in diesem Dschungel angekommen sind zu geben. Ihnen sozusagen eine kleine Machete und einen Kompass in die Hand zu drücken will ich nun die wichtigsten Begriffe *korrekt* erklären. Egal was irgendjemand anders behauptet, die nun folgende Erklärung ist vom internationalen Zentralrat des Non-Schooling in Den Haag abgesegnet worden und wird nun mit der Welt geteilt:
1.) Home-Schooling: Du hast Dich also entschlossen Deine Kinder nicht zur Schule zu schicken. Wahrscheinlich ist das ein großer Schritt und viele fangen nun an, die Schule zu Hause nachzubauen. Schulbücher, Schreibtische, vielleicht sogar eine kleine Glocke, eine kleine Tafel, Kreide und manche geben ihren Kindern sogar Noten. Willkommen in der Welt des Home-Schooling. Du versuchst nun wahrscheinlich Deinen Kindern den normalen Lehrplan besser beizubringen und kannst mehr auf ihre Fragen eingehen. Die gute Nachricht: Deine Kinder werden laut Forschung durch den besseren Schlüssel alleine schon einen Vorteil haben gegenüber einem Schulsetting.
2.) a) Unschooling: Manche Sachen in der Schule erschienen Dir fragwürdig... nunja... schwachsinnig. Total hirnverbrannte Erfindungen von kranken Köpfen, die nur dazu da waren Dich und Deine Mitschüler zu quälen - z.B. Mathe. Du willst natürlich diese Sachen nicht an Deine Kinder 1:1 weitergeben. Also lässt Du sie weg. Du lässt *schulische* Dinge weg: Un-Schooling. Das kann das Zeugnis sein, das können die Noten sein, das kann die komische Evolution sein, oder Du findest Evolution extra-klasse und wünschtest Du hättest sie damals richtig erklärt bekommen (denn laut einer Aussage verstehen die wenigsten Lehrer Evolution, sondern sind eher Lamarckisten).
Wo auch immer Du von der Schule abweichst: Unschoolst Du.
/Legacy of John Holt - ca. Minute 5 + ca. Minute 47
2.) b) Der Begriff Unschooling bezeichnet am gebräuchlichsten eine Form des Home-Schooling, bei der zumindest kein Lehrplan, keine Noten und keine Tests stattfinden. Es ist ein Interessen-getriebenes LOD (Learning On Demand).
Ein paar gute Bücher:
Aus schlauen Kindern werden Schüler. Von dem, was in der Schule verlernt wird - John Holt
Wie Kinder lernen - John Holt
Free to Learn - Pam Laricchia
3.) a) Deschooling: Wie kamst Du eigentlich darauf, dass dies oder das in der Schule doof ist? Vielleicht hast Du jeden Tag Angst gehabt in Mathe zu sitzen und hast Dich stundenlang mit den Hausaufgaben gequält .... im echten Leben hast Du dann nie wieder Mathe gebraucht und fragst Dich seitdem warum Du das durchmachen musstest? Vielleicht wurdest Du auch in Deiner Klasse gemobbt und hattest eine Zeit lang nach der Schule sogar noch Angst vor Menschen ... im echten Leben hast Du gemerkt, dass die meisten Menschen nett sind. Kein Mensch versucht Dich den ganzen Tag als den letzten Dreck hinzustellen, und wenn es doch solche Bullies mit gestörtem Verhältnis zur Gewalt irgendwo gibt, dann kann man ganz einfach den Raum wechseln. Aber wieder stellt sich die Frage, warum man jahrelang mit diesen Menschen eingesperrt war - als Kind, als man sich am wenigsten wehren konnte.
Diesen Prozess des Infrage-Stellens nennt man Deschooling. Man hinterfragt seine Erfahrungen, die man in der Schule gemacht hat und die damals als gottgegeben dargestellt wurden. Dies kann schmerzhaft sein. Da man vergewaltigt wurde, ohne es zu wissen und im festen Glauben dazu erzogen wurde, dass dies gut und wichtig für die Entwicklung sei.
Deschooling Society - Ivan Illich
3.) b) Deschooling: Deschooling nennt man auch den Prozeß des Befreiens bei Kindern, die in der Schule waren oder ein ähnlich kompetitives, gezwunges Lernsetting hatten. Oft werden Kinder die starke Schulprobleme hatte und deren Eltern dann eine "kognitive Wende" (eine sehr schnelle und rasche Transition vom Schooling zu Unschooling machen) machten so beschrieben, dass sie sich komplett gehen lassen. Nichts mehr machen wollen außer Junk-Food und Fernsehen. Und man soll dies zulassen. Nach einiger Zeit (im Raum stehen oft 2 Wochen bis 2 Monate pro angefangenem Schuljahr) kehren die Kinder dann zu den natürlichen Bedürfnissen und menschlichen Verhaltensweisen zurück. Also Selbst-Effektivität, Intrinsische Motivation, natürliche Neugier, etc.
Da das nach 6 Jahren Schule schon 1 ganzes Jahr sich selbst gehen lassen sein kann, bin ich kein Freund von diesem Ansatz. Ich bin eher Vertreter einer langsamen Transition von fremdbestimmt in selbstbestimmt. Jemand der dann selbstbestimmt ist wird dann selbst entscheiden können, ob er jetzt wirklich ein Jahr Fernsehen will und Junk-Food haben will.
4.) Radical Unschooling: Nehmen wir an, Du hast nun *ALLES* hinterfragt. Und hast gesagt: Ja, ich finde alles wirklich bäh, was da in der Schule veranstaltet wurde. Jetzt hast Du in einem jahrelangen Prozess alles über Bord geworfen und fühlst Dich komplett Gewalt- und Wertungsfrei, keine Zeugnisse, keine Stundenpläne. Spielen an der Wii und der Playstation zählt genauso als Lernerfahrung wie das Studieren von Nuklearphysik und das Entwickeln mathematischer Modelle zur Krebsbekämpfung. Anschauen von Twilight und The Walking Death zählt genauso viel wie in einem Flashmob gegen Tierversuche mitzumachen.
Das ist sozusagen der Zen-Himmel der Erziehung. Da Du nicht mehr wertest kann nichts zwischen Dir und der Beziehung zu Deinen Kindern stehen. Du erwartest nicht mehr, dass sie etwas "sinnvolles" (in Deinen Augen) machen, da sie ja ihren Sinn erst selber finden müssen. Das bedeutet sich "The Walking Death" anzusehen, kann auch zu irgendwas führen - Du weißt es nur nicht, weil es ihr Leben und ihre Bildung und ihre Ziele und ihre Träume und ihre Welt ist. Du akzeptierst aber Deine Kinder als gleichberechtigte Menschen, die ihren Weg finden.
Wenn Du irgendwann denkst Du bist ein "Radical Unschooler" dann warte ab: Es gibt immer noch einen der so dermaßen mehr "radical" ist, dass Du dagegen wie ein konservativer Spießer aussiehst, der den ganzen Tag nichts macht außer Erbsen zu zählen.
Radical Unschooling - oder sogar der "radicalste" zu sein - ist kein Wettkampf. Es ist auch nicht die Königsdisziplin! Es ist einfach eine Wahl, die jemand für sich trifft oder nicht. Es ist ein Weg, den man geht oder nicht.
Auch wenn man in manche Mailing-Listen stolpern kann (z.B. die von Dayna Martin - der Frau, die den Begriff "radical unschooling" stark geprägt hat) in denen alles andere als "falsch" oder "nicht-unschooling"-mäßig proklamiert wird, so hilft es doch "Unschooling" nicht als Religion mit nur einem Gott zu verstehen.
Und egal, wie viele Dinge Du von der Schule loslässt - Du gehst einen Weg. Das ist schon etwas! Schon allein den Kindern die Wahl zu geben, ob sie in die Schule wollen oder nicht ist ein immens großer Schritt für den Dich die prüfenden Blicke unserer Gesellschaft schon genug strafen werden.
Gehe nur die Schritte mit denen Du Dich gut fühlst, die Dir einfach fallen. Es geht nicht darum ein perfekter Radical Unschooler zu sein - es geht darum die eigenen Ziele der Menschen in Deiner Familie zu finden und zu leben.
5.) Freilernen
Ist der deutsche Über-Begriff von fast allen dieser Dinge. Er ist noch recht diffus und ich habe auch schon Eltern von Kindern an "freien Schulen" sich als Freilerner bezeichnen hören. Oft wird da der Fokus auf die intrinsische Motivation und den inneren Lehrplan der Kinder gelegt.
Man geht hier also davon aus, dass Menschen in sich bestimmte Interessen tragen, die auf ihre Entfaltung warten (hier mischt es sich also mit Unschooling). Man geht davon aus, dass diese Entfaltung in freudvoller und mit praktisch unaufhaltsamer Energie vonstatten geht.
Ein gutes Buch hierüber ist: Olivier Keller - denn mein Leben ist Lernen
Als Beispiel gilt hier Andre Stern, der irgendwann angefangen hat den ganzen Tag die Sprache Deutsch zu lernen und das bis zu 8 Stunden - oder sich Gitarrenbau aneignete, sich dann einen Meister suchte und den überredete ihn auszubilden. Respekt.
6.) Hackschooling
In einem berühmten Ted-Talk (das ist eine Serie von Vorträgen in denen Menschen Gehör finden, die irgendwas Interessantes gemacht, entdeckt, etc. haben) gibt Logan LaPlante (Home- und Unschooler) uns zu verstehen, dass man seine Bildung hacken soll. Dass man wirklich verstehen wollen soll (hacking), in welche Richtung man sich bilden will und sich dann die besten und lebensnahesten Ressourcen beschaffen soll. Das geht von Praktika in den Gebieten, aber auch Gehirnforschung, wie das Lernen an sich funktioniert. Er wirbt für eine Bildung, deren Grenzen nur noch die eigene Vorstellungskraft sind. Er definiert hier seinen eigenen Weg, seine eigene Form von "Unschooling" und gibt ihr einen Namen: Hackschooling.
Von Unschooling, Radical Unschooling, Worldschooling, Homeschooling, normales Schuling, etc. holt er sich dann nur noch Impulse. Sie gelten als seine Ideengeber - nicht als seine Dogmen. Das ist ein elementarer Bestandteil seine Bildung zu befreien.
7.) Worldschooling
Das sind Home-/Unschooler, die ihren Fokus auf Reisen haben. Sie sagen nicht den guten mittelalterlichen Spruch: My home is my castle - sondern sie sagen: Home is, where my family is.
Sie sehen die Welt, die normale Schüler aus Büchern und Ferien kennen. Oft verlassen Eltern den regulären "Wir-Büro, Du-Schule"-Weg und scheren aus in diese komplett neue Art des Lebens. Sie ähnelt etwas der Bildung des Adels und der Herrscher in Renaissance und Aufklärung. Durch Internet, Couch-Surfing, Worldschooling-Communities und umgebaute Wohnbusse ist dieses Leben heutzutage sehr viel leichter für sehr viel mehr Menschen möglich. Und man genießt die Zeit mit seinen Kindern wahrscheinlich zu einem Ausmaß, das weit hinter unseren Vorstellungen liegt. Und es wird auf jeden Fall zu der einen Entscheidung gehören, die man nicht auf seinem Sterbebett bereut.
8.) XZYSchooling
Nach diesem kurzen Abriß möchte ich (und der Zentralrat des Non-Schooling) nun empfehlen, dass jeder seinen Weg findet.
Und möchte mit Sandra Dodds schönem Satz schließen: "Lies ein bisschen, probier ein bisschen etwas neues aus, warte ein bisschen und beobachte" (Read a little, try a little, wait a little and watch).
Es ist eine wunderbare neue Welt - setz Dich nicht unter Druck. Du brauchst auch niemanden zu überzeugen (besorgte Großeltern). Die radikalste Kritik an einem bestehenden System ist es etwas anderes zu machen - und das machst Du. :)
PS: Es gibt keinen Zentralrat des Non-Schooling in Den Haag - noch an einem anderen Platz der Welt. Es gibt keinen Non-Schooling Kultusminister und auch sonst keine Autorität. Finde Deinen Weg und sieh alle anderen nur als gleichwertige Berater, deren Meinung so viel zählt wie Dein Gefühl oder Deine Meinung - oder die Meinung Deiner Mutter.
Ich hoffe der Artikel hilft Neuankömmlingen :)
Nein! Erschlagen!
Man fühlt sich sehr orientierungslos, da alles was man bisher für richtig hielt (Schule gut, Mehr Schule besser) auf einmal falsch ist (Schule schlecht, mehr Schule Katastrophe).
Zeugnisse - bäh. Bestrafen - bäh. Motivieren - bäh. Belohnen - bäh. In gutes und schlechtes Wissen unterteilen - bäh. Allgemeinwissen - bäh. Noten - bäh. Stundenplan - bäh. Hausaufgaben - bäh. Früh aufstehen - bäh (naja, da hatte manch einer schon so ein Vorgefühl :) ). Melden - bäh. Erwachsene sind die Bestimmer - bäh. Einen Job mit so viel Prestige wie möglich und so viel Geld verdienen wie möglich - halbbäh. Diszipliniert werden - bäh.
Und die Liste lässt sich noch endlos weiterführen.
Man fragt sich dann: Was stimmt jetzt eigentlich noch? Und was nicht? Wer bin ich? Was hätte alles aus mir werden können, wenn ich mich einfach hätte entwickeln können? Wenn mich die Schule nicht verbogen hätte? Wie eine Aluminiumfolie, die um irgendeine Arbeit rumgewickelt wird, die in unserer Gesellschaft gerade verrichtet werden soll?
Man versteht auf einmal den kompletten Text des Liedes "Logical Song" von Supertramp und schließt mit der Frage: "Won't you please, please tell me who I am!".
Es ist eigentlich wie bei dem Eintritt in einer Sekte (habe ich mal irgendwo gelesen). Zumal die Reaktion des Umfeldes auch ähnlich ist: "Was Homeschooler? Aber, aber... bist Du jenseits von Gut und Böse???" (ratlose Gesichter). Man hat auch nicht wirklich Leute, mit denen man sprechen kann und seine Erfahrungen austauschen kann: "Also mein Kind hat jetzt 620 Kapitel One Piece gelesen und sich 5 Piratenschwerter gebaut... muss ich mir Sorgen machen???"
Um nun einen ersten Halt für alle, die gerade in diesem Dschungel angekommen sind zu geben. Ihnen sozusagen eine kleine Machete und einen Kompass in die Hand zu drücken will ich nun die wichtigsten Begriffe *korrekt* erklären. Egal was irgendjemand anders behauptet, die nun folgende Erklärung ist vom internationalen Zentralrat des Non-Schooling in Den Haag abgesegnet worden und wird nun mit der Welt geteilt:
1.) Home-Schooling: Du hast Dich also entschlossen Deine Kinder nicht zur Schule zu schicken. Wahrscheinlich ist das ein großer Schritt und viele fangen nun an, die Schule zu Hause nachzubauen. Schulbücher, Schreibtische, vielleicht sogar eine kleine Glocke, eine kleine Tafel, Kreide und manche geben ihren Kindern sogar Noten. Willkommen in der Welt des Home-Schooling. Du versuchst nun wahrscheinlich Deinen Kindern den normalen Lehrplan besser beizubringen und kannst mehr auf ihre Fragen eingehen. Die gute Nachricht: Deine Kinder werden laut Forschung durch den besseren Schlüssel alleine schon einen Vorteil haben gegenüber einem Schulsetting.
2.) a) Unschooling: Manche Sachen in der Schule erschienen Dir fragwürdig... nunja... schwachsinnig. Total hirnverbrannte Erfindungen von kranken Köpfen, die nur dazu da waren Dich und Deine Mitschüler zu quälen - z.B. Mathe. Du willst natürlich diese Sachen nicht an Deine Kinder 1:1 weitergeben. Also lässt Du sie weg. Du lässt *schulische* Dinge weg: Un-Schooling. Das kann das Zeugnis sein, das können die Noten sein, das kann die komische Evolution sein, oder Du findest Evolution extra-klasse und wünschtest Du hättest sie damals richtig erklärt bekommen (denn laut einer Aussage verstehen die wenigsten Lehrer Evolution, sondern sind eher Lamarckisten).
Wo auch immer Du von der Schule abweichst: Unschoolst Du.
/Legacy of John Holt - ca. Minute 5 + ca. Minute 47
2.) b) Der Begriff Unschooling bezeichnet am gebräuchlichsten eine Form des Home-Schooling, bei der zumindest kein Lehrplan, keine Noten und keine Tests stattfinden. Es ist ein Interessen-getriebenes LOD (Learning On Demand).
Ein paar gute Bücher:
Aus schlauen Kindern werden Schüler. Von dem, was in der Schule verlernt wird - John Holt
Wie Kinder lernen - John Holt
Free to Learn - Pam Laricchia
3.) a) Deschooling: Wie kamst Du eigentlich darauf, dass dies oder das in der Schule doof ist? Vielleicht hast Du jeden Tag Angst gehabt in Mathe zu sitzen und hast Dich stundenlang mit den Hausaufgaben gequält .... im echten Leben hast Du dann nie wieder Mathe gebraucht und fragst Dich seitdem warum Du das durchmachen musstest? Vielleicht wurdest Du auch in Deiner Klasse gemobbt und hattest eine Zeit lang nach der Schule sogar noch Angst vor Menschen ... im echten Leben hast Du gemerkt, dass die meisten Menschen nett sind. Kein Mensch versucht Dich den ganzen Tag als den letzten Dreck hinzustellen, und wenn es doch solche Bullies mit gestörtem Verhältnis zur Gewalt irgendwo gibt, dann kann man ganz einfach den Raum wechseln. Aber wieder stellt sich die Frage, warum man jahrelang mit diesen Menschen eingesperrt war - als Kind, als man sich am wenigsten wehren konnte.
Diesen Prozess des Infrage-Stellens nennt man Deschooling. Man hinterfragt seine Erfahrungen, die man in der Schule gemacht hat und die damals als gottgegeben dargestellt wurden. Dies kann schmerzhaft sein. Da man vergewaltigt wurde, ohne es zu wissen und im festen Glauben dazu erzogen wurde, dass dies gut und wichtig für die Entwicklung sei.
Deschooling Society - Ivan Illich
3.) b) Deschooling: Deschooling nennt man auch den Prozeß des Befreiens bei Kindern, die in der Schule waren oder ein ähnlich kompetitives, gezwunges Lernsetting hatten. Oft werden Kinder die starke Schulprobleme hatte und deren Eltern dann eine "kognitive Wende" (eine sehr schnelle und rasche Transition vom Schooling zu Unschooling machen) machten so beschrieben, dass sie sich komplett gehen lassen. Nichts mehr machen wollen außer Junk-Food und Fernsehen. Und man soll dies zulassen. Nach einiger Zeit (im Raum stehen oft 2 Wochen bis 2 Monate pro angefangenem Schuljahr) kehren die Kinder dann zu den natürlichen Bedürfnissen und menschlichen Verhaltensweisen zurück. Also Selbst-Effektivität, Intrinsische Motivation, natürliche Neugier, etc.
Da das nach 6 Jahren Schule schon 1 ganzes Jahr sich selbst gehen lassen sein kann, bin ich kein Freund von diesem Ansatz. Ich bin eher Vertreter einer langsamen Transition von fremdbestimmt in selbstbestimmt. Jemand der dann selbstbestimmt ist wird dann selbst entscheiden können, ob er jetzt wirklich ein Jahr Fernsehen will und Junk-Food haben will.
4.) Radical Unschooling: Nehmen wir an, Du hast nun *ALLES* hinterfragt. Und hast gesagt: Ja, ich finde alles wirklich bäh, was da in der Schule veranstaltet wurde. Jetzt hast Du in einem jahrelangen Prozess alles über Bord geworfen und fühlst Dich komplett Gewalt- und Wertungsfrei, keine Zeugnisse, keine Stundenpläne. Spielen an der Wii und der Playstation zählt genauso als Lernerfahrung wie das Studieren von Nuklearphysik und das Entwickeln mathematischer Modelle zur Krebsbekämpfung. Anschauen von Twilight und The Walking Death zählt genauso viel wie in einem Flashmob gegen Tierversuche mitzumachen.
Das ist sozusagen der Zen-Himmel der Erziehung. Da Du nicht mehr wertest kann nichts zwischen Dir und der Beziehung zu Deinen Kindern stehen. Du erwartest nicht mehr, dass sie etwas "sinnvolles" (in Deinen Augen) machen, da sie ja ihren Sinn erst selber finden müssen. Das bedeutet sich "The Walking Death" anzusehen, kann auch zu irgendwas führen - Du weißt es nur nicht, weil es ihr Leben und ihre Bildung und ihre Ziele und ihre Träume und ihre Welt ist. Du akzeptierst aber Deine Kinder als gleichberechtigte Menschen, die ihren Weg finden.
Wenn Du irgendwann denkst Du bist ein "Radical Unschooler" dann warte ab: Es gibt immer noch einen der so dermaßen mehr "radical" ist, dass Du dagegen wie ein konservativer Spießer aussiehst, der den ganzen Tag nichts macht außer Erbsen zu zählen.
Radical Unschooling - oder sogar der "radicalste" zu sein - ist kein Wettkampf. Es ist auch nicht die Königsdisziplin! Es ist einfach eine Wahl, die jemand für sich trifft oder nicht. Es ist ein Weg, den man geht oder nicht.
Auch wenn man in manche Mailing-Listen stolpern kann (z.B. die von Dayna Martin - der Frau, die den Begriff "radical unschooling" stark geprägt hat) in denen alles andere als "falsch" oder "nicht-unschooling"-mäßig proklamiert wird, so hilft es doch "Unschooling" nicht als Religion mit nur einem Gott zu verstehen.
Und egal, wie viele Dinge Du von der Schule loslässt - Du gehst einen Weg. Das ist schon etwas! Schon allein den Kindern die Wahl zu geben, ob sie in die Schule wollen oder nicht ist ein immens großer Schritt für den Dich die prüfenden Blicke unserer Gesellschaft schon genug strafen werden.
Gehe nur die Schritte mit denen Du Dich gut fühlst, die Dir einfach fallen. Es geht nicht darum ein perfekter Radical Unschooler zu sein - es geht darum die eigenen Ziele der Menschen in Deiner Familie zu finden und zu leben.
5.) Freilernen
Ist der deutsche Über-Begriff von fast allen dieser Dinge. Er ist noch recht diffus und ich habe auch schon Eltern von Kindern an "freien Schulen" sich als Freilerner bezeichnen hören. Oft wird da der Fokus auf die intrinsische Motivation und den inneren Lehrplan der Kinder gelegt.
Man geht hier also davon aus, dass Menschen in sich bestimmte Interessen tragen, die auf ihre Entfaltung warten (hier mischt es sich also mit Unschooling). Man geht davon aus, dass diese Entfaltung in freudvoller und mit praktisch unaufhaltsamer Energie vonstatten geht.
Ein gutes Buch hierüber ist: Olivier Keller - denn mein Leben ist Lernen
Als Beispiel gilt hier Andre Stern, der irgendwann angefangen hat den ganzen Tag die Sprache Deutsch zu lernen und das bis zu 8 Stunden - oder sich Gitarrenbau aneignete, sich dann einen Meister suchte und den überredete ihn auszubilden. Respekt.
6.) Hackschooling
In einem berühmten Ted-Talk (das ist eine Serie von Vorträgen in denen Menschen Gehör finden, die irgendwas Interessantes gemacht, entdeckt, etc. haben) gibt Logan LaPlante (Home- und Unschooler) uns zu verstehen, dass man seine Bildung hacken soll. Dass man wirklich verstehen wollen soll (hacking), in welche Richtung man sich bilden will und sich dann die besten und lebensnahesten Ressourcen beschaffen soll. Das geht von Praktika in den Gebieten, aber auch Gehirnforschung, wie das Lernen an sich funktioniert. Er wirbt für eine Bildung, deren Grenzen nur noch die eigene Vorstellungskraft sind. Er definiert hier seinen eigenen Weg, seine eigene Form von "Unschooling" und gibt ihr einen Namen: Hackschooling.
Von Unschooling, Radical Unschooling, Worldschooling, Homeschooling, normales Schuling, etc. holt er sich dann nur noch Impulse. Sie gelten als seine Ideengeber - nicht als seine Dogmen. Das ist ein elementarer Bestandteil seine Bildung zu befreien.
7.) Worldschooling
Das sind Home-/Unschooler, die ihren Fokus auf Reisen haben. Sie sagen nicht den guten mittelalterlichen Spruch: My home is my castle - sondern sie sagen: Home is, where my family is.
Sie sehen die Welt, die normale Schüler aus Büchern und Ferien kennen. Oft verlassen Eltern den regulären "Wir-Büro, Du-Schule"-Weg und scheren aus in diese komplett neue Art des Lebens. Sie ähnelt etwas der Bildung des Adels und der Herrscher in Renaissance und Aufklärung. Durch Internet, Couch-Surfing, Worldschooling-Communities und umgebaute Wohnbusse ist dieses Leben heutzutage sehr viel leichter für sehr viel mehr Menschen möglich. Und man genießt die Zeit mit seinen Kindern wahrscheinlich zu einem Ausmaß, das weit hinter unseren Vorstellungen liegt. Und es wird auf jeden Fall zu der einen Entscheidung gehören, die man nicht auf seinem Sterbebett bereut.
8.) XZYSchooling
Nach diesem kurzen Abriß möchte ich (und der Zentralrat des Non-Schooling) nun empfehlen, dass jeder seinen Weg findet.
Und möchte mit Sandra Dodds schönem Satz schließen: "Lies ein bisschen, probier ein bisschen etwas neues aus, warte ein bisschen und beobachte" (Read a little, try a little, wait a little and watch).
Es ist eine wunderbare neue Welt - setz Dich nicht unter Druck. Du brauchst auch niemanden zu überzeugen (besorgte Großeltern). Die radikalste Kritik an einem bestehenden System ist es etwas anderes zu machen - und das machst Du. :)
PS: Es gibt keinen Zentralrat des Non-Schooling in Den Haag - noch an einem anderen Platz der Welt. Es gibt keinen Non-Schooling Kultusminister und auch sonst keine Autorität. Finde Deinen Weg und sieh alle anderen nur als gleichwertige Berater, deren Meinung so viel zählt wie Dein Gefühl oder Deine Meinung - oder die Meinung Deiner Mutter.
Ich hoffe der Artikel hilft Neuankömmlingen :)
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